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Dierte Folge.
dem Talent, wenn ſich auch im Gegenſatze dazu von einigen behaupten läßt, daß es ihre Fähigkeiten weit überragt hat. 3
So freundlich auch die deutſche Kritik und das deutſche Recenſentenweſen oder Unweſen den jungen Dichter durchſchnittlich behandelte, ſo konnten doch einzelne gegneriſche Stimmen oder partielle Ausſtel⸗ lungen nicht fehlen. Sie trafen auch in nicht immer ſcharfſinniger Weiſe den vorſtehenden Ahasver, und obgleich der Verfaſſer darüber keinesweges in gereizter kleinlicher Empfindlichkeit aufbrauſt, ſo hat er ſich doch veranlaßt geſehen, ſeiner zweiten Auflage des Epos eine Art Vertheidigung und, wenn man will, Selbſtkritik anzuhängen. Wir wollen die Zweckmäßig⸗ keit dieſer Maßregel weder in Frage ziehen, noch ver⸗ theidigen; aber wir theilen mit Vergnügen unſeren Leſern, bei denen wir wohl die Dichtung als ziem⸗ lich bekaunt vorausſetzen können, Einiges aus dieſen Auslaſſungen mit. Dieſe Vertheidigung enthält wirk⸗ lich manche recht gute, wenn auch nicht durch Tiefe oder Neuheit des Gedankens überraſchende Bemer⸗ kung, und es iſt ferner angenehm, einen jungen Dichter zu ſehen, der wirklich über die Compoſition ſeiner Arbeit künſtleriſch nachgedacht hat und mit Unbefan⸗ genheit ſein Selbſtgefühl zur Schau trägt. Hammer⸗ ling führt ſeinen Ahasver zur Zeit Nero's nach Rom, und ſo dominirt die Schilderung dieſes Kaiſers, ſeiner Mutter Agrippina und der in jener Epoche herrſchenden Sittenloſigkeit und Sündenüppigkeit eines mißverſtandenen, die wahre Cultur überwuchernden und erſtickenden Luxus.
Frauen haben die Unart, ſagt der Vertheidiger ſeines Epos, hinter den Reden des Helden einer Dich⸗ tung immer den Dichter zu ſuchen und achten in dieſer Beziehung auch nicht den entſchiedenſten Proteſt. Manche Kritiker theilen vielleicht dieſe kleine weibliche Unart. Wenn der Held mancherlei Bemerkungen macht, von denen einige nicht zu beſtreiten ſind, andere wenigſtens einen ſophiſtiſchen Schein der Wahrheit baben, ſo liegt für Viele der Argwohn nahe, der Dichter habe dieſe Geſtalt benutzt, um ſie wie eine Statue des Pasquino mit ſeinen Einfällen zu be⸗ kritzeln. Aber die Frage ſollte niemals ſein, ob das, was die handelnde Perſon einer Dichtung ſagt, an ſich wahr oder falſch, ob es zugleich die ſubjective Anſicht des Dichters ſei oder nicht, ſondern einzig, ob dieſe Anſichten, dieſe Reden dem Charakter jener handelnden Perſon entſprechen oder nicht. Ich müßte die redliche Mühe, die ich mir gegeben, den Nero durch die Aeußerungen, die ich ihm in den Mund lege, zu charakteriſiren, als eine ſchmählich verlorne beklagen, wenn man dieſe Aeußerungen als lyriſche
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Floskeln betrachten wollte, weil ſie gerade nicht abſurd, vielleicht ſogar groß und zum Theil poetiſch klingen. Sollte man große Böſewichter und Tyrantten nur dadurch charakteriſiren können, daß man ſie ausſchließ⸗ lich Falſches und Niederträchtiges ſprechen läßt? Ich glaube vielmehr, daß jeder dichteriſche Böſewicht nur dann kein Popanz iſt und auf das Lob der Objecti⸗ vität Anſpruch hat, wenn der Dichter ſeinem Weſen ſo viel ſcheinbare Berechtigung leiht, als möglich.——
Subjectiv iſt die Grundidee einer Dichtung: darum aber müſſen es nicht auch die particularen Ideen der handelnden Perſonen ſein. Eben an meinem Nero hat man ein Beiſpiel, wie es ſogar geſchehen kann, daß die particularen Ideen des Helden einer Dichtung der Grundidee dieſer Dichtung gerade ent⸗ gegengeſetzt und nicht blos das Spiegelbild, ſondern der Gegenpol der perſönlichen Anſchauungen des Dich⸗ ters ſind. Während Nero einen titaniſchen Egoismus
in ſich großzieht, der die ganze Welt wie eine Perle
im Freudenweine des Genuſſes auflöſen möchte, pre⸗ digt die Dichtung als Ganzes eben jene Liebe und Hingebung an die heiligen Mächte des Gemüths, die ich in„Venus im Exil“, in„Sinnen und Minnen“, im„Schwanenlied der Romantik“ gepredigt und zu⸗ letzt noch im„Germanenzug“ als den edelſten Lebens⸗ kern des deutſchen Volkes geprieſen. Nur daß in jenen Dichtungen das Ideal lyriſch gefeiert wird, in „Ahasverus in Rom“ aber objectiv die Schrecken einer entgötterten Welt geſchildert werden, welche das Ideal über Bord geworfen hat.
Feſt und ſicher ſteht auf der dauernden Erde das Gebirg, und doch behaupten Gelehrte, es ſei ur⸗ ſprünglich vulcaniſche Maſſe geweſen, die aus den Eingeweiden der Erde hervorgebrochen und zu feſter Form erſtarrt iſt. Warum ſollten nicht ebenſo die Gebilde des Dichters feſte Form gewinnen können, ſelbſt wenn ſie aus feurigflüſſigen Gemüthsgründen hervorgegangen?— Ich glaube alſo nicht, einem Gegner Waffen geliehen zu haben, wenn ich andeutete, daß„Ahasverus in Rom“, wie jede nicht ganz dilet⸗ tantiſche Dichtung, den erſten Iämpuls vom Gemüths⸗ grunde aus erhalten. Ich glaubte dies um ſo mehr betonen zu dürfen, da es die Kritik weniger gethan, ſondern, in freilich ſehr ehrender und freundlicher Weiſe, immer viel von„Geiſt“ und„Phantaſie“ ge⸗ ſprochen...
Das Wort„Gemüth“ iſt allerdings vieldeutig. Viele verſtehen darunter ausſchließlich jene Sorte, welche die ſogenannten„Gemüthlichen“ beſitzen und welche ihren Eignern erlaubt, mit geſunden rothen Wangen umherzulaufen, mit friſchen, fröhlichen Augen in die Welt zu blicken. Mögen dieſe Glücklichen nie⸗


