Jahrgang 
1-26 (1867)
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Anzahl die Städte und Dörfer beſuchen.

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die auch den neugierigen Vorübergehenden durchaus nicht ver⸗ borgen werden.

Die ärmeren Claſſen beſuchen faſt nie die Läden, ſondern kaufen ihre Bedürfniſſe bei den Hauſirern, die in großer Dieſe Menſchen ſieht man in der brennendſten Sonnenhitze daherwandern, auf dem Kopfe einen enormen Pack, den die eine Hand balanciren hilft, während die andere eine Elle ſchwenkt und eine Menge Reifröcke trägt.

Nirgends werden die jungen Mädchen ſtrenger bewacht, als in Cuba, und da ſie ſo wenig Gelegenheit haben, junge Männer zu ſehen, entſpinnen ſich ſehr viele Liebesgeſchichten öffentlich an den Fenſtern, d. h. ſie ſteht in der Stube und er draußen vor den Fenſtergittern, und obgleich man es ungern ſieht, muß man es doch ignoriren und dulden. Was iſt auch natürlicher, als daß ein Mädchen, das den ganzen Tag wie ein Vogel eingeſchloſſen iſt, an das offene Fenſter tritt, um Luft zu ſchöpfen? Zufällig geht ein Bewunderer vorüber, er bleibt ſtehen, um ſie zu begrüßen und bietet ihr eine Roſe an; ſie nimmt ſie und befeſtigt ſie ſcherzend in ihrem Haar, wäh⸗ rend er ihr natürlich Fächer und Taſchentuch halten muß. Sie ſprechen von dem letzten Concert, von dem nächſten Ball; er dreht in größter Ruhe ſeinen langen Schnurrbart, aber ſie merkt doch, daß ſeine Blicke bewundernd auf ihr ruhen. Da tritt ihre Mutter in das Zimmer, begleitet von der Tante und Großmutter, und der Cavalier verſchwindet, aber ſein Lebewohl klingt noch lange in ihrem Ohre nach. Jetzt fährt der Wagen vor, ſie muß mit der Tante ſpazieren fahren; vielleicht erblickt ſie ihn dann wieder.

Trotz des zurückgezogenen Lebens der Frauen in Cuba lieben ſie Schmuck und Kleider mehr als alle Anderen; jede Gelegenheit zur Entfaltung einer glänzenden Toilette ergreifen ſie begierig und ſparen weder Koſten noch Mühe, um ihre Reize zu erhöhen. Die Pariſer Mode ſpielt eine große Rolle, aber vor Allem wird ein üppiger Haarwuchs hochgeſchätzt, und um demſelben zu erlangen, nimmt man häufig Waſchungen des Kopfes vor. Eine junge Dame ſagte mir, ſie brauchte dazu jedesmal ein Dutzend Eier. Eine andere Sennorita ließ bei voller Toilette immer das Haar aufgelöſt die Schultern umwallen. Ganz beſonders erinnerlich iſt mir noch eine Scene, die vom prachtvollſten Mondſchein wunderbar beleuch⸗ tet wurde. Eine junge Braut erhob ſich aus dem Kreiſe der umgebenden Schweſtern, Tanten und Couſinen, um ihren Bräutigam zu begrüßen. Er kam geritten, ſie eilte ihm ent⸗ gegen; es war mir, als ſähe ich eine Waldnymphe, ſo bedeckten die ſchönen Locken faſt ihre halbe Geſtalt und das weiße Gewand. Ohne Zweifel iſt auch etwas Koketterie bei einer ſolchen Mode im Spiele, denn eine ſchöne Figur und ein ſchöner Kopf mit glänzenden Augen, halb verborgen von dem natürlichen Schleier, müſſen ja das ſtärkere Geſchlecht un⸗ widerſtehlich anziehen.

Bälle und die Oper ſind für die Frauen das Höchſte im Leben; da müſſen ſie dann jedesmal ein neues und ſehr ele⸗ gantes Kleid haben. Da wird mit dem Schneider und Juwe⸗ lier Rath geſchlagen, weißſeidene Schuhe werden beſtellt, Mode⸗Journale ſtudirt und die Läden ſind bis zu dem erſehnten Abende dicht gefüllt. Im Familienkreiſe ſind die Damen ſehr

einfach, hier genügt ihnen ein weißes Kleid vollſtändig.

Gänzlich unfähig beweiſen ſich die cubaniſchen Mütter,

ihre zahlreiche kleine Nachkommenſchaft zu behandeln und zu

erziehen; die Kinder ſind höchſt eigenwillig und die nachgiebige Mutter iſt meiſt nicht im Stande, den ſelbſtſtändigen und her⸗ riſchen Charakter ther Kinder zu leiten. Der demoraliſirende

Folge.

Einfluß der ſchwarzen Kinderfrauen und Mädchen bringt Eineſchaften hervor, die nicht leicht wieder auszurotten ſind; die argloſe Unſchuld, dieſe lieblichſte Blüthe der Kindheit, wird nur zu oft in ſchlaue Hinterliſt ver waett Die Haus⸗ thiere werden z. B. den einen Augenblick gehätſchelt und ge⸗ liebkoſt, im andern müſſen die größten Grauſamkeiten erdulden, denn die gefühlloſe Kinderfrau erlaubt es.

Auch die Regeln der Geſundheit verſtehen die Mütter ſo wenig, daß das phyſiſche Wohlſein häufig ſehr leidet. Wenn die Kinder in andern Ländern längſt ſüß ſchlafen, dann machen ſie hier ihre Abendtoilette und gehen noch in Geſellſchaften. Deshalb haben ſie auch trotz ihrer leuchtenden Augen ein ſchmachtendes Ausſehen und nirgends findet man die ſchöne Farbe der Geſundheit. Jedoch rührend und unermüdlich ſind die cubaniſchen Mütter an den Krankenbetten ihrer kleinen Lieblinge und erlauben nie, daß eine Andere ſie hier ablöſt. Ueberhaupt zeigt ſich hier, wo keine öffentlichen Anſtalten für Arme, Alte und Kranke exiſtiren, die hingebende Natur des Weibes ſo recht deutlich. Ihr Ohr iſt ſtets jeder Erzählung der Armuth und des Kummers offen und ihre Hand ſtets bereit, den Unglücklichen zu helfen. Unter jedem Himmel und bei jeder Religion hat eben Gott das Herz der Frauen ſo geſchaffen, du es reich iſt an Mitgefühl und Menſchlichkeit und um ſo fähiger, zu helfen und zu tröſten, je mehr ſie ſelbſt gelitten haben.r.

Sir Frederick Pollock.

Von dieſem verſtorbenen Lord Chief Baron of the English bench oder Oberrichter wird eine hübſche Geſchichte erzählt. Sir Frederick war der älteſte Richter, der in Eng⸗ land je dieſen hohen Poſten bekleidet hat, nämlich bis nach vollendetem 82. Jahre ſeines Lebens. Er war etwas ſtolz auf ſein Alter oder vielmehr darauf, daß er als ein ſo alter Greis noch im vollen Beſitz ſeiner Geiſteskräfte war. Als man in ihn drang, ſeinen Poſten niederzulegen, ſagte er ſtolz:Findet einen Mann, den Weſtminſter⸗Hall mir, ſo alt ich bin, gleichſtellt und ich werde morgen meine Stelle niederlegen. Eine gewiſſe Perſon, welche Privatgründe hatte, zu wünſchen, daß er reſigniren möge, machte ihm einen Beſuch und rieth ihm, angeblich aus Rückſicht für die Verlängerung ſeines Le bens und die Er haltung ſeiner Ge⸗ ſundheit dieſen Schritt zu thun. Der alte Mann ſtand auf und ſagte mit ſeinem trocknen Ernſte zu ihm;Wollen Sie mit mir tanzen? Der Gaſt ſtand ganz erſchrocken da, als der Oberrichter mit einer jugendlichen Lebhaftigkeit um ihn herum tanzte. Da er ſah, daß der Gaſt ganz überraſcht daſtand, tänzelte er auf ihn zu und fragte ihn:Nun, wenn Sie nicht mit mir tanzen wollen, wollen Sie ſich mit mir boxen? Damit drang er auf ihn ein und halb im Scherz und halb im Ernſt boxte er ihn zur Thür hinaus. Bei dem alten Baron fand ſich von da an kein Beſuch mehr ein, um ſich nach ſeiner Geſundheit zu erkundigen und ihm zum Rück⸗ tritt zu rathen. C.

Bülle in Nemyork. Ein Newyorker Blatt berichtet, während der Ballſaiſon im vorigen Winter ſeien in der Stadt Newyork wenigſtens tauſend Bälle gegeben worden und es ſei durchaus nicht un⸗ wahrſcheinlich, daß die Zahl derſelben in dieſem Winter in den fünf Monaten, welche die Saiſon dauert, auf zwölf⸗ hundert ſteigen werde. Dabei ſind die zahlloſen Soiréen,