Jahrgang 
1-26 (1867)
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Ich klopfte leiſe an's Fenſter; denn auf dem Hofe erſcholl das Signalhorn der ausrückenden Soldaten. Sie fuhr zuſammen; als ſie aber ihren Cameraden erkannte, nickte ſie mir zu und that raſch ihren ganzen Unfug in Tante Joſephinens Nadelbüchſe. Dann ſtrich ſie das ſchwarze Haar hinter die Ohren und kam auf den Fußſpitzen zu mir heran. Jenni, flüſterte ich,wir ſpielen Räuber!

Sie ſtieß behutſam den Fenſterflügel auf. Räuber, Alfred?

Du und ich; die Andern ſind ſchon im Verſteck. Wart; einen Augenblick! Und ſie ſchlich leiſe zurück und ſchob den Riegel vor die Thür, die das Zimmer von der Wohnſtube trennte.Adieu, Tante Joſephine! Raſch war ſie wieder da und mit einem leichten Sprung ſtand ſie draußen.

Es war ein prächtiger Frühlingstag; Garten und Hof voll Sonnenſchein. Die alten Birnbäume, die Aeſte hoch an den Dächern der Gebäude ausbreitend, waren mit weißen

Blüthen überſäet, zwiſchen de überall die jungen lichtgrünen Blätter hervordri ber hier unten im Bosquet war das Laub parlich am Geſträuche hervorgeſproßt. Jenn leid konnte uns verrathen.

ſie durch die Büſche hart an

g3, und während wir das Trappen

em Gage des vorderſten Fabrikgebäudes nen, ſchlüpftm wir durch eine vom Garten diheluführende Thür in der entlegenſten Anbau auf deſſen geerichtet hatte. athmeten wir entronnen. Aber

Wer iſt

der Gartenn

Als wir auf der dämmerigen Treppe einen Augenblick auf; wi

wir ſtiegen höhen: ne dann auf den zweiten Dachboden⸗ G vermochte kaum zu folgen; abe⸗, das weiß ich noch ſehr wohl, wie die g gen Füßchen mit ſichern, faſt lautloſen Tritten vor mir die Stufen hinaufflogen. Als wir den letzten Boden erreicht hatten, ließen wir behutſam die Fallthüre herab und wälzten einen großen, länglichen Holzblock darauf, der, Gott

1 weiß bei welcher Gelegenheit, auf dem abgelegenen Boden liegen geblieben war.

Flattern der Tauben, die nebenan in dem Schlage aus⸗ und

Einen Augenblick hörten wir auf das

einflogen; dann ſetzten wir uns zuſammen auf unſern Block und Jenni ſtützte das Köpfchen ſchweigend in ihre Hand,

daß die krauſen Haare ihr über das Geſicht herabhingen.

Du biſt wohl müde, Jenni? fragte ich.

Sie nahm meine Hand und legte ſie an ihre Bruſt. Fühl' nur, wie es klopft! ſagte ſie.

Als ich dabei unwillkürlich auf die ſchlanken, weißen Fingerchen blickte, welche die meinen gefangen hielten, erſchien mir daran, ich wußte nicht was, anders, als ich es ſonſt geſehen hatte. Und plötzlich, während ich darüber nachſann, ſah ich es auch. Die kleinen Halbmonde an den Wurzeln der Nägel waren nicht wie bei uns andern heller, ſondern bläulich und dunkler, als der übrige Theil derſelben. Ich hatte damals noch nicht geleſen, daß dies als Kennzeichen jener oft ſo ſchönen Parias der amerikaniſchen Staaten gilt, in deren

Adern auch nur ein Tropfen ſchwarzen Sclavenblutes läuft; aber es befremdete mich und ich konnte die Augen nicht davon

wenden.

Es mochte ihr endlich auffallen; denn ſie fragte mich: Was guckſt Du denn ſo auf meine Hände?

Ich entſinne mich, daß ich verlegen wurde über dieſe

Vierte Folge.

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eine Perlenſchnur beiſammen ſtanden. was ich meinte.

Was haſt Du denn da für kleine dunkle Monde? fuhr ich fort. Sie betrachtete aufmerkſam ihre Hand und verglich ſie mit der meinen, die ich dagegen hielt.Ich weiß nicht, ſagte ſie dann;auf St. Croix haben ſie das Alle. Meine Mutter, glaub' ich, hatte noch viel dunklere.

Ganz aus der Ferne, aus der Tiefe irgend eines ver⸗ borgenen Kellers herauf hörten wir das Getöſe der Räuber und Soldaten, die indeſſen handgemein geworden ſein mochten, aber es war noch weit von unſerem Zufluchtsorte. Meine Gedanken geriethen wieder auf einen andern Weg.Weshalb biſt Du nicht bei Deiner Mutter geblieben? fragte ich.

Sie hatte wieder den Kopf geſtützt.Ich glaube, ich ſollte was lernen, ſagte ſie gleichgültig.

Konnteſt Du dort nichts lernen?

Sie ſchüttelte den Kopf.Papa ſagt, ſie ſprechen dort ſo ſchlecht.

Es war ganz ſtill auf unſerm Dachboden und faſt dämmerig, denn die kleinen Fenſter waren mit Spinngeweben

Sie wußte nicht,

überzogen; nur vor uns durch eine ausgehobene Dachpfanne

kam ein wenig Sonnenſchein, ſo viel ſich vor einem blühenden Zweig des großen Birnbaums hereinſtehlen konnte. Jenni ſaß ſchweigend neben mir; ich betrachtete ihr Geſichtchen; es war ſehr blaß, nur unter den Augen lagen ſeltſam tiefe Schatten. 3

Auf einmal bewegte ſie die Lippen und lachte ganz

laut vor ſich hin. Ich lachte mit; dann aber fragte ich: Worüber lachſt Du denn?Sie konnte Papa nicht leiden! ſagte ſie.Wer denn?Mama's Meerkatze! War Dein Papa nicht gut gegen ſDoch! Ich weiß nicht. Sie ſtahl ihm immer ſeine Brillantnadel aus dem Jabot, wenn er zu uns kam.

Wohnte Dein Papa denn nicht bei Euch? Sie ſchüttelte den Kopf.Er kam nur oft des Abends zu uns; er wohnte in einem großen Hauſe in der Stadt. Mamia hat es mir geſagt, ich bin nicht d'rin geweſen.

So! Wo wohntet Ihr denn, Du und Deine Mutter? 1

Wir wohnten auch ſehr ſchön! Draußen vor der Stadt. Das Haus lag im Garten, hoch über der großen Bai; eine Galerie mit Säulen war davor; da ſaß ich immer mit Mama, wir konnten alle Schiffe kommen ſehen. Sie ſchwieg einen Augenblick.O, ſie iſt ſehr ſchön, meine Mama! ſagte ſie ſtolz. Dann ließ ſie die Stimme ſinken und ſetzte faſt traurig hinzu:Sie hatte ſo allerliebſte ſchwarze Löckchen vor der Stirn! Und als ſie das geſagt hatte, brach ſie in bitterliche Thränen aus.

Nach einer Weile hörten wir unter uns das Getümmel und die Blechhörner der Soldaten; ſie ſchienen an der Treppe des erſten Bodens Halt zu machen und ſich zu berathen. Ich ſprang auf und blickte umher. Das hatten wir nicht bedacht, es war nirgend ein Ausgang.Wir müſſen uns vertheidigen, ſagte ich leiſe;denn wir ſind gefangen.

Jenni hatte raſch ihre Augen getrocknet.Noch nicht, Alfred! Und ſie zeigte auf die Dachöffnung uns gegenüber. Dort mußt Du hinaus und dann über den Birnbaum in den Garten hinab.Das geht nicht; ich darf Dich nicht verlaſſen.O, rief ſie,mich ſollen ſie nicht fangen! Dabei blickte ſie nach dem dunkelſten Winkel des Daches hinauf.Geſchwind, hilf mir! Ich ſetze mich dort oben auf

Frage.Sieh nur! ſagte ich, indem ich ihre Finger neben⸗ den Hahnebalken; dann ſehe ich's, wie ſie unter mir umher⸗

einander legte, daß die übrigens ganz roſenrothen Nägel wie raſen!