Jahrgang 
1-26 (1867)
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uns erzählen, ob Ihr daheim eine ſolche Pracht auf⸗ weiſen könnt; oder wir ſtehen auf der Felsſpitze von Skaga im Norden Islands, die ſich wie ein Pfeil hinausſtreckt in die brauſende Fluth, Thiorsäe ſein blaues Waſſer dem Meere zu über die felſigen Blöcke wirft das Meer bricht ſich bran⸗ dend am Fuße der Felſen, der Mond ſteht ſilbern über der Klippe ſchwindelnder Spitze und in weiten Kreiſen zieht der Edelfalke über den Waſſern. Und durch das brauſende Meer tönet vom Lande her ein hallendes Klingen, ein Rauſchen, wie aus alter Sage herüber. Wißt Ihr, was das iſt, Junker? So hallt Islands Harfe, und an den Felſen, hallt es wieder, das uralte Skaldenlied; denn Islands Töchter wiſſen noch die Saiten der Harfe zu ſchlagen und Islands Söhne tragen ſie hinauf auf die Höhen der Felſen, daß der Wind hindurchzieht und ein klagendes Rau⸗ ſchen hallet über das heilige Island. Noch klingt die Harfe, noch lauſchen wir dem melodiſchen Klang, da donnert es plötzlich im Süden, eine mächtige Feuer⸗ garbe hebt ſich lohend zum Himmel, zuckend ſpiegelt die Fluth ſie wieder, im hellen Tageslichte ſteht die eben entſchlummerte Inſel, erſchrocken ſchweigt die Harfe vor dem brauſenden Getöſe, aus dem Meeres⸗ grunde kocht es empor im mächtigen Strudel und peitſcht die zitternden Felſen wißt Ihr, Junker, der Hekla ſpeiet, und der Geiſer erwacht und mit ihm die andern rauchenden Brunnen und in heißen Strahlen ſteigt ein Springbrunnen zum Himmel, indeß im Norden Mond und Sterne erbleichen und der Himmel erglühet und die Eisberge ſich färben in dem Brande der Gluth Alles ein Feuer, Alles ein Lohen von Enkernäs bis Vidöe rings um die Inſel in den Strahlen des Nordlichtes! Rings um das Eiland hat Gott einen Eisgürtel gezogen, der alljährlich zunimmt und dem Feinde ſeine ſpitzigen Zacken entgegenſtreckt: wie Warten der Natur ſtehen inmitten des Landes der Snäfial und der Torfa mit ihren mit ewigem Schnee bedeckten Geſchwiſtern empor, daß wir weit hinauslugen können über das Meer. Unzählige Buchten dienen dem heimkehrenden Fiſcher zur Zuflucht, dem ungeladenen Fremdling zur Klippe, da ſein Schiff ſcheitert; große Seen liegen auf Island, wie der Thingvaba, in deſſen blauer Fluth die Nixe wohnt mit dem nie erſterbenden Klage⸗ lied. Ueber das ganze Land hin wehet die Sage und in den unergründlich tiefen Höhlen der Berge ruhet das Märchen; der Kobolde und Guomen luſtige Schaar ſchlingt des Obſidians und Kieſelſinters Ge⸗ ſtein durch des Eilandes heimiſchen Boden. Die Flüſſe des Landes wimmeln von Fiſchen, allein wir fangen ſie nicht, gehört uns ja doch das ganze weite

Novellen⸗Jeitung.

indeß der⸗

Meer mit ſeinen beutereichen Wogen und das Segel ſchwillt und die Woge ſchäumt, luſtig ſpringt der Isländer auf ſeines Nachens Bord und ruft fröh⸗ lich, daß die Möve es hört und hinausträgt über das⸗ weite Meer: Hurrah, mein Island!

Die Jungfrau ſchwieg und das Meer rauſchte tief auf, als hätte es den Lobgeſang vernommen auf Islands mährchenhafte Schönheit.

Doch nun kommt, Junker ſprach ſiedie Fröhlichen drinnen werden uns vermiſſen!

Und eilig ſchritt ſie über den Sand hin, der Mond ſchien, der weiße Mantel wallte rings um die herrliche Geſtalt, das Meer brauſte wieder tief auf wie zum Abſchied und Erich konnte ihn nicht unter⸗ laſſen, den fröhlichen Ruf:Hurrah, mein Island! und ringsum an den Felſen hallte es wieder bis weit

über das Meer:Hurrah, mein Island! (Fortſetzung folgt.)

Gedicht von Carl Koch.

Des Kornes Wogen.

Bei der goldnen Sonne ſpätem Scheiden, Wo die Fluren ſich in Purpur kleiden, Wandelt oft mein Fuß aufſtillen Pfaden, Die ſich ſchlängeln durch die grünen Saaten.

Kommen dann des Kornes graue Wogen Geiſterhaft zu mir herangezogen

Wie der theuren Hingeſchied'nen Schatten Leiſe flüſternd in den grünen Matten:

Welch ein Sturm vergangner Zeit Gefühle, Schwellt die Bruſt beim magiſchen Gewühle, Flößet in mein Herz die bittre Kunde Einer tiefen, unheilbaren Wunde.

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Shakeſpeareſtudien von Guſtav Rümelin. Stuttgart, bei Cotta.

Unter den vielen Werken, welche Sie über Shake⸗ ſpeare in unſeren Tagen finden, zeichnet ſich das vorerwähnte weſentlich aus, und wenn wir auch in unſerem Blatte weder die Tendenz noch die Miſſion haben, auf dramaturgiſche Literaturerſcheinungen ſpe⸗