Jahrgang 
1-26 (1867)
Einzelbild herunterladen

386 auch der Diener guter Dinge ſei! Ihr aber, Niels Laſen(und er wendete ſich zu einem andern Fiſcher, der am Ufer ſtand) Ihr ſeid ein Nichtsnutz und ein Faullenzer, den ich nicht länger mehr im Hauſe mag; ſuchet Euch Dienſt bei einem andern Herrn, vergeſſet aber nicht, Euren Topf in der Küche heute wohl voll zu machen, damit Euer krankes Weib und Eure Kinder daheim nicht mit unter der Schuld ihres Vaters leiden und der Freude dieſes Tages ver⸗ luſtig gehen!

Und damit ſchritt er den Reitern entgegen, die mittlerweile von den Rößlein geſprungen waren, reichte dem Norſen die Hand, und nachdem ihm der⸗ ſelbe den Junker Erich bei Namen genannt, wollte ſich dieſer, als er vom Pferde geſtiegen, nach höflichem Brauch entſchuldigen, daß er ſo ungeladen mitgekom⸗ men zum Feſte.

Ach was ſagte feſt der Syſſelmannſo iſt es bei uns nicht Brauch auf Island; ſeid mir willkommen auf Iſefjord, meine Thür ſteht Jedem offen, wer es wagt, anzuklopfen, und wer nun gar einen ſo lieben Freund im Geleite hat, wie Ihr den Norſen, der braucht fürwahr nicht um freundliche Auf⸗ nahme zu ſorgen. Und Ihr, Norſen, habet Dank dafür, daß Ihr den Junker mitgebracht habt: mich

freuet's allemal, wenn ich des Königs Ehrentleid

171

bei ſeinen Officieren ſehe

Und während Norſen Kordrauſon bei Erwähnung des Königs den Hut abnahm, fuhr Knut Hioreif alſo zu Erich weiter fort:

Ihr trefft mich, Junker, juſt bei der Arbeit, denn wie bei Euch zu Lande der Bauer am Thore ſeines Gehöftes ſteht, wenn die Wagen voll der reich⸗ lichen Ernte heimſchwanken, ſo ſtehe auch ich an der Pforte meines Hofes und zähle die Garben, die mir der Herr in ſeiner großen Gnade beſcheert. haben freilich kein Feld und Gartenland, daß wir Roggen einfahren könnten und Weizen, da bei uns nur kümmerlich die Gerſte und das nöthigſte Gemüſe gedeiht und mit jedem Jahre die Eisfelder zunehmen, die Island bedecken allein Gott hat den braven Isländern dafür ein ander Feld gegeben, darauf ſie eine reichliche Ernte halten können Jahr aus, Jahr ein zu jeder Zeit. Sind wir denn nicht am Ende beſſer daran, als die Bauern drüben auf dem Feſt⸗ lande? Unſer Ackerland trägt alle Jahre und braucht nicht, um neue Kraft zu ſammeln, von Zeit zu Zeit Brache zu liegen, wir brauchen es auch nicht zu be⸗ ſtellen und uns nicht um Regen, Hagel und Sonnen⸗ ſchein zu kümmern, denn unſere Ernte reift doch, und Gott ſegnet gnädig unſer armes Fiſcchervolk! Das wißt Ihr wohl, Herr, wenn der Hausvater ſeine Sache

Rovellen⸗Zeitung.

Wir

im Zuge haben will, dann muß er ſein Auge wach haben auf Scheuer, Boden, Küche und Keller da⸗ rum habt Ihr mich draußen getroffen am Strande. Doch wir ſind im Geſpräch hingekommen an mein Haus, tretet ein, Junker, und Ihr, Norſen, damit Euch der Syſſelmann von Iſefjord in ſeinen vier Pfählen bewirthen und willkommen heißen kann!

Verwundert ſchaute Erich auf das Haus von Iſefjord; ein langes, einſtöckiges Gebäude aus Holz, mit Schindeln gedeckt, und an der Seeſeite mit Moos bekleidet, aus deſſen Dache ſich hoch hinauf in die Luft die Schornſteine ſtreckten, lag auf dem Grunde der Bucht; da es mit greller rother Farbe nach is⸗ ländiſcher Sitte angeſtrichen war, trat es ſcharf aus dem braungrauen Hintergrunde hervor, den die be⸗ mooſten Felſengruppen des Fjords bildeten. Die kleinen Fenſter beſtanden aus in Blei gefaßten, klei⸗ nen runden Scheiben und die niedrige Thür zwang jeden Ankömmling zum freundlichen Gruße; unter dem Vorſprunge des Daches hingen Netze, Gabeln und Ruder nebſt allerlei Geräth zum Fiſchfang und zur Schifffahrt und zwiſchen Bündeln getrockneter Pflanzen dehnten ſich lange Reihen gedörrter Fiſche. Kein Gärtchen zierte die Umgebung, kein Baum lud den Gaſt zum ſchattigen Sitz vor des Hauſes Thür, ein hölzerner langer Schuppen war das Einzige, was ſich noch in der Bucht befand das alſo war das Beet, auf dem die Roſe von Iſefjord gewachſen, der Hof von Iſefjord!

Ueber die Schwelle hin traten ſie auf eine mäch⸗ tige Diele, groß und weit, aber zum größten Theil mit Fäſſern und Kiſten gefüllt, über denen Rahmen, Netze und Taubündel lagen, ſo daß ein unergründ⸗ liches Wirrwarr den Hintergrund des Hausflures bil⸗ dete; dort nun blieb Hioreif ſtehen und ſprach:

Das iſt mein Haus und herzlich ſeid mir darin willkommen! Leider kann ich Euch nicht empfangen laſſen durch die Hausfrau, denn mein treues Weib (und durch die kräftige Stimme zitterte es wie ein verhaltenes Weh) habe ich nun ſchon bald ein Jahrzehnt drüben in Huſavig begraben, aber ein Töchterlein habe ich daheim, das ſoll Euch empfangen zum Willkomm!

Und über das breite ehrliche Antlitz Knut Hio⸗ reif's zuckte die Freude, wie ein Sonnenſtrahl über das Brachfeld und durch das Haus klang ſein freudiger Ruf:Edda! der Norſen iſt da von Vidöe!

Der Norſen? klang es helle wieder im Neben⸗ zimmer zur Linken, die Thür öffnete ſich und vor Erich ſtand Edda Hioreif, die Roſe von Iſefjord! Edda war eine hohe und ſchlanke Figur, blond und weiß, wie alle Blüthen des Nordens; die Gluth der