Jahrgang 
1-26 (1867)
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ſind: Dalſtröm fällt an den Paul, als den Aelteſten, Deine verſtorbene Mutter hatte eben ſo wenig fließendes Vermögen als Dein noch lebender Vater, und ſollte dieſen der Tod ereilen, wie es doch früher und ſpäter einmal geſchehen muß nach der allgemeinen Satzung des Himmels, ſo wird Junker Erich Niegelſon ein Lieutenant ſein, der von des Königs Gunade und ſeiner Gage lebt und deſſen einziger poſitiver Reich⸗ thum ſein allerdings unbefleckter Adel iſt. Alle Ach⸗ tung vor dem Namen unſrer Väter fuhr der Vater fort, und ſeine Stimme wurde ordentlich weich aber es iſt ein kärglich und trockenes Gericht, wenn man alle Tage nur davon zehren ſoll, und wenn man früh nur ſeinen Adel im Munde hat und ihn Abends als den letzten Biſſen ſchmeckt: der Adel iſt von Gott eingeſetzt, denn ſein Wille trieb die Fürſten und Ade⸗ ligen unſerer Tage, daß ſie in den Schlachten und Heldenthaten der grauen Vorzeit die Fürderſten und Edlen zu ſein ſtrebten und es auch waren, es iſt ein herzerwärmend Gefühl, das die Pulſe klopfen macht, ſich im Beſitze eine Namens zu wiſſen, der Jahrhunderte mit ſeinem Ruhme füllt allein man lebt nicht von

der Luft und eben ſo wenig vom adligen Klang ſeines

Namens allein. Darum, mein Junge, muß Deine Hoffnung eine hübſche, ſolide Partie ſein, die dem adligen Klang Deines Namens eine Beimiſchung giebt, die goldig-hell klingt; verſtehe mich recht, Erich

der Staatsrath Niegelſon iſt viel zu ſtolz, um

ſeinem Kinde eine Geldheirath anzuempfehlen, wie wir ſie heutzutage ſo viel oder meiſt immer im all⸗ täglichen Leben haben, aber der alte Niegelſon, der ſo manchen Sturm über ſeinen Scheitel hat wehen laſſen, bis er ſo grau ward, wie der Scheitel Deines Vaters jetzt iſt, iſt vernünftig genug, einzuſehen, daß eine Heirath in das Blaue hinein die gerade Bahn zum Unglück iſt, ja, daß dieſe romanhaften Heirathen blos aus Liebe das beſte Mittel ſind, um zwei Menſchen das Leben zu vergällen, und ihnen den Wunſch um gegenſeitige gnädige Erlöſung in das Herz zu legen. Darum ſei vernünftig, Erich: bedenke Dein eigen Wohl und folge Deinem Vater; heirathe ſo, daß Du dem Namen und Stande Deiner Väter gemäß auf⸗ treten kannſt, und zu dem Gewichte Deines Adels auch noch die Schwere Deines Vermögens in die Wag⸗ ſchale Deines Lebens werfen kannſt. Du wirſt mich materiell nennen und die Verslein, wie Du deren gemacht haſt über Liebe und Liebesglück und wie ich ſie allezeit gern und mit herzlicher Freude geleſen, werden ſich gegen dieſen meinen Rath empören, wie die Silberwellen ihrer Unſchuld und Uubedeutendheit anſchlagen gegen den Stein, den ein Wanderer höchſt

Novellen⸗ZJeitung.

Ufer zu gelangen, indem er auf den Stein tritt allein, Erich, heutzutage heißt es eben, trockenen Fußes über den Bach zu kommen, und das Leben iſt jetzt einmal nichts weiter, als ein Wettlauf nach dem Materiellen, nach Reichthum, Vermögen und Geld; nennen ſie auch in jedem Lande je nach landesüblicher Sprache das Ziel des allgemeinen Strebens anders, ſo kommt es doch, wenn wir es uns in unſere Mutterſprache über tragen, überall auf das leidige WörtleinGeld hin⸗ aus. Darum iſt es aber auch thöricht, gegen den Strom ſchwimmen zu wollen, und die Kräfte des Kühnen werden erlahmen, daß er kraftlos unterſinkt, zumal er nicht die geringſte Hülfe von ſeinen Mitmenſchen zu erwarten hat, die des Vortheiles halber mit dem Strome fahren und bei Rettung des Ertrinkenden ja Zeit, und ſomit Geld und Gewinn verlieren würden! Bei unbedeckter Tafel aber, mein Erich, ſpielt es ſich ſchlecht den angenehmen Wirth, und wer ſich am Tage ſchlecht bettet, der friert über Nacht; ſo hoͤre mich

denn an, ob Dir mein Vorſchlag auch auf den erſten Blick komiſch vorkommen mag; was mich dazu bewegt, iſt ja nur die väterliche Liebe zu Dir und das ruhe⸗ loſe Bemühen, Dich glücklich und geborgen zu ſehen, ehe ich die Augen ſchließe zum ewigen Schlaf. Sieh,

materiell in den Bach wirft, um trocken auf das andere

Erich, Dein Onkel, der Biſchof von Reikiavig, Olaf Niegelſon, meiner ſeligen Mutter leiblicher Sohn, hat mir gar viel von einem wunderſamen Mädchen ge⸗ ſchrieben, von einer wahrhaft herrlichen Blüthe, die auf Islands eiſigem Boden erblühet iſt; und als ich in meinem letzten Schreiben eben bekümmert um Deine Zukunft mich dem Bruderherzen eröffnete, da ſchrieb mir Olaf ganz offen und unverhohlen, ich ſolle Dich doch nach Island ſenden zur luſtigen Freite um die Roſe von Iſefjord, denn ſie ſei nicht allein ſchön, tugendſam und wunderbar kundig in Allem, was ein Mädchen ziert im Hausweſen, Stickerei und Geſang, ſie ſei auch reich, denn ihr Vater ſei ein Grund⸗ beſitzer auf Island, wie er erſt geſucht ſein wolle auf Seeland und alle den Eilanden, die die Perlen in Dänemarks Krone ſind, und er, der Olaf, freue ſich herzlich in dem Gedanken, dieſe Perle von Island, die Eisblume von Iſefjord behütet zu haben und gezogen für Junker Erich Niegelſon, den Brudersſohn. Darum, mein Junge, meine ich eben, Du fährſt hin⸗ über nach Island und holſt Dir die Braut, pflanzeſt die Roſe von Iſefjord hier auf gut däniſchen Boden, glücklich im Beſitz eines ſchönen und reizenden Weibes, geſtützt durch ein großes Vermögen, das Dich in den Stand ſetzt, das Wappen der Sture Niegelſon neu zu vergolden!

Junker Erich ſtarrte ſeinen Vater entſetzt an, als dieſer ſeine Rede ſchloßz ihm ſchien die Mah⸗

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