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Vierte
denn meine Liebe wird Euch überall tragen und meine Hände ſollen für Euch ſchaffen, wie ſie es vermögen mit aller ihrer Kraft! Edda, folgt mir um Gottes und meiner Liebe willen!“
„Und mein Vater?“ hauchte Edda unter Thränen.
„Euer Vater wird Euch verzeihen ſpäter, und ich werde ihn ſelbſt holen und hinführen in den ſtillen Sitz unſrer Liebe: weithin wird er mit mir reiſen müſſen bis in das Land, wo es nicht Schnee, nicht Eis giebt, wo die Mandel blüht und die Granate glüht, wo die Feige reift und ein ewig blauer Himmel über den ſonnigen Gefilden lacht. Das iſt der Süden, Knut Hioreif, werde ich zu ihm ſprechen, aber wir müſſen noch weiter: und wir dringen hinein in die maſſenhaften Berge, deren Gipfel die Wolken küſſen, und tief. zwiſchen denen liegt ein einſames ſtilles Thal. Der ſcheue Pirol lockt fröhlich im Walde und eine friedliche Hütte liegt zwiſchen den rauſchenden Tannen, an der Felswand rankt ſich der Eppich und der Quell ſpringt ſilbern durch die mooſige. Flur. Alles iſt ſo heimiſch, ſo ſtill— und in der blühenden Roſenlanbe, wo die Nachtigall ſchlägt und der Finke ruft, ſitzt ein wunderliebliches Weib, das Pfand ihrer ehelichen Liebe, den blühenden Säugling im Arm und harrt auf den heimkehrenden Gatten. So oft es im Gebüſche rauſcht, ſchaut ſie auf und über ihr Antlitz fliegt das Erröthen der Erwartung, der Säugling aber ſtreckt die Aermchen aus und lallt Vaters, wie es das Weib in ſtiller Herzensfreude zum Empfange des geliebten Gatten ihn gelehrt— doch es iſt Nichts, das Reh nur bricht durch das grünende Gezweig und ſchauet in das Thal mit dem ihr eigenen feuchten Auge, oder der Bergadler rauſcht auf aus den oberſten Aeſten der Tannen.— Hört Ihr mich, Edda?“
Edda hatte beide Hände vor das Angeſicht ge⸗ ſchlagen und nickte ſtumm zu der glühenden Bitte Erich's.
Und wie ſie ſo harrt—“ fuhr er fort—,da theilt ſich droben auf dem Bergkamm der Buſch und wonnetrunken grüßt der Jäger ſein liebliches Weib, das ſein Gedanke iſt Tag und Nacht und ſein Him⸗ mel auf Erden: Edda! ich weiß das Thal, Edda! zieht mit mir— wollet Ihr nicht das Weib des ſeligen Jägers ſein? Im Walde iſt jetzt die duftige Roſe erblüht und die Nachtigall ſchlägt— Edda! kommt mit mir in das grünende Thal, ich beſchwöre Euch um unſerer Liebe willen!“
Erich hatte ſich zu Edda's Füßen niedergeworfen, die unbeweglich auf dem Felſen ſaß, das Angeſicht in die Hände geborgen; umſonſt harrte er auf eine Ant⸗ wort.
„Edda, hörſt Du mich nicht?“ „Ja, ich höre Dich, Erich—“ entgegnete ſie
Folge.
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mit feſter Stimme, indem ſie die Hände von dem An— geſicht nahm—„und ich will vergeſſen, was Du Dich erkühnteſt, der Tochter Knut Hioreif's zu ſagen! Ja, Erich, ich habe Dich geliebt von dem erſten Augen⸗ blicke an, da ich Dich ſah, ich habe Dich geliebt mit aller Kraft meiner jungfräulichen Seele, ich liebe Dich auch jetzt noch und eben darum verzeihe ich Dir, was Du eben zu mir geſprochen. Ich will ihn vergeſſen, den ſchmachvollen Plan, den Du eben verlockend vor meinen Augen enthüllteſt, allein nie darf ſeiner wieder Erwähnung gethan werden. Du hatteſt Recht, es kann nicht immer Frühling bleiben und der Schmerz will auch ſein Recht haben— ſo lebet wohl, Erich, der Frühling iſt vorüber, Edda Hioreif bleibt bei dem Vater auf ihrem eiſigen Island, und kehret Ihr einſt wieder zu uns zurück, werdet Ihr mich im Grabe oder im Hauſe Nielſen Trampens, meines Verlobten, finden!“
Und wie ſie ſo ſprach, ſprang Erich ungeſtüm vom Boden auf und eilte wie verdroſſen ein Stück den Felſenhang hinab, wo er ſich niederſetzte; lautloſe. Stille herrſchte in der Bucht, dem Erich drohte das Herz zu zerſpringen, in ſeiner Bruſt wogte und wallte es, wie ein Meer von herbem Schmerz und unendlichem Gram, ſo daß er die Hände vor dem Antlitz zuſammen⸗ ſchlug. Dann zuckte der ſtarke Mann zuſammen, wie von einem Blitze getroffen, und zwiſchen den Fingern zuckte es perlenhell und über des Junkers Hand rollte langſam eine Thräne.
So ſaß Erich eine gute Weile auf dem Felsblock und lautloſe Stille herrſchte in der Bucht, dann erhob er ſich plötzlich, wiſchte mit der Hand über die Augen, trat auf Edda zu und ſprach:
„Lebe wohl, Braut Nielſen Trampens! Mit der Frühe will ich mich auf die Reiſe machen— die Zu⸗ kunft liegt vor mir wie ein grauenvolles Dunkel und meine Hand ſchaudert, wenn ſie daran denkt, den Schleier zu lüften, der die Tage deckt, die da für mich kommen ſollen, allein es muß ſein; trifft Dich aber ein Leid im Leben, wo Dir Niels nicht helfen kann, ſo denke an Erich Niegelſon!“
Und raſch wollte er von dannen eilen, Edda aber hielt ihn.
.„Bleibt, Junker,“ ſprach ſie,„und erwartet mit mir den Vater; ich bitte Euch, laſſet Euch Nichts merken von dem, was unter uns vorgegangen iſt, denn Knut Hiöoreif ſoll nicht wiſſen, daß ſeine Edda ihr Herz der Pflicht opfert. Bleibt, Junker, ich will Euch ein luſtiges Märchen erzählen zur Kurzweil, wie Ihr es ſonſt ſo gern hörtet; Island iſt ſo voll der Sagen und Mären, daß faſt an jedem Felſen ein ſolche Geſchichte hängt. Seht Ihr drüben am Fjord


