Jahrgang 
1-26 (1867)
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rendes Curioſum. Der Verfaſſer nimmt in Amſterdam hauptſächlich die unliebenswürdigen Schattenſeiten der Holländer und ihres Lebens wahr, und man darf ihm in vielen Stücken, wenn auch mit Einſchränkung, bei⸗ ſtimmen. So beſonders, was den ſchädlichen franzö⸗ ſiſchen Einfluß anbelangt. Hören wir, was er über den Kleiderluxus und ſeine Oſtentation ſagt:

Es ſpielen die Kleider allhier eine große, eine ſonderbare Rolle. In anderen Ländern erkennt man die Großen an ihrem prächtigen Anzuge; in China tragen die Reichen und Vornehmen mit Gold ge⸗ ſtickte Gewänder. In Amſterdam iſt es anders; die⸗ jenigen, welche kein Gold in der Taſche haben, tragen es außerhalb derſelben zu Schau; der Mann dagegen, welcher zu Hauſe Coupons abſchneidet, kommt in ein⸗ fachem, ſchmuckloſem Rocke die Straße daher.

Ich wußte wirklich nicht, was ich von ſolch ver⸗ kehrter Welt denken ſollte, mein Amſterdamer aber be⸗ lehrte mich, es ſei die Schuld der Franzoſen, welche dereinſt einenAusflug nach Holland gemacht hätten und ſehr nett gekleidet geweſen wären.

In's Innere vermögen die Menſchen nicht zu blicken, kümmern ſich übrigens auch wenig darum, wie es da drinnen ausſiehttrage deshalb Alles, was du beſitzeſt, außen und man wird dich für das halten, was du zu ſcheinen wünſcheſt oder ſein möchteſt!

Da der Amſterdamer ſteinreiche Kaufmann, um ſich von dem Pöbel zu unterſcheiden, wohl einen Rock von gediegenem Gold tragen müßte, dies ſich aber mit der Sparſamkeit nicht vertragen würde, welche ſeinen Vorfahren ihre Reichthümer erworben hat, ſo greift er zu einem viel weniger koſtſpieligen Mittel und kleidet ſichhöchſt einfach.

Wenn man alſo hier in einer Geſellſchaft einen reichgekleideten Mann erblickt, ſo darf man ihn ruhig mit dem quasi Gelehrten in eine Linie ſtellen, welcher überall mit ſeinem Geiſte glänzen will.

Der Indianer trägt all' ſein Gold in Geſtalt eines Ringes an der Naſe, der ſcheinreiche Amſterdamer trägt es in Geſtalt von Kleidungsſtücken, unächten Ringen und Ketten auf ſeinem Körper und der ſtein⸗ reiche läßt es zu Hauſe.

Unlängſt trat ich in ein hieſiges Kaffeehaus. Ich fand hier an einem Tiſche vier Männer beiſam⸗ men ſitzen, deren äußere Erſcheinung mir gewaltigen Reſpect einflößte; denn die Kleidung übt unwillkür⸗ lich einen gewiſſen Eindruck auf unſeren Geiſt aus noch dazu, wenn wir von unſerer Heimath her gewohnt ſind, hinter feinen Röcken verdienſtvolle Männer zu ſuchen.

Ich hielt alſo meine vier Herren für Leute, welche wenigſtens einen hohen Rang bei Hofe bekleiden

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müßten und lauſchte andächtig ihren Geſprächen. Da bemerkte ich aber mit Verwunderung, daß die abge⸗ ſchmackteſten, alltäglichſten Dinge von ihnen abgehan⸗ delt wurden und daß der Gaſtwirth ſie durchaus nicht ehrerbietig behandelte.

Nach einiger Zeit trat ein neuer Gaſt, ein Mann in ſehr einfachem Anzuge, in das Zimmer. Wie der Blitz waren meine vier reichen Hofleute auf den Beinen und machten dem Neuangekommenen eine Verbeugung über die andere. Ich glaubte, ſie ſeien plötzlich gei⸗ ſteskrank geworden oder wollten ſich über den Mann luſtig machen. Ich hatte mit Beſtimmtheit darauf gerechnet, der Letztere werde den Erſteren ſeine Ehr⸗ erbietung bezeigen, nun aber bemerkte ich mit Ver⸗ wunderung, daß gerade das umgekehrte Verhältniß ſtattfand.

Ich erſuchte nun den Wirth um Löſung dieſes Räthſels, indem ich ihn bat, mir zu ſagen, welche hohe Charge jene vier Herren bekleideten und was ihnen eingefallen ſei, ſich ſo demüthig vor einem ganz unbedeutend ausſehenden Manne zu verneigen.

Mein Herr, gab mir der Gaſtwirth zur Ant wort, während er ſeine Worte mit einem geringſchätzen⸗ den Blick auf meine Hofleute begleitete,mein Herr, jener Mann im einfachen Rocke iſt ein ſehr reicher Gutsbeſitzer, welcher den Anderen dort den Auftrag ertheilt hat, eine Feſtlichkeit zu arrangiren, die er bei Gelegenheit der binnen kurzem erfolgenden Hochzeit ſeiner Tochter zu geben gedenkt. Der eine von den Herren iſt ein Tanzmeiſter, die beiden andern ſpielen Violine und der vierte iſt ein Tapezierer.

Du kannſt dir wohl denken, mein lieber Leſer, daß ich nicht wenig unzufrieden mit mir ſelbſt war darüber, daß mir die Kleidung jenerHerren ſo großen Reſpect einzujagen vermocht hatte.

Wie unglaublich es auch klingt, ich ſtehe auch mit meiner Ehre für die Wahrheit meiner Behaup⸗ tung ein,ungeachtet ſich der Tanzmeiſter alle mögliche Mühe gab, um in den Augen der Verſtändigen als vollkommener Affe zu erſcheinen dadurch, daß er ſich herausputzte wie ein Fürſtenkind ſo findet man hier doch eine Anzahl von Herrchen, welche es ſich zur höchſten Aufgabe ihres werthloſen Daſeins machen, den Tanzmeiſter nicht nur zu erreichen, ſondern wo⸗

möglich noch zu übertreffen! Wollte man aber

dem Tanzmeiſter und ſeinesgleichen durch ein Geſetz verbieten, ſich das Recht anzumaßen, ſich ſeiner Klei⸗ dung nach für einen großen Herrn auszugeben, ſo müßte man conſequent dem vornehmen Manne unter⸗ ſagen, ſich die Rechte eines Tanzmeiſters, Schreibers, Handelscommis u. ſ. w. anzueignen.

Für einen Fremden, beſonders für dr en,