Jahrgang 
1-26 (1867)
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360 Novellen⸗Zeitung.

denken: ſie gebührt uns! Aber der Geiſt der neuen Zeit, der das natürlich Organiſche verlangt, erklärte ſich dagegen; der Beſitz nach dem Aufgang des reineren Ziels taugte nicht mehr; das Subjective daran trat immer greller hervor das Geluüſten begann abſurd zuwerden!

Mehr deutlich als höflich! bemerkte der Hörer mit beſcheidenem Lächeln.

Ich würdige, fuhr ich fort,bei den zeitweiligen Repräſentanten des Reichs die Gebote der Ehre der Weltehre und ich begreife das Feſthalten deſſen, was man überkommen hatte. Das konnte aber das Recht der Sache nicht ändern. Man gab nicht her, was ausgeſchieden ſein wollte: da kam die Redaction und zog nacheinander zwei gewaltige Striche darüber! Die Corectur war geſchehen!

Glückſeliges Oeſterreich!

Ich hoffe, man wird es ſo nennen können! In Wahrheit iſt es eine Plage, einen widerlichen Ge⸗ danken, einen ſteten Verdruß los geworden!

Lombardo⸗Venetien

War für Oeſterreich nichts Anderes! Italien hatte ſich im Geiſte verjüngt, es hatte ſich fühlen lernen und wollte für ſich ſein. Una Italia war der Gedanke der Beſten der Nation geworden. Die Theile, die Oeſterreich inne hatte, ſtrebten zum Ganzen und mußten an der Vereinigung gehindert werden mit Gewalt! Völker wurden regiert von einer Macht, von der ſie nicht regiert ſein wollten, deren Regiment ſie haßten! Nicht aus roher Selbſtſucht haßten, ſondern mit Berechtigung: weil ſie dadurch abgehalten wurden von der Befriedigung ihrer edelſten Triebe, ihrer hei⸗ ligſten Pflichten! Sie klagten und trotzten und gaben ihren Widerwillen kund auf alle Weiſe! Unnatürlich unerträgliches Verhältniß! Es war nicht möglich, daß es dauerte! Völker, die um keinen Preis von mir regiert ſein wollen, kann ich nicht regieren mag ich auch nicht regieren! Es iſt keine Freude, keine Ehre bei dem Geſchäft; wer es mir abnimmt, thut mir einen Gefallen und ich ſage: fahr' hin!

So ſpricht der Philoſoph, mein Philoſoph nicht der Fürſt!

Glaubſt Du das dem Herrn des jetzigen Oeſter⸗ reich zurufen zu können?

Ich glaube es! verſetzte ich.Wenn auch die Glieder dieſes Ganzen nicht ſo zuſammengehören, wie z. B. die Provinzen Frankreichs, ſo ſind ſie, von den entbehrlichen Ausnahmen abgeſehen, doch auf Einigung gewieſen durch Geſchichte, Natur und eignen Willen! Die Theile können nicht ſelbſtſtändig werden, ohne klein und machtlos zu ſein! An jener Stelle muß ein großes Reich ſtehen, welches ſie zum ſtarken Ganzen verbindet; und ich dächte, es wäre gut, daß dieſes Reich ein deutſch gelenktes iſt! Die jetzigen Völker des Kaiſerſtaats wollen vom Haus Oeſterreich regiert ſein gut und entſprechend regiert ſein: auf dieſe Völker ſich zurückgeführt zu ſehen, iſt der größte Gewinn der Anfang einer neuen Entwickelung, der den Staat zu ſeinem höchſten Flor emporbringen kann!

Der Freund richtete einen Blick auf mich, der nicht zu mißdeuten war. 2

In deinem Auge, fuhr ich fort,leſe ich einen Zuruf, der mir nicht mehr ganz neu iſt. Ich ſehe durch die Brille des Pdealiſten und hoffe wieder ein⸗ mal in's Blaue hinein?

So ungefähr, erwiderte er mit ſcheinheiligem Bedauern,kommt's mir vor!

Darauf entgegnete ich: wenn ich nicht mehr Idea le denken und ideale Ziele ſtellen ſoll, dann will ich nicht mehr leben! Wem kann ich aber eher einen Blick auf das Ideal zumuthen und von wem kann ich eher ein Streben danach erwarten, als von der⸗ jenigen Macht, der das Schickſal die Hinderniſſe, die ſie vom Gang zu ihrem rechten Ziele abhielten, ſelbſt aus dem Wege geräumt hat? Denn durch die letzte große Redaction iſt noch etwas von Oeſterreich ge⸗ ſtrichen worden, deſſen Verluſt ein nicht minderer Ge⸗ winn iſt, als der Verluſt Italiens!

Du meinſt?

Die Sorge für Deutſchland!

Er ſah mich an.Du willſt wohl ſagen: das Gehören zu Deutſchland! Der Antheil der An⸗

Vielleicht, erwiderte ich,iſt die Zeit gekommen, wo das Wort Platon's in Erfüllung gehen und der Fürſt, der ſich zur Höhe ſeiner Aufgabe erheben will,

ſpruch Oeſterreichs an Deutſchland! Der eben die Sorge erzeugt hat, deren Tilgung ich für das größte Glück halte, welches dem Staate

Philoſoph ſein muß! Die Zeit meine ich, wo der begegnen konnte!

Fürſt einſehen muß, daß es nicht nur einen äußern Beſitz giebt, ſondern auch einen innern, daß die StärkeDie Verhältniſſe, wie Du wohl ſelber ſchon erwogen des Staats nicht in der Maſſe der Länder beſteht, ſondern in ihrer Zuſammengehörigkeit; daß die Aus⸗

Victor ſchwieg einen Moment. Dann ſagte er:

haben wirſt, ſind doch nicht ganz gleich, und es würde dem Kaiſerſtaat und dem Kaiſer etwas ſchwieriger

bildung der materiellen und geiſtigen Kraͤfte des werden, auch in dieſem Verluſt Gewinn zu Jehen; Volks zum lebensvollen Einklang das höchſte Ziel Die Ausweiſung der deutſchen Macht aus Italien

des Ehrgeizes ſein muß! den Schl.

kann man begreifen und am Ende kann der Ausge⸗

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