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Wie ein Monarch ſeine Würde rettet.
Bei der Vermählung des Herzogs von Mouchy, der ſpaniſcher Grande iſt, mit der Prinzeſſin Anna Murat, erzählte ein franzöſiſches Blatt Folgendes:
Es geſchah durch das allmächtige Einſchreiten der Madame de Maintenon, daß der König von Spanien im Jahr 1712 dem franzöſiſchen Hauſe Mouchy⸗Noailles die Würde als Grande von Spanien verlieh. Die ſpaniſchen Granden haben durch ein Edict Carl's V., welches ihre Rechte und Würden am Hofe noch immer regelt, das ausgezeichnete Vorrecht, mit ihrem Souverän ſprechen zu dürfen, während ſie ihren Sombrero(Hut) auf dem Kopfe haben. Nicht zu⸗ frieden, dieſes Recht in der Gegenwart ihres eignen Monarchen anszuüben, erhoben ſie lange Zeit den Anſpruch, es auf fremde Sonveräne auszudehnen. In Bezug auf dieſen Gegenſtand ereignete ſich am Hofe Ludwig's XIV. ein merkwürdiger Vor⸗ fall. Der ſpaniſche Geſandte, Herzog d'Arcos, erklärte, in ſeiner Eigenſchaft als Grande erſter Claſſe werde er dem Könige von Frankreich ſein Beglaubigungsſchreiben mit bedeck⸗ tem Haupte überreichen, undder Oberceremonienmeiſter, welcher ſich durch den Bruch der Etikette und der Ehrfurcht, die dem Könige von Frankreich gebührte, ſehr verletzt fühlte, beeilte ſich, Se. Majeſtät von dem Entſchluß des ſtolzen Grande in Kenntniß zu ſetzen. Ludwig XIV. ſagte ganz ruhig:„Laſſen Sie ihn nur gewähren!“ An dem Tage der Vorſtellung ſaß der König in ſeinem Palaſte in Verſailles im Audienzſaale auf ſeinem Throne, das Haupt bedeckt und von ſeinen Hof⸗ leuten umgeben, alle ehrfurchtsvoll mit entblößtem Kopfe. Der Geſandte kam, wie er vorher geſagt, den Sombrero auf ſeinem Haupte. Ehe er noch ein Wort geſagt hatte, rief der König:„Couvrez-vous, Messieurs!“ Seine Hofleute ge⸗ horchten und in demſelben Augenblick nahm der König ſeinen Hut ab, ſo daß er der Einzige im Saale mit unbedecktem Haupte war. Das war einer der letzten Siege des alten Monarchen. C.
Ein neues Werk der Königin Victoria.
Ein Londoner Correſpondent des„Springfield Re- publican“ theilt darüber Folgendes mit:
Es weiß nicht Jedermann, daß die Königin Victoria ein Werk unter dem Titel:„Blätter eines Journals in Schottland“ verfaßt hat. Dieſer Blätter ſind zuſammen vierzig; man findet darin die Beſchreibung des Lebens Ihrer Majeſtät in Balmoral und deſſen Umgebungen. Dieſes Werk iſt nach Photographien und durch Skizzen, welche von der Königin ſelbſt gezeichnet worden ſind, illuſtrirt. Unter andern Einzelnheiten findet man darin die Erzählung dreier Reiſen, welche die Königin mit dem Prinz⸗Gemahl nach verſchiedenen Theilen Schottlands incognito unternahm, und der Abenteuer auf denſelben.
Die Königin ſpricht von einer Predigt des Doctor Norman Mac Leod in Glasgow und ſie ſpricht ihre Ver⸗ wunderung darüber aus, daß ein Prediger ſo ausgezeichnet und in einer ſo rührenden Weiſe reden könne, ohne irgend
etwas aufgezeichnet zu haben. In England iſt es nämlich
allgemein Sitte, daß die Geiſtlichen die Predigt vorleſen. Die Königin fügt hinzu:
„Sein Gebet für den Prinz⸗Gemahl und für mich nach der Predigt war ſo inbrünſtig, daß ich lebhaft bewegt wurde, und als er endlich für die Kinder betete, begann ich zu weinen und vor Schluchzen erſtickte ich beinahe.“
Die Königin hatte nicht geglaubt, daß ein Presby⸗
Novellen⸗
Zeitung.
terianer ſo ſchön predigen und beten und beſonders an die Kinder denken könne.
Von dieſen Blättern ſind nur vierzig Exemplare ab⸗ gezogen worden, die für intime Freunde beſtimmt ſind; aber früher oder ſpäter wird das Werk von neuem gedruckt werden und es wird einen intereſſanten⸗Beitrag zur Literatur der Gegenwart bilden. Was würde man jetzt nicht für eine ähn⸗ liche Schrift zahlen, welche von der Königin Maria Stuart oder von der Königin Eliſabeth herrührte? Das Exemplar, das mir vor Augen lag, trug auf der erſten Seite die In⸗ ſchrift:„Meiner theuern Jane G.— zur Erinnerung an viele glückliche Stunden(Stunden, welche vergangen ſind, um nie wiederzukehren) von V. R.“
Die Königin hat auch die Vorrede zu einer Lebens⸗ beſchreibung des Prinz⸗Gemahls von dem General Grey geſchrieben, die nur in den intimſten Kreiſen vertheilt wer⸗ den ſoll..
Die Crinoline.
Man ſchreibt unter dem 11. April aus Paris:
Die Crinoline, welche, ſeit einiger Zeit mit dem Tode rang, iſt todt und, wie es ſcheint, dieſes Mal ganz todt.
Nicht eine einzigeé unſerer eleganten Damen würde es wagen, öffentlich in dem weiten Umfange zu erſcheinen, der vor noch nicht ſechs Monaten das letzte Wort der Auszeich⸗ nung war. 5
Nachdem die Mode einige Wochen lang ohne feſt be⸗ ſchloſſenen Charakter geblieben war, hat ſie ſich endlich aus⸗ geſprochen; ſie hat einen Blick hinter ſich geworfen und dem Putz unſerer Großmütter zugelächelt. Sie ſchreitet bis zur Zeit des erſten Kaiſerthums zurück, trägt aber dafür Sorge, von der Mede aus jener Epoche Alles auszumärzen, was als lächerlich erſcheinen könnte, und nur das beizubehalten, was ſie Graziöſes hatte..
So werden, während die Coiffures à la Marie-Antoi- nette, der Hut Lamballe, die Robe mit einer kurzen Taille zuſammenknüpfend, auf der Tagesordnung der Mode ſein werden, die Pagodenärmel und die Schnabelſchuhe unerbitt⸗ lich dem guten Geſchmack zum Opfer gebracht werden.
Die Coſtüme werden im Allgemeinen von einer einzigen Farbe ſein und durch die Abſtufung der Nüancen, indem ſie von der hellſten bis zur dunkelſten fortſchreiten, zu dem glücklichſten Effect gelangen.
Dieſen Sommer wird man auch den Schäferhut, die
Schärpe und die ſehr kurze Robe von weißem Mouſſeline mit einem roſenrothen oder blauen Gürtel— dem unzertrenn⸗ lichen Begleiter der Mouſſelinerobe— verziert, wieder auf⸗ blühen ſehen. Kurz, in der Mode ſteht uns ein radicaler Wechſel bevor. C.
Eine Büſte der Kaiſerin der Franzoſen.
So viele gute Büſten von der Kaiſerin Eugenie von Frankreich exiſtiren, ſo wird doch einſtimmig die von Jauck als die gelungenſte anerkannt, welche vor Kurzem der Kaiſer Napoleon an die Väter der guten Stadt Paris geſchenkt hat und im Hötel de Ville aufgeſtellt iſt. Die Geſchichte dieſer Büſten wird, wie folgt, erzählt:
Eines Tages erſchien der Privatſecretär der Kaiſerin im Atelier des Bildhauers und theilte ihm mit, daß dieſelbe den Wunſch hege, ihre Büſte von ihm anfertigen zu laſſen. Der Künſtler erklärte ſich dazu mit dem Bemerken bereit, daß
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