410 Novellen neſen, giebt der Anzug allhier Veranlaſſung zu tauſend unangenehmen Verwechſelungen und Täuſchungen; ich rathe deshalb jedem meiner Landsleute dringend an, nicht nach dem Aeußeren auf den Rang und Bildungs⸗ grad eines Mannes zu ſchließen, wenn er in dieſer Stadt Bekanntſchaften anknüpfen will.
Der Bettler, welcher ſeine Hand ausſtreckt, um einen Cent von irgend einem reichgekleideten Kauf⸗ manne zu bekommen, iſt zuweilen reicher als dieſer Letztere, denn Jener kann keine Schulden machen, weil ihm Niemand Credit giebt, und der Letztere vermag ſeine Schulden nie zu bezahlen, weil ihm Jedermann
„Zeitung.
Credit gegeben hat„aus Reſpect vor ſeinem Rocke!“—
Die Tendenz dieſes Buches iſt die, daß Deutſch⸗ land ſich ein Beiſpiel an dieſer oben berührten und an andern Schwächen Hollands nehmen ſoll. Es iſt zur Kritik eines Landes recht augenehm, dieſe und jene Mängel zu erfahren; doch wir vermiſſen die Ausſtel⸗ lung der Lichtſeiten und dieſe hat Holland in Fülle, da es ohne Kern und mannhaften Charakter keinem Volke möglich iſt, einen Wohlſtand und eine Cultur⸗ ſtufe ähnlich der zu erreichen, welcher ſich Holland ſeit Jahrhunderten erfreut..
Feuilleton.
Au den Ufern der Tiber.
Seit Goethe in ſo klaſſiſcher Weiſe mit der vollen ihm zu Gebote ſtehenden Plaſtik ſeine„Italieniſche Reiſe“ ge⸗ ſchrieben hat, iſt es ſchier zur Norm geworden, daß jeder Berufene und Unberufene die Eindrücke, die er er im ſonnigen Italien empfangen, der lauſchenden Menge vorzuenthalten zu den Unterlaſſungsſünden zählen würde.
Auch Louis Ehlert, der ſich durch ſeine„Briefe über Muſik an eine Freundin“ einen geachteten Schriftſteller⸗ namen erworben, hat dieſer Sitte durch ſein bei Guttentag in Berlin kürzlich verlegtes Buch:„Römiſche Tage“ Rech⸗ nung getragen und dadurch bewieſen, daß er zu den Be⸗ rufenen zählt. Wir geben aus dieſen mit Geiſt und Humor geſchriebenen Tagebuchblättern hier im Auszuge Einiges wieder und ſind überzeugt, damit im Sinne unſerer geehrten Leſer zu handeln.
Rom. Am Rafaelstage, 24. October 1864.
Rom ſollte man wie das Meer und die Alpen zuerſt allein ſehen. Alles Erhabene hat etwas Einſames und Feierliches; es fordert zur Sammlung und zum Schweigen auf. Die allgemeine Klage, daß dieſe Stadt ohne Gleichen den Reiſenden zuerſt enttäuſche, iſt mir unverſtändlich ge⸗ blieben. Ich habe unter ihrem Zauber geſtanden von der erſten Minute, wo ich die Kuppel der Peterskirche am Horizont erblickte, bis zur letzten, und durch mein ganzes Leben wird ſie das Ziel aller Sehnſucht für mich bleiben. Was Italien an Widerwärtigkeiten und Entbehrungen mit ſich bringt, niag ſich aller Orten zu einer gewiſſen Geltung bringen: in Rom vergißt es ſich, weil es zum Nichts einſchrumpft neben all' dem Unerhörten, Rieſenhaften, das die Seele vollauf be⸗ ſchäftigt. Hier begreift ſich's, wie die einzelne Exiſtenz nur die kleine Facette an einem mächtigen Kryſtall iſt, an und für ſich nichts, nicht einmal problematiſch, ſondern nur im Sinne des Ganzen weſentlich und bedeutungsvoll. Hier erfährt ſich's: es giebt keinen falſchen Ruhm, den die Zeit nicht nivellirt, und keinen ächten, den ſie nicht ausgräbt, und wär's nach Jahrtauſenden. In allen anderen Städten der Welt lebt man als Fremder, man ſieht ſich um, genießt, gefällt ſich
oder mißfällt ſich. Rom erlebt man. Wehe dem gedanken⸗ loſen Schlendrian, welcher hieher reiſt, wie man nach London oder Paris geht. Rom iſt, was die ungeheuerſte Phantaſie des Gebildeten ſich in verwegenſter Stunde träumt. Wer hieher kommt, muß ſich belehren, ſich ergänzen und er⸗ höhen wollen. oder beſſer geſagt: Erziehung. Es ſollte das Letzte ſein, was ein gereifter Menſch an ſeine Bildung wendet.
Die Römer nennen jene dämoniſche Luftſtimmung, welche wie Blei auf den Nerven liegt, sciroccaccio. Mit sciroccaccio war ich von Civita vecchia abgefahren. Es war ſchwül wie bei uns nur in Träumen. Eine Stunde vor Rom löſte ſich die verderbliche Spannung in einen jener leidenſchaftlichen Regen auf, wie ſie nur der italieniſche Himmel bringt. Mitten in aller Noth tönte es plötzlich „ecco S. Pietro“. So hat mich mein Lebtag nichts durch⸗ zuckt. Da lag ſie am Himmel, die rieſige Silhouette M. Angelo's. Ich fühlte nur Eins, daß ich in Rom war. Wie ich nach der Minerva gekommen bin, weiß ich nicht. Ein⸗ gequetſcht in den fürchterlichſten aller Omnibuſſe huſchten, eingetaucht in Regenfluthen, Paläſte und Fontainen an meinen eingeſchüchterten Augen vorüber. Es hat etwas ſo Un⸗ wahrſcheinliches, zum erſten Male in Rom zu ſein. Wäre Polizei im Wagen geweſen, ich hätte mich recognoſeiren laſſen, ſo wenig glaubte ich an meinen irdiſchen Menſchen. Aber ein Gaſthof bringt Jeden, auch den Verwirrteſten, zur Beſinnung. Dem franzöſiſchen Kauderwelſch eines eame- riere und der Prellerei zweier facchini verdankte ich meinen erſten Glauben an römiſche Erde.
Die Minerva, ein hauptſächlich von Katholiken be⸗ ſuchtes Hötel, liegt mitten in der Stadt, unweit der Poſt und dem Pantheon auf einem kleinen Platze, den die Kirche sopra Minerva ziert. Mein erſter Gang galt der rotonda, wie man jetzt das Pantheon nennt. Der Himmel blickt wie ein großes blaues Auge unvermittelt hinein. Das Allergrößte iſt immer einfach wie der Himmel und das Pantheon. Wie viel Nachbildungen deſſelben hatte ich nicht ſchon geſehen, und wie ganz anders wirkte das Original in ſeiner hin⸗
Nur Genuß im evelſten Sinne giebt es hier,
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