Jahrgang 
1-26 (1867)
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ſogar beſondern Wohlgeſchmack daran gefunden. Auch von dem ſpaniſchen Zwiebeleſſen wird viel erzählt. Ich liebe die Zwiebeln bei uns nicht, allein in Spanien ſchmeckten ſie mir ſehr wohl; ſie gedeihen dort in anderer Art.. 6.

Trauerbotſchaft für Raucher.

Vor Allem in Cuba ſelbſt, aber auch in Spanien und Nordamerika raucht man bekanntlich die beſten Cigarren, weil man dort die höchſten Preiſe dafür zahlt. Kürzlich iſt ein Sachkenner von Nordamerika nach Havanna hinüberge⸗ reiſt und ſagt über dieſen wiſſenswürdigen Gegenſtand folgen⸗ des Abſchreckende:

Ich hatte mir vorgenommen, die verſchiedenen hier fabricirten Cigarren zu probiren und etwas vom Geſchäft kennen zu lernen. Ich fuhr vor einigen Tagen in die Fa⸗ brik der Partagas, der größten und wahrſcheinlich ſchönſten Cigarrenfabrik in der Welt. Es iſt ſelbſtverſtändlich un⸗ nöthig, die Art, wie ſie gemacht werden, zu beſchreiben. Das Verfahren iſt allgemein bekannt. Doch die große Sorgfalt, die auf die Wahl des Tabaks verwendet wird, von dem der größte Theil auf ihren eignen Plantagen ge⸗ zogen wird und die ungewöhnliche Geſchicklichkeit im Rollen, welche der Cigarre ſo viel Schönheit verleiht, berechtigt ſie zu ihrem hohen Rang unter den Fabrikanten der Welt.

Der Tabak wird in große Räume gebracht, wo er bleibt, bis er ſeinen Gährungsproceß vollſtändig durchge⸗ macht hat. Die Deckblätter werden je nach ihrer Feinheit in drei Claſſen getheilt, in eine erſte, zweite und dritte. Die Schönheit des Blattes, das für Deckblätter der erſten Sorte gewählt wird, iſt unvergleichlich.

Die Preisliſte der Partagas⸗Cigarren iſt folgende: Der höchſte Preis, nämlich pro mille 666 ½ Thlr.*), wird für die Celeſtiales bezahlt; dann kommen die Salomones zu 533 Thlr., die Napoleones zu 400 Thlr., 200 Thlr. und 186 Thlr. Die Imperiales, Embajadores, Cazadores und Rothſchilds koſten 146 ¾ bis 173 ¾ Thlr. Die billigſte Ci⸗ garre auf ihrer Liſte iſt eine Londres dritter Claſſe, die 44 Thaler koſtet.

Sie werden mit großer Sorgfalt gemacht und langſam und vorſichtig gerollt. Die beſten Londres der Partagas koſten pro mille 70 Thlr. und ihre beſten Brevas 66 ¾ Thlr. Die Regalia Britannica erſter, zweiter und dritter Claſſe koſtet je 133 Thlr., 120 Thlr. und 106 ½ Thlr.

Ich theile dies mit, um den Leſer in den Stand zu ſetzen, die Gründe zu ſtudiren, weshalb jetzt ſo wenige Ci⸗ garren erſten Ranges gefunden werden. Selbſtverſtändlich giebt es in Havanna auch billigere Cigarren; doch die Ge⸗ wißheit, daß man in den bekannten Häuſern immer eine gute Waare findet, ſetzt ſie in den Stand, hohe Preiſe zu verlangen.

Der beſte Tabak in Cuba wächſt im Weſten der Inſel. Pflanzen, die auf einer Linie des Bodens wachſen, erzeugen den koſtbarſten Tabak, während zehn Fuß davon entfernt ein ganz gewöhnlicher Tabak wächſt. Die Uebertragung des Samens macht keinen Unterſchied. Natürlicherweiſe iſt der Boden, der das feuchte Blatt produeirt, ſehr theuer.

Ich weiß nicht genau, wie viele Cigarren von Cuba

*) Die Preiſe ſind nach dem Pariſtand des Dollar berechnet und wenn wir davon auch die Procente des jetzigen Coursſtandes abziehen dürfen, ſo bleiben doch die Preiſe der Primaſorten immer noch von unerſchwinglicher Höhe.

Novellen⸗

Zeitung.

exportirt werden. Der Betrag iſt enorm, aber faſt eben ſo viele werden auf der Inſel conſumirt. Jedermann raucht und das Rauchen iſt überall erlaubt. Man ſagt, daß wenn ein Feuer in Havanna ausbricht, die Spritzen⸗Compagnien auf die Brandſtätte eilen und ihr Geſchäft damit beginnen, daß ſie eine Reihe bilden und ihre Cigarren anzünden. Kommt man in einen Laden und fragt einen Commis nach einem Artikel, ſo iſt das erſte, was er thut, daß er ſein Cigarren⸗ Etui herausnimmt und, ehe er die Frage beantwortet, den rauchenden Käufer um Feuer bittet.

Ich habe ſehr gute Cigarren gefunden, die zu 20 Thlr. per Tauſend verkauft werden; doch kann man dieſe nicht immer haben. Die Esculabios machen ſehr gute und ſchöne Cigarren. Auch das alte Haus Cabanas hält ſeinen alten Ruf aufrecht. Es giebt Hunderte von großen und kleinen Fabriken und nicht ſelten bekommt man eine Cigarre um einen Cent, die mindeſtens eben ſo gut iſt als eine, für die man bei uns den fünffachen Preis bezahlt.

Alle hier zum Verkauf beſtimmten Cigarren ſind friſch. Und nach meiner Ueberzeugung würden Raucher am beſten thun, nur friſche Cigarren zu rauchen. Sie haben mehr Duft und wirken, ſelbſt'wenn ſie ſtärker ſind, weniger auf die Nerven. Eine trockene Cigarre hat viel von ihrem be⸗ ſtimmten Charakter verloren nd nur ſchlechte Cigarren ge⸗ winnen, wenn ſie älter werden, iggem ſie mild und geſchmack⸗ los werden.

Ich habe öfters gehört daß Connecticut⸗Deckblätter nach Cuba exportirt werdelt, um hier verwendet zu werden. Viele glauben es. Es iſt nicht wahr, und zwar aus dem ſehr guten Grunde, weil dieſe Einfuhr verboten iſt. Es iſt nicht wahrſcheinlich, daß jemals eine Cigarre Cuba verließ, welche nicht völlig aus Cuba⸗Tabak beſtand. 6.

Geſchichte eines Diamanten.

Einer der bekannten Diamanten, die eine Geſchichte haben, iſt mit der letzten indiſchen Poſt von Bombay aus in London eingetroffen. Es iſt der ſogenannte Sancy⸗Diamant, der unter der Beute der Schlacht bei Granſon den ſiegreichen Schweizern in die Hände fiel. Nachdem der Stein, den man

damals an der Perſon Carl's des Kühnen gefunden, durch

verſchiedene Hände gegangen war, kaufte ihn 1479 der König von Portugal, verkaufte ihn aber zehn Jahre ſpäter wieder an Nicolas de Bailli, Baron de Sancy, von dem er ſeinen jetzigen Namen trägt. Als Geſchenk wurde von dieſem Edel⸗ mann der Stein an den König von Frankreich abgeſendet; der Ueberbringer indeſſen, von Räubern angefallen, ſah keinen andern Ausweg, als die koſtbare Sendung zu ver⸗ ſchlucken. Er muß trotzdem, oder vielleicht deshalb getödtet worden ſein, denn die Erzählung ſagt, daß man den Diaman⸗ ten in ſeinem Leichnam gefunden habe. In ſpäterer Zeit beſaß Jacob II. von England den Stein und verkaufte ihn für 25,000 Pf. St. an Ludwig XIV. Bis zur Revolution blieb derſelbe dann in Frankreich und verſchwand um dieſe Zeit zugleich mit dem berühmterenBlauen Diamanten, der auch nicht wieder zum Vorſchein kam. Der Sanch tauchte ſpäter wieder auf und wurde von Napoleon ange⸗ kauft, von den er ebenfalls käuflich in die Hände des Fürſten Demitoff überging. Das Gewicht des Steines iſt 53 ½ Karat. Er iſt birnförmig und ſein Werth wird zwiſchen 20,000 bis 30,000 Pf. St. angegeben. L.