Jahrgang 
1-26 (1867)
Einzelbild herunterladen

366 Novellen

eigenen Bruſt beſteht. Stellt euch ſelbſt hin als den Einzigen, welcher wahrer Freundſchaft fähig iſt in dieſer Weltunter Larven die einzige fühlende Bruſt.

Nun wird die Dunkelheit um und in euch immer tiefer, aber der helle Stern der Eigenliebe beginnt zu funkeln und ermuthigt euch, auf eurer Bahn fortzufahren, denn noch ſeid ihr nicht halb auf eurer Höhe. Glaubt mir, ihr ſeid noch nicht halb ſo übelgelaunt, als euch gut iſt. Den Lauf der Welt im Allgemeinen bedenkend(denn ihr müßt eure Kreiſe immer weiter, bis in's Unendliche ziehen), erinnert ihr euch, mit welch außerordentlicher Ungerechtigkeit ihr überall da be⸗ handelt worden ſeid, wo ihr, von Dankbarkeit und Gegen⸗ dienſten völlig abſehend, nichts verlangtet, als die nackte Ge⸗ rechtigkeit, wie ſie allen Menſchen gebührt.

Bildet euch ein, daß ſogar die Idee des Rechts und der Billigkeit von der Erde verſchwunden ſei und in eurer ver⸗ einſamten Bruſt das einzige Aſyl gefunden habe; vertieft euch in dieſen Gedanken, bis ihr euch wenigſtens ſo groß wie eine Halbkugel der Erde angewachſen ſeht, während die andere Hälfte, troſtlos wie die Sahara, aus euren Freunden und der übrigen Menſchheit gebildet wird. Daß ihr ſo ſelbſt jeden Augenblick in euren eigenen Augen wachſet, die Welt aber zuſammenſchrumpft, daß ihr euch vergöttert auf Koſten eurer ganzen Gattung, daß ihr über die Welt zu Gericht ſitzt das iſt der Gipfel und Zenith eures Myſteriums, das ſind die wahren Freuden der üblen Laune.

Ich verkünde nicht mehr von dieſem großem Geheimniß, als was ich ſelbſt erlebt habe, während ich vorige Woche an einem regneriſchen Nachmittage übellaunig in meinem Arbeits⸗ zimmer ſaß. Ich war eben bei dem vorletzten Puncte ange⸗ langt, bei welchem der rechte Adept ſelber ſtehen bleibt, nämlich wo die Betrachtung vergeſſener Wohlthaten im Be⸗ griffe iſt, zu der Anſchauung von der allgemeinen Ungerechtig⸗ keit überzugehen als es an meine Thür klopfte und eben jener Freund eintrat, der durch ſein ganz zufälliges Nicht⸗ grüßen am Morgen ſo viele genußreiche Gedanken bei mir

veranlaßt hatte!

Um mich noch mehr zu beſchämen und das ganze ſchmeichelhafte Gebäude niederzureißen, welches mein Stolz auf die vermeinte Zurückſetzung gebaut hatte, kam mit meinem Freunde derſelbelbe S., zu deſſen Gunſten ich ihn jener Ver⸗ nachläſſigung verdächtigt hatte. Auseinanderſetzungen waren überflüſſig, da das offene, herzliche Benehmen Beider mir hinlänglich bewies, wie ungerecht mein Verdacht geweſen war. Ich glaube, ſie haben meine Verlegenheit bemerkt, allein ich war zu ſtolz oder ſonſt etwas, um ihnen den Grund derſelben

zu ſagen: dies war der bittere Nachgeſchmack meiner Freuden. r.

Das hüusliche Leben in Japan.

Nichts machte auf mich in Japan einen angenehmern Eindruck, ſagt Dr. H. Maron in ſeinem Werke über China und Japan,als die in dem Faniliienkreiſe herrſchenden freundſchaftlichen Beziehungen. In der kleinſten Hütte wie in den reichern Häuſern zeigen die Bewohner deſſelben gegen einander ein aufrichtiges Intereſſe und eine wahre Liebe, die gänzlich frei von jeder ekelhaften Empfindſamkeit, aber ſtets von einer Höflichkeit und Gleichförmigkeit der Sitte be⸗ gleitet ſind, wie ſie in eiviliſirten Ländern nur als das Reſul⸗

tat der höchſten Bildung gefunden werden.

Die geſellige Stellung der Frau iſt urſprünglich und natürlich. Sie iſt nicht Selavin, wie bei den andern aſiatiſchen

Zeitung.

Nationen; eben ſo wenig iſt ſie aber auch die verzärtelte, verwöhnte Gattin, wie wir ſie mit einer ſo übertriebenen Anbetung verehren; ſie iſt die Freundin und Rathgeberin ihres Gatten, welcher ihr unveränderlich Aufmerkſamkeit und Achtung beweiſt, die Theilnehmerin an ſeinen Beſtrebungen, und während ſie, ſollte ſie von außen je durch eine Beleidi⸗ gung angegriffen werden, durch die Heiligkeit der Sitte vor jeder Rohheit beſchützt wird, iſt ſie ſicher, ſchnell und ritter⸗ lich vertheidigt zu werden. Aber ihr Gebiet beſchränkt ſich auf die Ueberwachung des Haushalts und die Erziehung ihrer Kinder. Die ernſtern Anſprüche des Geſchäftes und der Au⸗ torität gehören blos dem Manne. Der Japaneſe behandelt ſeine Frau wie ein nützliches, ihm ganz gleich ſtehendes Weſen, das für ſein Glück und die Verſchönerung ſeiner Exiſtenz erſchaffen worden iſt; und das Geſetz ebenſowohl wie die Sitte haben entſchieden, daß die Beziehungen zwiſchen ihnen nie umgekehrt werden können. Daher giebt es in Japan weder Xantippen noch Göttinnen, weder romantiſche Damen, die nach Liebe ſchmachten, noch ſtarkgeiſtige; die Jüngern ſind ſorglos und heiter, die Aelteren verſtändig und fleißig. Das japaneſiſche Mädchen iſt ſich vollkommen des Schickſals bewußt, das ſie in der Ehe zu erwarten hat und die Wahl zwiſchen Paul und Peter iſt⸗ihr daher ganz gleichgültig. Das Haus des Erſtern iſt ganz eben ſo gut wie das des Letztern, denn in Japan ſind ſich alle Häuſer gleich; und in jedem derſelben ſieht man dieſelben Teppiche, Papierthüren, trag⸗ baren Herde, Nahrungsmittel und Kleidungsſtücke; in jedem derſelben herrſchen dieſelben Pflichten und Rechte. Ohne Zweifel ſpricht ihr Herz mehr zu Gunſten des Einen als des

päiſchen Schweſtern, aber ſie verſinkt nicht ſchwächlich in die Verzweiflung eines namenloſen Grams, wenn ihre Wünſche vereitelt werden. Ihre Erziehung hat eine feſte, unverän⸗ derliche Grundlage, welche keine Abweichung von ihren Regeln erlaubt, und die ſie methodiſch für ihren wahren Beruf geliebt zu werden vorbereitet. Der Zweck und Gegenſtand aller auf ſie verwandten Sorgfalt iſt der Gatte.

Unſere jungen Damen ſind zu ſtolz, ſich ſelbſt blos für das häusliche Leben zu erziehen, zu ſchwach, um ſich in den Stand zu ſetzen, allein zu leben, und ſo ſchwanken ſie träge durch das Leben, ohne hinreichenden Ballaſt, ſich ſelbſt feſt zu halten. Sie lernen zu wenig für ihre Unabhängigkeit, zu viel für wirkliche Liebenswürdigkeit.

Die Beziehungen zwiſchen Eltern und Kindern und die vernünftige Art, wie die Letztern erzogen werden, ſind nicht die am wenigſten bewundernswerthen Züge des japaneſiſchen häuslichen Lebens. Die Regeln, welche in dem Erziehungs⸗ ſyſtem zur Geltung kommen, ſind den Geſetzen, welche den Staat regieren und welche auf jede Verletzung eines blinden, einfältigen Gehorſams die Todesſtrafe ſetzen, ganz entgegen⸗ geſetzt. Das Kind wird im Gegentheil mit einer unerſchöpf⸗ lichen Geduld behandelt, und wenn an die Stelle der Ueber⸗ redung und freundlichen Vorſtellungen Beſtrafung treten muß, ſo nimmt man zu der mildeſten, die ſich nur erdenken läßt, ſeine Zuflucht. Ich bin nie Augenzeuge der Züchtigung eines Kindes geweſen, noch habe ich ein Inſtrument entdeckt, das möglicher Weiſe zu einem ſolchen Zweck benutzt werden konnte. Eben ſo wenig kann ich mich erinnern, irgend eine kindliche Stimme ſchluchzen oder ſchreien gehört zu haben; dagegen kann ich der Wahrheit gemäß verſichern, daß ich in keinem Lande der Erde ſo durchaus wohlerzogene, liebenswür⸗ dige Kinder gefunden habe, wie die in Japan ſind. C.

Andern und es fühlt nicht weniger tief als das ihrer euro⸗

Kla gede Thi Bri Sch

nige

legt Kop träg Gift lich den? und! keine ſpuck denn das auch

verau

ſich d genh Schn ſchlau im F ſo vi gehöl Folg Fän

das Han

ein

und