Jahrgang 
1-26 (1867)
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Deutſchland und Oeſterreich ſind ſo ganz beſonders auf einander angewieſen, ihre Freundſchaft iſt beiden ſo heilbringend, ihre Feindſchaft beiden ſo verderblich, daß ich an ihrer Freundſchaft und dem Bund ihrer Regierungen nicht zweifeln kann. Wenn wir aber die deutſchen Länder Oeſterreichs politiſch abgeben, weil wir müſſen geiſtig halten wir ſie feſt! Wir werden das Gefühl züber die unvermeidliche Tren⸗ nung zu beſchwichtigen ſuchen durch einen nur um ſo regeren Verkehr auf allen übrigen Gebieten! Wir ſind Eines Stammes, Eines natürlichen und geiſtigen Strebens; wir werden uns unaufhörlich ſuchen undfinden, um uns unaufhörlich zu beſchenken und zu fördern! Den Deutſchen wird kein Staat wichtiger ſein, als der Bru⸗ derſtaat Oeſterreich; und ſie werden um ſo freudiger für ihn einſtehen, je mehr er ihnen ein Zuwachs an Stärke geworden und je vollſtändiger er dem traurigen Vorrecht eines niederziehenden Gewichts entſagt hat!

Allerdings, durch die Scheidung des lockern Ganzen, welches der Bundestag repräſentirte, in zwei große, ſtraffer zuſammengenommene Theile und durch die Union dieſer Theile als zweier ſelbſtſtändigen Ganzen, wäre der Gedanke des conſtituirenden Par⸗ laments von 1849 ausgeführt! Haben wir aber dieſen Gedanken darum zu verwerfen, weil er das Vermächt⸗ niß einer Körperſchaft iſt, welche bis jetzt allein die deutſche Nation repräſentirt hat? Haben wir dieſe Löſung der deutſchen Frage darum zu vermeiden, weil ſich bisher jede andere als unausführbar erwieſen hat und nur ſie allein noch übrig iſt? Entweder gar kein Oeſterreich, ſondern ein unitariſches Deutſch⸗ land oder ein ſelbſtſtändiges Oeſterreich und ein ſelbſtſtändiſchesKleindeutſchland und die Union dieſer beiden: ein Drittes giebt's nicht! Das unitariſche Deutſchland, welches den Untergang Oeſterreichs involvirte, ſcheint der deutſcheſte Ge⸗ danke zu ſein, iſt's aber nicht! Das unitariſche Deutſchland iſt ein egoiſtiſches, engherziges Deutſch⸗ land; ein ſolches wäre aber im Widerſpruch mit den vornehmſten Eigenſchaften und den höchſten Aufgaben deutſcher Nation im Widerſpruch mit den Zwecken der Geſchichte. Das deutſche Volk hat nicht blos nationale, ſondern im beſonderen Sinne weltbürgerliche

Folge. 377

Aufgaben: zu dieſen gehört die Erhaltung, die Durch⸗ bildung, die Vollendung Oeſterreichs! Hat Oeſter⸗ reich bis jetzt mehr feſtgehalten und aufgehalten, ſo ergeht nun an daſſelbe der Ruf, mit den Cultur⸗ völkern Europas producirend emporzuſchreiten. Von der Erfüllung dieſer zeitgebotenen Pflicht hängt ſeine Berechtigung, von der Berechtigung hängt ſein Be⸗ ſtehen ab. Ich glaube an das Beſtehen Oeſterreichs, weil ich an die Erfüllung dieſer Pflicht glaube. Und ich glaube an die Erfüllung dieſer Pflicht, weil ich nicht glauben kann, daß Männer, die Vernunft und geſunde Sinne haben, ſich mit ſehenden Augen in's Verderben ſtürzen werden!

Es iſt ſchwer, in der Mittheilung dieſes Geſpräches abzubrechen, wie es ſchwer iſt, den ganzen Dialog aus der Hand zu legen, ohne ihn zu Ende geleſen zu haben. Als beſondere Anziehungskraft tritt noch die große Ruhe und geſchmackvolle Sauberkeit des Styls hinzu und der feine tactvolle Humor, der ſich durch dieſe Arbeit zieht, deren Verfaſſer, der rühm⸗ lichſt bekannte Novellendichter und gründlich gebildete Philoſoph Melchior Meyr, ſtets den Glauben an die Würde und politiſche Entwickelungsfähigkeit des deutſchen Volkes aufrecht hält.

Das wir hier lichthelle Idealität und nicht nur praktiſche profane Auffaſſungen in den Stoff hinein⸗ getragen ſehen, entſpricht eben der Erhabenheit und Wichtigkeit ſeiner Natur und ſtimmt ſie harmonievoll zu ſeiner urdeutſchen Eigenartigkeit. Unſere politiſchen Beſtrebungen, unſer ſtaatlicher und volkswirthſchaftlicher Ausbau wird nur ſiegreiche Macht, Lebensfähigkeit und Dauer erhalten, wenn wir dieſem idealen Ele⸗ mente nicht untreu werden, ja wenn wir uns mit einem Worte ein Haus bauen, wie es für unſer Seelen⸗ klima, für unſere geiſtigen Gewohnheiten, für unſern freien wohlwollenden Umblick in die Welt, für unſere, durch die geſammte deutſche Culturgeſchichte gehenden Intentionen paſſend iſt.

Solche Ideen ſchöner Verſtändigung werden durch die Meyr'ſche Lectüre geweckt, und dieſe ideal⸗moraliſche Seite, dieſer verſtändige Humanismus ſind es eben, welche uns für die Betrachtung dieſes ſcheinbar rein politi ſchen Werkchens eine erlaubte Ausnahme machen ließen.

Feuilleton.

Stone's Liebesgeſthichte. Nach dem Engliſchen von Friedrich Coßmann.

Daß Ned Stone ein ſehr praktiſcher Mann ſei, darüber

ſtimmten Alle überein. Einige mögen das in einem verächt⸗ lichen Sinne von ihm geſagt haben, obſchon ohne irgend einen Zweifel dieſe Behauptung in dem Munde Anderer ein

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