Vierte
Dor d ver Ag das Koͤſener Thal, der See und die Gäſte vom Schloß
Lunn geiſterhaft im Mondlicht vor ihr aufgetaucht waren, di ſo trat nun der letzte glückliche Morgen in ihres Vetters toumt Geſellſchaft, hier im Gartenſaal, vor ſie hin. Jedes ug hein. ſeiner Worte klang deutlich neben ihr, ſie meinte jetzt Schunn ſeinen Blick, den herzlichen, innigen Zug in ſeinen zögehen; Mienen zu verſtehen, jetzt, da ſein Trübſinn, ſein Miß⸗ Ic! d trauen vielleicht für immer ihre Zukunft zerſtörte. ommt ja Mit zitternder Hand bot ſie der eintretenden Wirth⸗ u bin!' ſchafterin die Taſſe. terte wie„Regine, wie haſt Du mir das thun können! Ich begreife ein ſolches Verſehen nicht.“ 8 el„Was denn?“ fragte Mamſell, Erſtaunen heu⸗ daß er chelnd. thut ſi„Sieh, ſieh doch! Es ſcheint, Ihr habt in der — Unruhe Alles durcheinander gebracht, und ich meinte Di gut die Taſſe in meinem kleinen Schrank verwahrt zu äls per⸗ haben, wie ſein Glas.“ den de„Ich verſtehe Dich nicht,“ murmelte Mamſell, en. während ſie wieder die Thür, wo Nero verſchwand, endſchön, anſtarrte.„Er hat ſich ganz uchi ausgeſchlafen, der deutend. ſpäte Gaſt,“ dachte ſie;„er wolltt ſeine Frau hier über⸗ Ic hatte raſchen und jetzt konnte er ſich kaum aus den Federn fin⸗ 7e ftag. den, da ich ihn weckte. Dies liebe Kind unter der Sonne Waltha aber grämt ſich, daß es keine Nacht mehr Ruhe hat und ſogar um die alte Taſſe in Jammer ausbricht.“ er. Se Margarethe rief weinend: Herren⸗„Du willſt mich nicht verſtehen. Hier, hier ſteht“ ſilberne— ſie ſtockte und preßte dann das Wort, welches ſie patt au bisher niemals ausgeſprochen, gewaltſam hervor.— nmn meines Mannes Taſſe neben der meinen. O, er Tauſeud mal ja nicht zu mir kommen, niemals wieder, wie ſonſt hier, neben mir glücklich ſein. Und ich habe ihm ir tinen doch nichts zu Leid gethan!“ elen.. Mamſell huſtete und wackelte mit wahrhafter „ dachk. Glückſeligkeit lächelnd wieder hinaus, wo ſie dem auf del Inſpector und Pfarrer grade in die Arme fiel. füt ihn/ Sie erholte ſich ſchnell von ihrem Schreck, winkte min del nach der Thür und ein leiſes:„Er iſt da!“ erhielt
lend ri einen doppelten Jubelruf der beiden Männer. Dann zog ſich das greiſe Kleeblatt in Mamſells jungfräuliche
peln und Behauſung zurück.
am lich Während Margaretheus klagendem Ausrufe hatte er einen V Nero die Thür zum Herrenzimmer heftig aufgeſtoßen, fernte⸗ ſie achtete in ihren Thränen nicht darauf; auch als
a dache⸗ r der Hund freudig an ihr emporſprang, wies ſie ihn
Luſſen zurück. Da ſprach eine tiefe Stimme neben ihr. n„Doch, mein Liebling, haſt Du Deinem alten riſces Vetter viel Leid zugefügt, denn Du wollteſt nie be⸗ te Luuli greifen, daß er ſein Pflegekind ſeit Jahren angebetet O nein hat, ſeit Jahren heißer geliebt, als er mit Worten⸗
in Nut
Jolge. 357 ausſprechen konnte. Nun kommt er und bittet ſeine Frau um Aufnahme. Willſt Du ſie gewähren?“
Tauſendſchön wandte ſich erſchrocken gegen ihn, griff mit den Händen in die Luft und wäre zu Boden geſunken, wenn ihr Gemahl ſie nicht umfangen hätte. Es währte lange, ehe ſie im Staude war, den plötz⸗ lichen Wechſel ihres Lebens zu begreifen.
Walther und Mamſell liefen angſtvoll hin und her. Der Hochzeitstag begann nicht heiter, aber Nach⸗ mittags waren Margarethens Kräfte ſoweit hergeſtellt, daß ſie am Arm ihres Gemahls die Brautleute zur Kirche geleiten konnte.
Das Dorf war im wirklichen Sinn des Wortes auf den Beinen. Blumenmaſſen ſchienen über Nacht vom Mond gefallen zu ſein. Der gute Pfarrer lächelte ganz ſelig, als er die beiden Paare empfing, und wie nun Hann ſeine hübſche Frau nach der Bank führte, zu den Weibern des Dorfes, nicht wie ſonſt zu den Mägden, da trat Bröſe an den Betſtuhl der Herrſchaft und die junge Frau ſtreifte den ſchmalen Reif ab, welchen ihr Gatte einſt in Todesſchmerzen von ſeiner Hand ſtieß. Sie reichte ihn dem Geiſt⸗ lichen, damit er ihn dem rechtmäßigen Platz zurück⸗ gebe..
Auf ſeinen Wink traten zwei kleine Mädchen heran, Pfleglinge Margarethens in der Sonntags⸗ ſchule: Eins legte einen friſchen Lorbeerkranz vor den Herrn auf das Betpult, das Andere reichte Tau⸗ ſendſchön eine mit hundert ſchneeigen Blüthen bedeckte Krone.
Vor dem Pfarrhaus hatten ſich unter Vortritt des Schulzen und der anderen Dorfhonoratioren die Trompeter der Reiherburger Dragoner aufgeſtellt, um jubelnd, wie das geſchmückte Thal, die Sieger und mit ihnen Glück und Frieden zu begrüßen. Daß der Herr ſo freundlich lächend und die liebe gnädige Frau ſanftmüthig und beſcheiden in ihrem ſchlichten weißen Kleid, neben Johann und ſeiner Braut, den ganzen Zug durch das Dorf mitmachten, das hat die Buche— nauer gefreut, wie vor funfzig Jahren die Heimkehr des ſeligen Generals, den ſie in Ehren gehalten haben wie ihren Vater, bis an ſein Ende.
Später erzählte Schulmeiſter Fender dem Ober⸗ förſter von Kohlau:
„Gleich einem Brautpaar, ſaß die gnädige Herr⸗ ſchaft am Hochzeitstiſch neben dem neuen Inſpector und Jungfer Marie. Der Herr Baron wurde immer luſtiger und friſcher. Wir hatten ihn ſeit Jahren nicht ſo geſehen. Die gnädige Frau war blaß und freund⸗ lich. Manchmal nickte ſie dem Herrn zu und ich ſah, daß ſie die Augen voller Thränen hatte. Die ſchwar⸗
zen Kleider, welche ſie noch um die Frau Generalin


