Jahrgang 
1-26 (1867)
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rethe in ihrem gewohnten weißen Sommerkleid, Arme und Haupt in ein weißes Tuch gehüllt. Nero, der nun faſt ergraute Gefährte ihrer Kindheit, wandelte traurig neben ihr. Tauſendſchön ſah auch hinüber. Da kommt ein Wagen, dachte ſie. Die Leute ſind ausgeſtiegen. Ein Menſch winkt herüber. Tau⸗ ſendſchön fühlte einen Stich im Herzen. Wer ſollte mir winken? Zu mir kehrt Niemand ein. Nun fah⸗ ren ſie auch weiter, nach Kölſen zu. Heute Nacht iſt es ſchön im Walde und am See. O Gott, der See und die vielen weißen Waſſerroſen! Hell und geſpen⸗ ſtiſch trat ſein Bild vor ihr Auge. Das war der letzte Ritt mit Carl. Die ganze Erde ſchien ſie da mals anzulachen und ſo bunt, ſo luſtig war die Ge⸗ ſellſchaft, die ſie an den Ufern traf.

Die junge bleiche Frau auf den Stufen des Her⸗ renhauſes legte ihre durchſichtigen Finger zitternd vor das Geſicht. Sie hatte ſeit einem Jahre Kölſen nicht beſucht.

Komm, Nero, ſagte ſie weinend,wir wollen ſchlafen gehen. Gute Nacht, Ihr da oben bei den Sternen, betet für Euer einſames Kind!

Und flüſternd fügte ſie hinzu:

Gute Nacht, mein liebſter Carl! Gott ſchütze Dich. Sie erhob wie zum Segen die Hand und der düſtere Mann auf dem Kölſener Wege ſah den Gruß.

Beim Schmidt im Bruch hielt der Wagen einen Augenblick, dann wandte er ſich zur Hoͤhe und rollte auf weichem Moospfad lautlos unter den Buchen zum Herrenhof zurück, bis an die Pforte des Gemüſegartens.

Johann meinte:So pfiffig haben wir im Zick⸗ zack unſeren Weg genommen, daß uns keine Katze gemerkt haben kann. Das Spioniren der Buchen⸗ auerinnen und beſonders Tienfinkens Luchsaugen fielen ihm gar nicht ein.

Der Mond ſtand jetzt hinter dem Pfarrhaus.

Im Dorf war es einſam. Schrippels Horn klang dumpf von ferne. Der Herrenhof lag im tiefen

Dunkel.

Johann öffnete nach kurzem Klopfen die ange⸗ lehnte Thür des Schäfers. Seit Walther's Abweſen⸗ heit vertrat Schinkel deſſen Amt als Schließer und Oberwachthabender in Haus und Hof.

Na willkommen, willkommen zu Hauſe! rief mit warmem Händedruck der Greis,aber Du hätteſt doch nicht brauchen durch die Hinterthür zu kriechen.

Schinkel zog die blau und weißgeſtreifte Nacht⸗ mütze über die Ohren, knöpfte ſeine langſchößige Weſte zu und wollte Johann mit ſich ziehen.

Komm, Herr Unterofficier! Wir wollen gleich

Novellen⸗

Jeitung.

im kleinen Saal geputzt hat, denn morgen, Herr Unterofficier, Bräutigam. Morgen!

Hann ſtrich lächelnd ſeinen Bart.Donnerwetter, Schinkel! Morgen iſt ja Hochzeit. Ja, die alte gute Mieke hält Wort. An dem Tag, da ich wiederkomme, geht's los. Ruft ſie, aber keine Andere, denn ich komme nicht allein. Der Herr hält außen mit des Oberförſters Einſpänner, er will die gnädige Frau heute Abend nicht ſtören und allein nach ſeiner Stube gehen.

Herr Gott, auch der Herr? Iſt das eine Freude! rief Schinkel vorwärts eilend. Dabei verſetzte er dem aufhorchenden Kettenhund einen ſo derben Stoß, daß Ami erſchrocken in ſeine Hütte flog.

Ami, halt's Maul!

Marie flog über den Hof, ein paar Gefährtinnen ihr nach.

Was die Brautleute ſich ſagten, hat Niemand gehört. Dann wackelte auch die alte Mamſell zu des Schäfers Thür, und klappernd in gewaltigen Holz⸗ pantoffeln, ſprang die hübſche blonde Melkmagd, Jo⸗ hanns»Mutterſchweſtertochter⸗«, dem heimkehrenden Sieger entgegen, ihm um den Hals fallend, und dann gradeswegs aͤuf ihren Herrn zu, deſſen Hände ſchon die alte Regine mit heißen Thränen bedeckte. Als er die Schwelle ſeines Hauſes betrat, leiſe von der Pfle⸗ gerin ſeiner Kindheit geführt, um die Ruhe der ahnungs⸗ loſen Margarethe nicht zu ſtoͤren, da entblößte er das Haupt und ſagte:

Mein Gott und Herr, nimm unſeren Dank und bleibe ferner bei uns!

Johann rief, athemlos von den unendlichen Um⸗

4 armungen denn nach und nach war auch der Pferochen

junge, der Gärtner und ein dritter Knecht in roman⸗ tiſchem Negligé erſchienen:

Na, nun laßt die Küſſerei ſein, Kinderchen,

morgen iſt auch noch ein Tag!

In der Stunde, da Walther und ſein Gaſtfreund traurig ihr Lager auffuchten, hatten über dem Dach des Herrenhauſes Hoffnung und Freude ihre Flügel gebreitet und harrten dem Erwachen der erſten Sonnen⸗ ſtrahlen entgegen..

Tauſendſchön hatte ſeufzend die Saalthür ge⸗ ſchloſſen; da nahm der Hund ſeinen gewohnten Platz auf der Bärendecke vor ihrem Zimmer.

Der Mond war endlich auch zur Ruhe; die

junge Frau aber fand keinen Schlaf. Vom Flügel des Hauſes tönte das Plaudern und Laufen der Mägde herüber; ſie ſchmückten den Saal, hingen Kränze auf.

die Marie rufen, die vor einer halben Stunde noch

Zur Hochzeit! ſeufzte Margarethe.Ich habe auch Hochzeit gehabt!

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