Jahrgang 
1-26 (1867)
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Und das Meer rauſchte auf und die Ruderſchläge verhallten, an den Felſen aber ſchallte ſie wieder, die Bitte Axel's:Bleibe auf Island!

(Fortſetzung folgt.)

Gedichte von Carl Twelckmeyer.

Maienzeit.

Horch! welch' heller Jubelklang In des Aethers blauen Räumen! Horch! welch' ſchmetternder Geſang Dort in jenen Blüthenbäumen! Hoch in Lüften, tief im Thal Welch' ein mächtiger Choral, Welche Toͤne ſel'ger Luſt

Aus der Vöglein voller Bruſt!

Auf! o Freunde, ſtimmt mit ein

In des Lenzes Jubelklänge;

Singt hinweg die alte Pein,

Singt hinweg der Sorgen Menge! Schaut! wie lacht ſo hold der Mai! Freut Euch ſein, eh' er vorbei,

Eh' mit Blüthenglanz und Lied Lenz und Luſt von hinnen zieht!

Mein ſtilles Plätzchen.

Ich kenn' ein Plätzchen, ſtill und labend, Fern liegt's vom wirren Lärm der Stadt, Dorthin flücht' ich mich gern am Abend, Hab' ich der Menſchen Thorheit ſatt.

Such's nicht in ſchatt'gen Waldesräumen, Nicht, wo die Eitelkeit der Welt

Aus Ziergeſträuch und Luxusbäumen

Ein zweites Eden hergeſtellt!

Nein, wo die Flur aus Wieſenbreiten Zu einem Hügel aufwärts ſtrebt, Auf dem ein Malſtein ferner Zeiten Sein altergraues Haupt erhebt:

Da, da mußt du das Plätzchen ſuchen, Das traute Plätzchen meiner Wahl,

Wo ich verlernt der Welt zu fluchen, Der Welt, die mir den Frieden ſtahl.

Wem hier das Herz nicht wird entſühnet, Wem's hier in wildem Haß noch ſchlägt,

Novellen⸗ZJeitung.

Der zeigt, wie wenig er's verdienet, Daß er den Ramen Menſch noch trägt.

Wenn rings umher die keuſche Erde Sich in der Dämm'rung Schleier hüllt; Wenn über mir ein mächtigWerde! Den Aetherraum mit Glanz erfüllt;

Wenn durch die abendliche Stille Aus Philomelens ſüßem Lied Der Töne wunderbare Fülle Mir in die tiefſte Seele zieht:

Dann, dann legt ſich das wilde Klopfen, Der Aufruhr, der im Herzen grollt;

Dann löſ't mein Schmerz ſich auf im Tropfen, Der heiß vom Auge niederrollt.

O müde, ſchwermuthsvolle Seele,

Von Thränen matt und Sorgen krank, Dies Plätzchen dir zur Zuflucht wähle, Wird's dir einmal zu weh und bang.

Hier findeſt du dich ſelber wieder; Fern zieht der Schwermuth letzte Spur, Senkt ſich im Hauch des Abends nieder Der Friedensſegen der Natur.

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Amſterdam. Von Briegleb. Leipzig, in Com⸗ miſſion bei Otto Wigand. 1867.,

Mit Recht dürfen Sie darüber erſtaunt ſein, daß inmitten unſerer zahlreichen literariſchen Erſcheinungen ſo wenige auftauchen, die ein unbefangenes und zu⸗ gleich vielſeitiges Urtheil über zwei Völker und Länder ausſprechen, von denen das eine uns als Seitenli⸗ nie ſtammverwandt, das andere uns zum allerwenigſten benachbart iſt. Ich meine Holland und Belgien. Man ſollte billig glauben, daß jene architektoniſchen Eigenthümlichkeiten und Schönheiten der Städte in den genannten Ländern, im Verein mit den uner⸗ ſchöpflichen Kunſtſchätzen, die nur in ihren Hauptſam⸗ melpuncten ausgeveutet ſind, manchem ſinnvollen Be⸗ trachter höchſt anziehend wären. Dazu tritt noch eine Fülle hiſtoriſcher Erinnerungen und ein Volksleben, das zwar weniger poetiſch als manches andere, aber doch voll charakteriſtiſcher Eigenartigkeit iſt. Solche

Betrachtungen finden ſich freilich im vorgenannten

Buche nicht. Es iſt einſeitig und mehr ein raiſonni⸗

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