404 Novellen
Edda antwortete nicht; eine glühende Röthe über⸗ goß ihr Hals und Nacken und verlegen ſchaute ſie zu Boden. Dann reichte ſie Erich langſam d die Hand und ſprach, indem ſie dem Junker offen und klaren Auges in das Antlitz ſah:
„Hört mich an, Erich, ich will Euch eine Ge⸗ ſchichte aus meiner Heimath erzählen, denn Ihr fragt mich da ſo Wunderſames, darauf ich keine Antwort zu geben weiß; der armen Fiſchertochter von Island wird ſo bange um das Herz beiderlei Fragen, darum ſeid artig, Herr Junker, und höret mein Märchen ruhig an. Es iſt eigentlich keine Sage, ſondern es iſt ſo ein Stückchen aus meiner eigenen Lebensge⸗ ſchichte und ich will Euch darin erzählen, wonach Ihr mich ſchon ſo lange und vielfach gefragt, nämlich das, woher ich des Syſſelmanns Sohn von Enkernäs kenne und woher es kommt, das ich ſo gut bekannt bin mit dem Nielſen Trampe, daß die Leute meinen, wir müßten ein Paar werden dereinſt. Ich weiß recht gut, daß ich ein eigenthümliches Gerede führe, allein, Junker, Ihr müßt das der einfachen und offenen Tochter von Island zu Gute halten, denn ich kenne kein Geheimhalten und kein Geheimnißweſen, und mein Herz liegt allezeit da offen wie ein Bach, dem man bis auf den Grund ſchauen kann an allen Orten. Nun ſeht, Erich, der Niels iſt mit mir aufgewachſen von Kindesbeinen an, denn der Väter Frenndſchaft brachte die Kinder zuſammen; eine Wieſe war unſrer
Zeitung.
langen qualvollen Stunden wieder zur Beſinnung ge⸗ kommen und dem Tode entgangen, war ſeine erſte Frage, ob ſie denn auch den Korb mit den Eider⸗ daunen mit heraufgebracht hätten aus dem Fjord. Als ſie das verneinten, weinte der Knabe; als ſie ihn aber fragten um den Grund ſeines Schmerzes, da erzählte er, wie ja die Edda Hioreif ſich Daunen gewünſcht ſo weich, als ſie nur irgend lägen im Neſte der Eidergans, und wie er ſich deshalb herun⸗ tergelaſſen am ſchwindelnden Seile über den wildeſten Grund, der rings an dem Eiland zu finden iſt. Mit freudiger Haſt hatte er das Körbchen gefüllt und wollte ſchon heimkehren den ſchwindelnden Weg am Seile empor, da ruckte das Seil; der Stab, an dem ſich Niels befeſtigt beim Herunterſteigen, hatte ſich gelockert zwiſchen dem loſen Geſtein, er gab nach und Niels ſtürzte in die endloſe Tiefe, in der man ihn ſpäter gefunden. Als ich ihm Vorwürfe über ſeine Keckheit gemacht und erwähnt, wie leicht er dabei ſeinen Tod hätte finden können, da lächelte Niels trotz ſeiner Schmerzen und ſprach: ⸗Sieh, Edda, dann. wäre ich ja doch für Dich geſtorben!« Und damals“ — fuhr Edda mit lauter Stimme fort und ſtreckte die Hand wie zum Schwure gen Himmel—„damals hat das Kind es bei ſeiner Seele Seligkeit geſchworen und die Jungfrau wird und will es halten: Niels Trampe hat ſein Leben für mich hingegeben und Edda Hioreif wird ſich ihm dabei ihr Lebenlang geben, wenn Niels um ſie freiet! Das, Junker, iſt das Stück,
Spiele Tummelplatz, eine Schule hat uns gemeinſam gezogen, ein Pfarrer uns zuſammen eingeſegnet in der Kirche zu Holum. So blieben wir ein Herz und eine Seele, und der Niels war mir Bruder im edelſten Sinne des Wortes, ſein Herz freuete ſich am meiſten, wenn er mir dachte eine Freude machen zu können und er that mir Alles zu Gefallen, was er mir an den Augen abſehen konnte. War er am Strand, brachte er mir Muſcheln und Steine mit; kam er droben von der Halde, trug er für mich die duftige Dolde des Sandhaargraſes; war er zu Reikiavig oder Skal⸗ hoolt, ſo waren es allerlei Herrlichkeiten, die er auf der Meſſe für mich ausgeſucht— ja, einmal brachte er mir ſogar ein blühendes Röslein mit von Beſſöe, ein Röslein, das eben ſo ſelten iſt auf Island, nie die Nachtigall ſelten ſingt auf der Halde von Torfa!“
Edda hielt einen Augenblick inne, während es dem Juuker klar ward, daß die Isländer alſo mit Recht die Tochter Knut Hioreif's die Roſe vom Iſef⸗ jord getauft hatten, dann fuhr ſie fort:
„Da nun brachten ſie ihn eines Tages blutig und zerſchlagen vom Skagafjord hinauf in meines Vaters Haus, wie ſie ihn beim Fiſchfang drunten gefunden zwiſchen den Felſen; und als er endlich nach
was ich Euch erzählen wollte; ich träume Nichts von Liebe und Leidenſchaft, ich bin ruhig und gedenke meines Schwures. Mein Vater weiß um meinen Plan und billigt denſelben: des Vaters Segen bauet den Kindern Häuſer, und Nielſen Trampe hat ein Herz wie Gold, er iſt meinem Herzen ein Bruder und braucht nur zu klopfen, ſo wird ihm aufgethan — darum, Erich, habt Erbarmen mit mir und läſtert mich nicht, die Verlobte Nielſen Trampens!“
„Nein, Edda, nein—“ rief Erich ſtürmiſch— „nein, das kann nicht ſein, Ihr dürft Euer Herz nicht der Pflicht opfern! Seht, auch mich bindet ein ſolches übereiltes, Verſprechen, aber ich breche es für Euch— ich bin fuei— kommt zu mir, Edda, ſeid mein— laſſet den Niels Trampe, vergeſſet den Schwur, Edda, ich beſchwöre Euch!“
„Ich verſtehe Euch nicht, Erich—“
„Ihr veſteht mich nicht? Ja, weil Ihr mich nicht liebt; denn, wenn Ihr mich liebtet, dann würdet Ihr mir folgen, wenn ich Euch riefe, und würdet Alles von Euch ſtoßen, was unſrem Glücke im Wege ſteht. Folgt mir, Edda, flieht mit mir über das Meer, nach Seeland, nach dem Süden, allüberall, wohin Ihr wollt,
denn
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