368 „Der geehrte Künſtler wird gebeten, nur pianissimo zu ſpielen, damit die allgemeine Unterhaltung dadurch nicht geſtört werde.“ X Dieſe geiſtvolle Zurechtweiſung wurde von Allen, durch deren Hände das Billet ging, verſtanden und bald herrſchte allgemeines Schweigen. 8 r.
Vom dentſchen Züchermarkt.
Liebes⸗-Geſchicke. Ein Dramencyelus von C. G. Häbler. Leipzig, bei Oscar Leiner. 1867.
Es kommen' dieſe Dramen hier deshalb zur Anzeige, da ſie die Meinung rechtfertigen, daß ſie weniger direct für die Bühne als zur Lectüre geſchrieben ſind und als ſolche in der That einige Auszeichnung verdienen.
Dieſes Hervortreten under ſo vielem Mittelmäßigen, das wohl oder übel nur dahin ſpeculirt, um jeden Preis,— den nämlich nicht die Verfaſſer, ſondern das gemißbrauchte Pu⸗ blicum durch die Opfer der längſten Weile zu zahlen hat,— auf die Breter zu kommen, dieſes Hervortreten iſt keines⸗ wegs ein geringes Verdienſt.
Jeder bewanderte Leſer empfindet ſofort, daß dieſe etwas romantiſchen und in ihrer Conception zum Theil ſehr jugendlich, dagegen in ihrer Sprache reifer erſchei⸗ nenden Dramen ganz und gar nur einem innern Hang und Drang zum Produciren entſprungen ſind und einer liebevollen, durch reine Begeiſterung gehobenen Arbeitskraft ihre Ausführung verdanken. Wenn es den begabten Verfaſſer angenehm berühren mag, daß aus dieſen Worten des Lobes ein weißer Rabe gen Himmel ſteigt, ſo wird es doch ſein Streben wegen deſſen Friſche und Rüſtigkeit nicht nieder⸗ ſchlagen, daß man als Kritiker nicht beſagtem Vogel, als ob es eine Taube wäre, auch zugleich den Oelzweig des Friedens
Novellen⸗ZJeitung.
Bühnenleben ausgiebig iſt. Ferner mangelt den Perſonen die fortreißende Gewalt großartiger Leidenſchaft, das dämoniſch⸗ dramatiſche Wachſen, Siegen oder Untergehen innerhalb der Conſequenzen ihrer Idee. Andere Schattenſeiten, als da ſind: einige Dunkelheiten oder zu ſubtile Miniaturmalereien des Ausdrucks, Erinnerungen an Shakeſpeare'ſche Rede⸗ und Witzmanieren, romantiſirende Spielereien der Einbildungs⸗ kraft, würden ſich zum Theil verbeſſern laſſen oder die Möglich⸗ keit dieſer Dramen für die Aufführung nicht fraglich machen.
Vor Allem aber iſt mit Vergnügen wahrzunehmen, daß der Verfaſſer Phantaſie, ja oft ſogar intereſſante Erfindung und wirklich poetiſche Gefühle und Gedanken hat, die er ſinnvoll auszudrücken verſteht und die mehr im Einzelnen als in der beabſichtigten Wirkung ihres Enſemble Styl und Geſchmack verrathen. Man lieſt dieſe Stücke nicht ohne Spannung durch, und in der That will es bei der Ueberfülle von Dramen, welche die Neigung dafür abſtumpfen, etwas ſagen, wenn die Lectüre eines ſolchen Productes Intereſſe einflößt. Daſſelbe wird bei Häbler's Stücken nicht nur von guten, oft überraſchenden Ideen wach erhalten, ſondern auch durch viele anziehende Seiten in den Charakteren unterſtützt.
Der Verfaſſer wird, wie wir, dieſe Leiſtungen mehr als Studien, denn als fertige literariſche Thaten betrachten, und wenn ſolche ernſte, ehrenwerthe Beſtrebungen überhaupt zur dichteriſchen Entwickelung und Austragung des ſinnigen Gemüths beitragen, ſo iſt es an und für ſich ſchon von hohem Werth, dadurch ſich über die wirklich berechtigten, nicht über die handwerksmäßigen und äußerlich theatraliſchen Anforde⸗ rungen der Bühne orientirt zu haben.
Häbler hat bekanntlich auch ein paar epiſche Dichtungen verfaßt, die gleichfalls eine innige poetiſche Empfindung bekunden. O. B.
mit in den Schnabel ſtecken kann. Es fehlt nämlich dieſen Stücken an dem für die Theater⸗ wirkung nöthigen dramatiſchen Aufbau einer plaſtiſchen, ſich
ſteigernden Compoſition, die dem Inhalte eines allgemein
durchgehenden tragenden Gedankens dient, und zwar eines Gedankens, der nicht nur ſinnig oder neu, ſondern für das
Inhalt: Eine märkiſche Dorfgeſchichte von V. v. Müller.(Schluß.) Dichterkränze. Vier Sonette: Goethe. Schiller. Shake⸗ ſpeare. Freiligrath.— Literariſche Briefe von Otto Banck. Feuilleton. Osborne, der Weberlehrling.(Schluß.)— Dr. Living⸗ ſtone.— Die Freuden der ſchlechten Laune.— Das häusliche Leben in Japan.— Klapperſchlangengift.— Ein vielverſprechendes Kind.— Ein neuer Baumrieſe.— Die große internationale Ausſtellung in Paris.— Eiie dreifache Hochzeit.— Miscellen.— Vom deutſchen Büchermarkt.
Zur Unterhaltungs-Literatur! Verlag von Eduard Trewendt in Breslau.
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Im Verlage der Dürr'ſchen Buch⸗ handlung in Leipzig iſt erſchienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen:
Ein Dichterherz.
Hiſtoriſche Novelle
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Von Edmund Hoefer.
Zwei Bände. Octav. Elegant broſchirt. Preis
Inhalt.
Eine blonde Locke.— Unvergeſſen.
Erſter Band: Frau Venus.— Aus den Memoiren eines Vagabunden.— — Zweiter Band: Ja anno dreizehn!— Der Junker von Hohenſee.— Spuk oder kein Spuk?— Wer das Glück hat, führt
ferdinand Pflug. broſch. Preis 24 Ngr.
Von Nah und Fern,
zwei hiſtoriſche Novellen: Binnen vierundzmwanzig Stunden
3 Thlr.
die Braut heim.— Heimweh. Edmund Hoefer's literariſcher Ruf überhebt nus jeder weiteren Empfehlung. und
Rudolph Gottſchall's Literaturgeſchichte rühmt ihn als ein
Lebenswahrheit und Naturfriſche“.
„Talent „Er malt nicht blos; er erzählt wirklich
von großer
und iſt, was das naive Erzählungstalent anbetrifft, welches uns unbefangen mitten in von
die Dinge hineinführt, den Akademikern bei Weitem überlegen. zu erzählen, ſeine Stoffe ſelbſt ſind intereſſant, und es iſt nicht weiſe, welche uns für dieſelben erwärmt“ ꝛc.
Redigirt unter Verantwortlichleit von Ouo Sriedrich Dürr in Leipzig.— Verlag der Dürr'ſchen Buchhandlung in Leipzig.— Druck von A. Edelmann in Leipzig⸗
Auch hat er ſtets etwas blos die Behandlungs⸗
Ferdinand Pflug. broſch. Preis 24 Ngr.
Ueber den Delaware 2
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