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den mächtigen Kugelfelſen? Das iſt der Hakonfelſen und man erzählt von ihm, daß einſt ein großer mäch⸗ tiger Seekönig von Norwegen, Hakon Flokki nennt ihn die Sage oder Rafna⸗Flokki, wie er nach dem zur Auffindung des Eilandes ausgeſandten Raben heißt, herübergefahren ſei nach Island; und auf dem Eiland nun habe er von dieſem Kugelfelſen aus die Edda, des Islandskönigs ſchönes Töchterlein, ſpielen geſehen mit ihren Genoſſinnen. Von heftiger Liebe zu dem Mädchen entbrannt, ſei Hakon an das Land geſtiegen und habe um ihretwillen dem Islandskönig gedient als Knecht; nach und nach aber ſei er in des Königs Gunſt geſtiegen und ſei mit der Zeit ein gar ge⸗ wichtiger Mann auf Island geworden. Je höher er aber ſtieg, deſto tiefer ſenkte ſich die Liebe zu des Königs holdſeligem Töchterlein in ſein Herz und er meinte ohne ſie ſterben zu müſſe; nie aber würde es ihm gelungen ſein, die Edda zu erwerben, da ſie dem Axel angelobt war, dem Königsſohn der Faröer, wenn nicht derſelbe aus Freundſchaft zum Hakon ihm Freund⸗ ſchaftsdienſte geleiſtet, dem Islandskönig ſein königlich Wort und Pfand zurückgegeben und aus Island hin⸗ weggefahren wäre auf Nimmerwiederkehr. Und Hakon blieb auf Island bei der ſchönen Edda und wollte nimmer nach Norwegen zurück, denn er meinte, die Eisblüthe von Island müſſe ſicher verdorren außer⸗ halb des heimiſchen Bannes. So lautet, Herr Junker, die Sage von Hakon und dem Hakonfelſen, drüben aber wehet Knut Hioreif's Flaggentuch, der Vater kehret heim vom Fiſchzug!“
Und ſchäumend fuhr das Fiſcherboot, von Knut Hioreif's kräftiger Hand geleitet, in die Bucht und der Syſſelmann ſprang fröhlich an das Land.
„Gott zum Gruß, Junker,“ rief er,„habe eine Botſchaft für Euch; war drüben zu Vidöe beim wackern Norſen Kordrauſon, und dieſer läßt Euch ſagen, der Vollmond ſei da, die Meſſe zu Reikiavig ſtünde vor der Thür und wenn es Euch recht wäre, wollte er morgen mit vorſprechen auf Iſefjord, um Euch mit⸗ zunehmen zu Eurem Ohm, dem frommen Biſchof zu Reikiavig!“.
„Was wollt Ihr vom Biſchof?“ fragte Edda ruhig.„Und ſagt, es iſt Euer Ohm? Ei, ſo grüßt mir herzlich den frommen Herrn von der Edda Hioreif, die er ſelber erzogen und die er im Scherz immer ſein Töchterlein nannte: war ich doch an die drei Jahre im Hauſe des hochwürdigen Herrn und hat er mich doch allezeit lieb gehabt wie ſein eigen Kind!“
Da zuckte es dem Erich, wie ein Blitz durch die dunkle Nacht glüht, ſo auch durch ſeine Seele; wie hatte doch der fromme Ohm von einem wunderbaren Mädchen auf Island geſchrieben, das er ſelber erzogen,
Novellen⸗Jeitung.
und gerne ſein Töchterlein genannt— und nun wußte er es mit einem Male: Knut Hioreif war der reiche Grundbeſitzer von Island, Edda die ihm vom Onkel ver⸗ heißene Braut, die er anfangs verſchmähet und jetzt ſo unendlich liebte mit aller Gluth ſeines Herzens, und die doch nicht ſein werden konnte auf Erden!
„Iſefjord, Iſefjord!“ murmelte Erich,„wohl hatte ich Dich ſchon gehört, Du ſeltſames Wort, ja, ich kannte Dich, Du biſt es ja, Edda Hiöoreif, die Roſe von Iſefjord!“
Edda Hioreif und Erich Niegelſon haben mit⸗ einander geredet für das ganze Leben; und Nielſen Trampe?
Dem heitern Abend war ein ſtürmiſche Nacht gefolgt, wie man derlei Erſcheinungen in den Küſten⸗ gegenden oft wahrzunehmen die Gelegenheit hat. Wie ein kleines unbedachtes Wörtlein, ſo ganz ohne ge⸗ heime Abſicht hingeworfen, im Stande iſt, einen Her⸗ zensbund zu trennen, der jahrelange der Mißgunſt und dem hämiſchen Bemühen, Zwiſt zwiſchen den Frieden zu ſäen, kräftig widerſtanden, ſo ſteht in jenen Gegenden oft ein kleines unbeachtetes Wölkchen am Himmel, das ſich mit der Zeit ausbreitet und den friedlichen Abendhimmel zum zerriſſenen, Dunkel umſchafft, über das finſtere Wolken wie Mahn⸗ rufe eines böſen Gewiſſens dahinjagen. Nicht umſonſt hatte Knut Hioreif an dem Thore ſeines Hauſes prü⸗ fend den Blick zum Himmel erhoben und den Knechten geheißen, die Läden feſt zuzumachen mit den ſtärkſten hölzernen Riegeln, die im Hauſe zu finden wären; „es wird einen ſchweren Sturm geben über Nacht,“ hatte er geſagt, und der Sturm kam mit der Nacht.
Dunkel lag über den Felſen und dem Meer und in
dieſer Nacht jagten dumpfrollend die Wogen über⸗ und durcheinander dem felſigen Ufer zu, um laut brauſend an den Klippen zu branden; gellend kreiſchte die Möve dazwiſchen, die in wilder Luſt die Spitzen ihrer Schwingen in die ſchäumende Fluth tauchte. Wohl war es Vollmondszeit, allein die Wolken bargen neidiſch den lieblichen Schein, und gelang es ihm, von Zeit zu Zeit durchzubrechen durch die finſteren Geſellen, ſo irrte er wie ein flüchtiges Streiflicht zwiſchen den Felſen und ſah nur tobende Fluth und brauſendes Meer; der Sturm brauſte um die Felſen und klagend irrte er durch die Klippen des Ufers, nachdem er vergeblich am Hauſe Knut Hioreif's um Einlaß ge⸗ rüttelt.
„Hoho, du wilder Geſelle, kannſt nicht hinein,“ lachte der Bauer drinnen am glimmenden Herd, „können dich hier nicht brauchen, du trotziger Gaſt, denn hier drinnen iſt Friede und Ruhe!“
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Zum Theil hat Knut Recht, denn gleichmäßige
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