Jahrgang 
1-26 (1867)
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390 Novellen

Eberſtein, hüte Dich fein, ſo hat ja der Tanz den Kaiſer und dann auch ſein Töchterlein um ein Schlöß⸗ lein betrogen! Heutzutage iſt um des Tanzes willen ſchon ſo Mancher wie David von der Michal verlacht, und mancher brave Mann verächtlich über die Achſel angeſehen, heutzutage hat ſchon Mancher den Kopf über dem Tanz verloren, geſchweige denn Geſundheit und Lebenskraft, und was die Sage von Eberſtein und des Kaiſers holdſeligem Töchterlein betrifft, ſo iſt ſie nicht allein niedlich, ſondern auch recht, recht wahr, und das Sprüchwort ſagt nicht mit Unrecht: Wer ſpringt, fällt leicht!

Und wie tanzt Island?

Die Diele auf Iſefjord war abgeräumt, Fäſſer und Kiſten waren im Hintergrunde noch höher auf⸗ einander geſtapelt, um Platz zu gewinnen, an dem Balken haftete glühend die Kienfackel, durch die offene Thür drang das Rauſchen des nahen Meeres, Veit Dolgen, der Dudelſackſpieler von Holum, hatte ſein Inſtrument geſtimmt und der Tanz begann. Erich ſchaute trübe hinein in das fröhliche Treiben, er wußte ſelbſt nicht recht, was ihm fehlte, und doch fühlte er ſich unglücklich, ſo unglücklich, wie er ſich ſein Lebtag noch nicht vorgekommen war; was ging ihn denn Edda, die Tochter des Grundbeſitzers von Iſefjor, an, und doch hatte es ihn wie ein Stich im Herzen getroffen, als ihm Norſen mitgetheilt, Niels Trampe, der Bauernſohn von Enkernäs, würde ſie einſt heim⸗ führen, die liebliche Edda. Er konnte ſein Auge nicht von ihr wenden, wie ſie ſich in lieblicher An⸗ muth im Reigen der blühenden Isländerinnen wand, und bei Gott! Norſen Kordrauſon hate Recht, als er gemeint, Islands ſchöne Töchter ſeine nur duftige Blumen im Kranz, um die eine Knospe zu heben in ihrer wunderſamen Pracht und ſeltenen Schönheit, die Roſe von Iſefjord!

Der Dudelſack ſpielte eine ernſte, klagende Weiſe und ſeinen Klängen gemäß ſchlang ſich pantomimiſch der Tanz. Die jungen Mädchen ſchlangen einen weiten Kreis, Edda ſtand aufrecht allein in der Mitte, während die andern Tänzerinnen ſich auf die Diele gebückt hatten: Edda ſchien den Schmerz und die Sehnſucht nach einem entfernten Gegenſtande ihrer Liebe auszudrücken und nach dem Tacte der Muſik beugten ſich die Mädchen, daß ihre weiten hellen Kleider die Edda umflutheten wie die Wogen des Meeres. Wie eine Fürſtin au Anmuth und Grazie ſchwebte Edda in dem Kreiſe ihrer Freundinnen: die Aufregung des Tanzes hatte über ihre zarte Wange jenes leiſe Erröthen gehaucht, das in dem Kelche der Roſe liegt, die das Volk das verſchämte Mädchen genannt

hat um dieſer Färbung willen; die Locken von dem

Zeilung..

wunderbaren Blond, wie es die Maler der Renaiſſance ſo ſehr liebten, flogen duftig in den Windungen des Tanzes, nach deſſen Figuren ſich die ſchönen Formen der nordiſchen Jungfrau maleriſch beugten und hoben, und die Muſik wurde lebhafter und Edda's Augen erglänzten: der Geliebte naht! Die Freundinnen er⸗ hoben ſich vom Boden und begannen einen ſchnellen Reigen um Edda zu drehen, die Jünglinge von Is⸗ land reichten ſich draußen die Hände um den duften⸗ den Kreis, um dem Einen das Eindringen zu wehren, den die Liebe zu der Roſe in der Mitte treibt. Die winkt ihm und lockt ihn, aber vergebens iſt ſein Mühen, bricht er auch durch der Freunde Reihen, ſo hält ihn das rauſchende Drehen der Freundinnen, bis es ihm endlich durch Liſt, denn zur Liebe paßt die Liſt gar trefflich, gelingt, in den Kreis zu dringen: lachend ſtob die jugendliche Schaar nach allen Seiten, allein ſtand in der Mitte noch lächelnd Edda Hioreif und an ihrer Hand Nielſen Trampe⸗ der die Roſe eben für ſich gewann.*

Schleiermacher deſinirt nicht mit Unrecht die Eiferſucht als eine Leidenſchaft, die mit Eifer ſucht, was Leiden ſchafft!

Der Nielſen Trampe, der Syſſelmannsſohn von Enkernäs! Und Erich fühlte wieder den Stich im Herzen, und ohne ſelbſt recht zu wiſſen, wie es kam, ſtand er plötzlich draußen in der Bucht. Es war dem ziemlich ſtürmiſchen Tage ein wunderſamer Abend gefolgt, und Stille hatte ſich ringsum auf Fluth, Land und Felſen gelegt, gerade als wollte die wilde trotzige Natur des Eilandes dem Fremdling zeigen, daß ſie auch Frieden in ihrem Schooße habe. Hoch über den dunkeln Felſen ſtand an dem allſeitig⸗klaren Himmel die Mondſichel und warf ihr zauberiſches Licht über die Bucht hin weit hinaus auf die däm⸗ mernde Fluth, deren Rauſchen ſich gelegt und einem leiſen Wiegen Platz gemacht hatte, das die Wellen leiſe gegen den Fuß der Uferfelſen trieb. Weiter hinaus ſchwebte über dem Meere einſam eine nächt⸗ liche Möve, bald ſich mit dem breiten Schwingen niederlaſſend auf die dunkle Fluth, als wolle ſie hineintauchen tief, tiefer und immer tiefer hinab bis auf den Grund, bald ſich emporſchwingend hoch mit raſchem Flug in den hellen Schein der Mondſichel. Erich ſetzte ſich dicht am Rande des Meeres auf einen⸗ Felsblock nieder, an deſſen Fuß leiſe plätſchernd die Fluth ſchlug; er ſtützte ſinnend ſein Haupt in ſeine Hand und ſprach:

Bin ich nicht, wie die Moͤve über der Flut! bald droben, bald drunten in einem mir ſelbſt une meiner Seele?

klärlichen Wechſelſpiel der Gefuͤhle

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