Jahrgang 
1-26 (1867)
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372 Novellen⸗Jeitung.

ſeins ſchmilzt darunter hinweg, wie der Schnee unter der Sonne. Alſo führte der Stiftshauptmann ſeinen Gaſt in das aus Backſteinen gebauete Stiftshaus von Vidöe, über deſſen Thür der gaſtliche Spruch:Gott grüße Dich! dem Frendling entgegenlachte, und es dauerte gar nicht lange, da ſaß Seiner Majeſtät jüngſter Officier von der Leibgarde zu Fuß am Camin

des Stiftshauptmanns von Vidöe, juſt, als wäre er

deſſen Bekannter von Jugendzeit her, und lächelnde rief der Amtmann, der ſich's bequem gemacht hatte im weichen Lehnſtuhl und in blauen Wolken den Dampf ſeiner Pfeife von ſich blies, dem Junker zu:

Nun trinkt mit mir auf gut däniſche Manier unſeres gnädigſten Königs und Herrn Geſundheit, denn wo zwei gut königliche Herzen miteinander den Becher ſchwenken, da hüpft wie von ſelber ein kräftig Sprüch⸗ lein auf die von Gott eingeſetzte Majeſtät über die Lippe: ja, ja, weß das Herz voll iſt, deß geht der Mund über, und wir ſind allezeit gut däniſch ge⸗ weſen. Der Isländer hängt an den Zinken der däniſchen Krone, wie die Eidergans, dies Symbol

e von Island, an den Spitzen von Skaga und Enker⸗

näs; ſein Herz hält zu Dänemaͤrk und kann nicht von ihm laſſen, wie die Eidergans ſtirbt, wenn ſie nicht mehr um die rauhen Felſengruppen flattern kann, und wie wiederum die Gans die weichſten Federn aus der Bruſt rupft, um ihre Lieben darauf zu betten, ſo haben wir Isländer unſerem König im Herzen ein Lager von Liebe, Treue und Anhänglichkeit auf⸗ geſchüttet. Der wüſte Sturm, der vor ungefähr einem Jahrzehnt durch die Lande gezogen iſt und vermeſſen an den Thronen gerüttelt hat, iſt bei uns abgeprallt an den ſpitzigen Felsklippen und wieder zurückgeworfen in das brandende Meer: da hat auf gut isländiſche Weiſe das Eis die Gluth verlöſcht und Seine Majeſtät der König(hier lüftete der gute Patriot, wie er es alle Male ſchon gethan hatte bei Erwähnung des Königs, ſein Käppchen) mag nur, wenn es draußen einmal ſchief geht, herüberfahren an den Skagaſtrands⸗ fjord, Norſen Kordrauſon wird die Keule von Gehöft zu Gehöft ſenden bis oben in den höchſten Norden von Skersnäs, und von dem Schlage gerufen werden die braven Syſſelmänner von Huſavig, und der von Holum und Skalhoolt und die Getreuen aller Fjor⸗ dunge ſich um ihn ſchaaren und die Bauern werden ihn beſſer zu ſchützen wiſſen mit ihrem Leben und Blut, als die Herren zu Kopenhagen mit ihren Wehren und Waffen! Nichts für ungut, Herr Junker, gut däniſch ſind wir alle Zwei, der Danebrog iſt unſer Panier allewege und es lebe der König!

Und der brave Stiftshauptmann von Vidoͤe,

Norſen Kordrauſon, wie er ſich ſelbſt genannt, lüftete

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wieder das Käppchen und ſtreckte dem Erich mit fröh⸗ lichem Antlitz den Becher entgegen; und wäre Erich auch nicht Seiner Majeſtät Officier, dem allewege des Königs Name ſein muß wie ein Jubelruf, der das Herze ſchwellt, und nicht ein guter Däne geweſen ſo aus richtigem Dänenblut, ſchon das glückliche Ant⸗ litz Norſen Kordrauſons hätte ihn zum Anklingen und Trinken gebracht alſo klangen die Gläſer und es lebe der König! Ja, ja, fuhr Norſen fort,es iſt doch was errliches, ein Vaterland zu haben, auf das man ſtolz ſein kann und deſſen Klang dem Herzen ſich immer wie ein Freudenkuß auf die Lippen legt. Dänemark allewoͤge hoch! Wenn ich ſo nicht wüßte, weß Landes Kind ich wäre, wahrhaftig, lieber möchte ich draußen in der Bucht von Vidöe liegen, den Fiſchen zum Fraß, als ſo wie ein Heimathloſer auf der Grenze zu liegen, dem Baume gleich; der mit dem Wipfel könig

lich, mit dem Stamme chupfürſtlich und mit der Wurzel

biſchöflich iſt! Was dem Säugling die Mutterbruſt, dem Knaben das Vaterhaus, das iſt dem Manne das Vaterland darum luſtig, wer gut däniſch iſt, und ich will es auch bleiben, ſo wahr ich Norſen Kord⸗ rauſon heiße, und es lebe der König!

Und er blies in ſeinem Eifer eine Rauchwol von ſich, daß der Junker eine Zeitlang keine Ahnun, von ſeiner Exiſtenz hatte, bis ſich der Rauch verzog und der Junker ſah, daß Norſen Kordrauſon eben im Begriff war, ſein Mützchen wieder aufzuſetzen. Um dem braven Stiftshauptmann endlich einmal Ruhe damit zu ſchaffen, denn der gute Norſen hätte wohl gedacht, er mache ſich des Hochverrathes ſchuldig, wenn er des Königs Namen mit bedecktem Haupte geſagt, wandte ſich Erich an ihn mit der Bitte, ihm doch Beſcheid zu ſagen über die Wege und Arten der Reiſe,

wie er am ſchnellſten zum Biſchof von Reikiavig,

ſeinem Ohm, gelangen könne.

Alſo zu Olaf Niegelſon wollt Ihr, dem Biſchof, und er iſt Eures Vaters Bruder! rief Norſen.Ei, ſeht doch einmal an, das iſt hübſch! Gott ſegne den frommen Herrn, der ein Segen iſt für das ganze Eiland, und ich will ihm in allen Dingen gar gern zu Willen ſein; aber das will ich wohl hübſch bleiben

laſſen und Euch, ſeinem Neffen, die Wege und Reiſe

nach Reikiarig beſchreiben, denn ſonſt findet Norſen Kordrauſon eines ſchönen Morgens das Neſt leer, und das Vöglein iſt ausgeflogen. Erwartet Euch denn Eller Ohm? 1

Nein, erwiderte Erich,ich dachte ihn zu über⸗ raſchen!

Um ſo beſſer, Herr Junker, ſo bleibt Ihr für' 8 Erſte noch bei mir: der Stiftsamtmann von Vidöe

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