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Liebe kommt zum Herzen wie ein Dieb über Nacht: kaum geahnt, hat ſie das ganze Herz eingenommen und ſitzt darinnen, wie das Heimchen auf dem Herde: wenn es im Hauſe lärmt und treibt, hört man von dem Heimchen Nichts, ſobald es aber ſtille wird hin⸗ ter den Thüren, da fängt es an zu zirpen und zu ſingen und es ſchallet der Ruf hin durch das ganze Haus. So weiß das Herz unter dem Treiben des Lebens oft ſelber nicht recht, ob die Liebe bei ihm zu Gaſte iſt oder nicht; wenn es dann aber einmal allein iſt mit ſich ſelber und die Thüren alleſammt hinter ſich geſchloſſen hat, um ſo recht ungeſtört mit ſich Rechnung abzuſchließen, dann ſiehe da! wovon iſt das ganze Herz voll? Die Liebe iſt über Nacht eingezogen, ein Wort, ein Blick hat ſie wach gerufen wie ein Sonnenſtrahl im Lenz das Veilchen unter dem Schwarzdorn an der Hecke weckt, plötzlich iſt ſie da und füllt das ganze Herz— nicht wahr, Erich?
„Aber Junker Erich,“ lachte ihm da Norſen Kordrauſon zu,„Ihr habt ja drüben in Kopenhagen eine ſeltſame Art und Manier der Begrüßung, ſtellt Euch da hin vor die Edda, mitten auf die Diele, ſprechet kein Wort und ſtehet und ſtehet, ſo daß ich Euch für mein Leben gern ein Stühlchen gebracht hätte, daß Ihr Euch wenigſtens ſetzen könntet, und nun ſteht Ihr immer noch ſo verteufelt in Nachden⸗ ken und Simuliren; kommt, gebt mir Euren Arm, daß, wenn der Tanz losgeht, Ihr wacker die Namen wiſſet der Schönen, die Ihr ſchwingen wollet im wir⸗ belnden Reigen!“
Und nach der Reihe nannte der wackere Stifts⸗ amtmann von Vidöe die ſchönen Töchter Islands, machte allerlei launige Bemerkungen dazu und theilte dem jungen Gaſte die Namen der ſtarkgebauten und gedrungenen Söhne des Eilandes mit, die zum Feſte geladen waren.
„Der da,“ ſagte er plötzlich, auf einen kräftigen Jüngling weiſend, der vertraulich mit dem Knut Hioreif ſchwatzte,„iſt des Syſſelmann von Enkernäs Kind, Nielſen Trampe; wird wohl der ſchönen Edda dereinſtiger Verlobter und ſpäterer Ehegatte werden, ſo ſagen wenigſtens die Leute, und ſo wahr ich Nor⸗ ſen Kordrauſon heiße, ich könnte mir kein ſchöneres Brautpaar denken, als die Edda und den Nielſen Trampe, es müßte denn ſein“— ſchloß er mit einem raſchen Seitenblick auf den Junker—„Ihr ſelber, Herr Junker, wolltet die Edda zum Altar führen.“
Und lachend riß ſich der Schalk von des Junkers Arm und miſchte ſich in der Fröhlichen Menge, die eben zum Tanze ſich rüſteten.
Zum Tanz!— Das Wörtlein Tanz» müßte „gentlich ein Capitel für ſich ſelbſt haben, denn es
Novellen⸗Jeitung.
iſt für viele Menſchen ein gar wichtiges Capitel, über das ſie reden können ohne Ende, und über das ſie
ſinnen können im Wachen und im Träumen; es ge⸗
bricht uns hier aber an Zeit und Raum, und die etwaigen ſchönen Leſerinnen, deren Auge heller blitzt, deren Herz hüpft und deren Fuß ſich hebt, wenn ſie das Wörtlein Tanz» hören, müſſen nun ſchon einmal gute Miene zum böſen Spiel machen, und den guten Willen für die That nehmen. Alſo zur Sache: das Wörtlein Tanz iſt nicht umſonſt ein ſo kurzes und einſylbiges Wort, denn in ſeinem Klange liegt ſchon das leichte, hüpfende, flüchtige Weſen des fröhlichen Tanzes; wie unpaſſend würde für den luſtigen Reigen ein langes vierſylbiges Wort ſein, das ſeine unge⸗ fügigen Sylben nach ſich ſchleppte, wie ein ungeſchick⸗ ter Tänzer die unlenkſamen Füße: das wäre ja eben kein Tanz, das wäre ein Schleppen! Der Tanz iſt heutzutage ein wichtiger Geſell, allüberall iſt er zu finden, zu jeder Thür ſteckt er den luſtigen Schopf hinein und kommſt du um eine Ecke, ſiehe da! wer ſteht vor dir?— Der Tanz! In der luſtigen Carne⸗ valzeit ſitzt er im Keller und auf dem Giebel, im Schloß und in der Hütte, kurzum allerwegen; und nur in der traurigen Faſtenzeit weiß er ſich nicht zu helfen und wird ſiech und krank, da er ja nicht herum⸗ ſpazieren kann, ſondern daheim ſitzen muß, wie ein Schwindſüchtiger! Heutzutage drehet ſich Alles um den Tanz herum; greifen wir auf gut Glück hinein in das menſchliche Leben, allüberall läuft der Tanz wie ein elektriſcher Funken von Herz zu Herz!...
Kammergerichtscalculators haben ſich geſtern Abend furchtbar gezankt, verſichert Regierungsraths Köchin ihren Freundinnen am Röhrkaſten, und warum? Weil die Frau Calculatorin der Anſicht war und nicht davon laſſen wollte, die kleine achtjährige Amélie müſſe doch nun tanzen lernen, denn wer nicht tanzen könne, habe keinen Anſpruch auf wahre Bildung!...
Nach Sendheim iſt ein junger Officier gekommen, in einer Geſellſchaft ſpricht man über ihn, lobt ſeine Bildung, ſein geſellſchaftliches Benehmen, ſeinen Tact, ſeine Tournüre, ſeine Figur, ſeine Sammetaugen, aber immer noch hält man mit dem größten Lobe zurück, bis eine neunzehnjährige junge Dame leiſe flüſtert, indem ſie die Augen zum Himmel emporſchlägt und die Hände auf das Herz drückt:„Ach, und er tanzt himmliſch!“...
Es iſt ein alter Witz, ich glaube vom Verfaſſer von Eugen Stillfried, doch paßt er ſehr gut hierher und möge darum hier als entlehnt ſeine Stätte fin⸗ den: ſtehen auf einer Einladungskarte die verhäng⸗ nißvollen Buchſtaben: u. A. w. g.(um Antwort wird
gebeten), ſo leſen ſicher die Töchter des Hauſes dafür;
und 4 einand I Mann, ſobald I ſchuldi it fr einmal — Ja Nun, — RN Brennt kerott? Freun⸗ tanzt! lingsy phonie ſie ſich einige riama nenwe geben phoni ohne der di gleich ſt g wird Und auf! tauz de 2 u.ſ voll
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