Jahrgang 
27-52 (1867)
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418 Novellen Isländiſchen Moos bereitet man zum Erſatz eine Art von Mehl und die Hauptnahrung ſind getrocknete Seefiſche. Solcher Art ſind Islands Erwerbsquellen, ſo natürlich iſt auch ſein Handel; ein Modehandel und ein Geſchäft mit Dingen, die zur Bequemlichkeit des Lebens gehören, kann nicht aufkommen, da Ge⸗

ſitzt und Zufriedenheit ſeine Amme iſt. Wenn auch in großer Armuth, ſo leidet doch der Isländer bei ſeiner Genügſamkeit für gewöͤhnlich keinen Mangel und letzterer tritt erſt ein, aber dann auch um ſo furcht⸗ barer, wean vulcaniſche Ausbrüche das Land über⸗ ſchütten und Treibeis den Fiſchfang und das Ein⸗ laufen europäiſcher Schiffe verhindert. Islands Volk, von germaniſcher Abkunft, ernſt und treu, von reinen Sitten und nicht gemeiner Ausbildung, da es zur Seltenheit gehört, daß ein Isländer nicht leſen und ſchreiven kann, kleidet ſich in grobes Gewebe, von 1 den Frauen des Landes aus der Wolle der Heerden ge⸗ 1 wonnen, oder in Pelz, den Viehzucht und Jagd liefern; Viehzucht, Jagd auf Vögel und Fiſchfang ſind daher auch die einzigen Hebel für Islands Handel, zu denen dann noch als ſchwächere Momente die Strumpf⸗ und Handſchuhweberei und der Handel mit Eiderdunen und Wolle treten. Trotz dieſer höchſt einfachen Handelsartikel 5 hat Reikiavig, dieſe kleine Stadt, jährlich zwei Meſſen 1 oder Handelsmärkte, zu denen dann neugierig und

handelsbereit aus jedem der einzelnen Gehöfte Is⸗

lands eine fröhliche Schaar eilt Alles zu Pferde, der Mann mit der Pelzjacke und das Weib mit der durch Bilder weltbekannten zuckerhutförmigen Mütze. Solche Meſſen finden zu Weihnacht und am Johan⸗ . nistage Statt und der wackere Stiftsamtmann von 1 Vidöe hatte ja dem Erich Zeſagt, zur Zeit des Voll⸗ mondes ſei Meſſe drüben in der Hauptſtadt.

Der Mond hatte ſich gefüllt, der wackere Norſen

ihm hingeritten nach dem Handelsplatz, ſchlugen ihrer langzottigen Rößlein unter dem Thore von Reikiavig.

Da die Stadt ſelbſt nur eine einzige lang Straße iſt, an deren oberem Ende, gerade da, w

dürſtend gen Himmel ſtreckt, die Kathedrale und da Haus des Biſchofes liegt, ſo breitete ſich vor den Re luſtiges Treiben, Rufen

Waaren aus. Es war ein

Feilſchen und

Zeilung.

denen die Menge,

Vidöe erkannten, Reikiavigs Handel und Wandel öffnete.

drauſonund dort drüben liegt :.. ürdigen Biſchofs uügſamkeit an der Wiege des isländiſchen Knaben hochwur igen Biſchofs⸗

1 ſeinen Segen geben, wollet, aus dem Hauſe zum Guten gereiche!

Zweckes gedachte,

Iſefjord, wie ihm Knut Hioreif

war bei Iſefjord vorübergetrabt und hatte den Junker

Erich abgeholt aus des Syſſelmanns Haus, war mit und eben

Hufen das Pflaſter

der Torfa die ewig ſchneebedeckte Kuppe nach Sonne

tern die handelsluſtige Menge mit ihren Buden und

Grüßen, und von manchem Stand, wo anderinnen um eine köſtliche Pelzmütze eine Reihe gedoͤrrter Fiſche, flog Blick auf die beiden Reiter,

als ſie den Stiftsamtmann von bereitwillig eine breite Gaſſe durch

lachte Norſen Kor⸗ Eures Ohms, des Behauſung; möge Gott, Euch daß das, was Ihr Euch holen Olaf Niegelſons Euch allezeit

Da wären wir, Junker

Und wie Herr Norſen ſo ohne böſen Willen des der einſt Junker Erichen auf die Reiſe gen Island gebracht, da zuckte es dem Erich durch das Herz wie ein unſäglicher Schmerz und alle Wunden brachen ihm auf, und er gedachte Edda Hio⸗ reif's und ihres Schwures und Axel's mit ſeiner edel⸗ müthigen Aufopferung; und wie er dies ſein Glück aus Olaf Niegelſons, ſeines Oheims Händen hatte empfangen ſollen, und wie nun Alles vorüber ſei und er gar keine Freude mehr habe auf dieſer ganzen Welt! Und dann dachte er an den Abſchied vom treu und bieder die Hand gedrückt, und wie die Edda todtenbleichen An⸗ geſichtes, aber ruhig zu ihm geſprochen:Junker Erich, vergeßt uns nicht! und wie ſie ihm die Hand ge⸗ reicht, als er zu ihr geſprochen:Grüßt mir den Nielſen Trampe, wenn er heimkehrt von der Grön⸗ landsfahrt! Und wie er dann auf das Rößlein ge⸗ ſtiegen und Berg auf, Berg ab geritten, über Haide und Feld, Fluß und Felſengeklüfte, immer nur mit dem einen Gedanken an Edda, die heißgeliebte und auf ewig verlorene! Axel hatte ſich geopfert, aber Edda's feſter Sinn war derſelbe geblieben:Ich habe geſchworen, dem Nielſen Trampe zu gehoͤren, wenn er um mich freiet Nielſen Trampe iſt gen Grön⸗ land gefahren wie nun, Erich, wenn ich auf Euch hörte und gäbe mich Euch hin und Axel kehrte heim, und forderte mich zum Weibe und ich ſtände da, wort⸗ brüchig und meineidig!

Das Alles hatte Junker Erich unterwegs ge⸗ dacht, und Norſen Kordrauſon hatte vergebens Alle ſeine Späße aufgeboten, um den jungen Mann zu erheitern, Erich blieb ſtumm und Norſen trottelte zu⸗ letzt wortkarg neben ihm drein. Als ſie nun durch das Thor von Reikiavig geritten und ein Stückchen durch die Meſſe der Hauptſtadt getrabt waren, trat ein hoher mächtiger Bauer, ſo ein richtiger rieſiger Islandsmann, aus dem Gewühle auf den Stiftsamt⸗ mann zu, bot ihm die Hand und ließ ſich mit einem Blicke auf den Junker Erich in

Norſen Kordrauſon ein. Reitet nur immer zu! rief dieſer dem Junker

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ein Geſpräch mit dem