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hat. Da der Ort des Fundes heut zu Tage jede Möglichkeit einer nur einigermaßen entwickelten Flora ausſchließt, glaubte man Anfangs, die Pflanzen, welche jene Verſteinerungen ge⸗ liefert, müßten durch Zufall, etwa durch Anſchwemmungen, nach jener Stelle gelangt ſein. Davon kann inzwiſchen keine Rede ſein. Die Pflanzen ſind da gewachſen, wo man ſie ge⸗ funden hat. Es ſind nicht nur vereinzelte Blätter, ſondern Blätter in mächtigen Schichten, wie ſie ſich nur in einem bedeutenden Walde anſammeln; einzelne zeigten ſogar an der Oberfläche noch Bruchſtücke und Spuren von Inſecten. Mit den Blättern ſind Samen und Früchte derſelben Art ver⸗ miſcht. Ganze Zweige von Sequoia Langsdorfii liegen nicht weit von den Samen und Blättern der gleichen Art und da⸗ zwiſchen erblickt man noch aufrecht ſtehende Stämme, die ganz gewiß auch nur dieſem Baume angehörten. Im Ganzen hat man bis jetzt 66 verſteinerte Pflanzen gefunden, aus denen ſich der Schluß ziehen läßt, daß der Wald von Atanakerdluk der ſogenannten Miocänen⸗Periode angehörte. 17 jener Pflanzen finden ſich in der Miocänen⸗Formation des mittle⸗ ren Europa wieder.
Die Entdeckung dieſer an Ort und Stelle erzeugten Flora liefert den unzweifelhaften Beweis, daß das nördliche Grönland einſtmals eine von ſeiner heutigen ganz verſchiedene Temperatur beſaß, daß es ein warmes, fruchtbares, vielleicht von Menſchen beſiedeltes Land war. Als Profeſſor Heer vor einiger Zeit aus ſeinen Unterſuchungen über die miocäne Flora und Fauna der Schweiz den Schluß zog, daß das Klima dieſes Landes einſtmals ein faſt tropiſches geweſen ſein müßte, ward er von anderen Gelehrten, die das hartnäckig beſtritten, heftig angegriffen. Man berief ſich nämlich auf die ſehr mögliche Annahme, daß die Pflanzen zu jener Zeit eine niedrigere Temperatur ertragen hätten, als ihre heutigen Repräſentanten, denen ſie zwar verwandt, aber deshalb doch nicht nothwendig völlig gleich ſeien. Die Entdeckung der Flora in Grönland hat dieſen Einwurf beſeitigt.
Einen großen Wald prächtiger Schattenbäume unter dem 70. Grade nördlicher Breite zu finden, in einer Gegend, die heute längſt keine Spur mehr irgend einer Baumvegeta⸗ tion aufzuweiſen hat, muß natürlich unſerer Einbildungskraft reichen Stoff zur Thätigkeit liefern; doch unſer Erſtaunen wächſt noch, wenn wir genauer in Erfahrung bringen, was für Bäume es waren, die einſtmals unter ſeiner milderen Sonne dem jetzt mit ewigen Eiſe und Schnee bedeckten Boden entſproßten. Da ſehen wir denn, daß ſie ſammt und ſonders Arten angehörten, die man heute um 10 bis 20 Grad ſüdlicher ſuchen muß. Da wuchſen vier Eichenarten, worunter eine mit immergrünen Blättern und eine andere, deren Blätter einen halben Fuß Länge erreichten, ſowie zwei, die wohl unſerer gemeinen deutſchen Eiche ſehr ähnlich ſahen; ferner Platanen, Magnolien, Nußbäume, ein Pflaumenbaum mit immergrünen Blättern, eine Planera, eine Sequoia, von der eine Art noch heute in Californien exiſtirt, eine Salisburea, deren einzig lebende Repräſentanten jetzt nur noch in Japan zu finden ſind, u. ſ. w. Zwiſchen dieſen hohen prächtigen Bäumen gediehen eine Menge Sträucher, von denen jetzt natürlich eben ſo wenig eine Spur vorhanden iſt, wie z. B. der Haſelnußſtrauch, Epheu, Brombeeren und ähnliche Gewächſe. Den Boden endlich bedeckte ein bunter Teppich von Farrenkräutern, Andromeda u. ſ. w.
Gab es eine Zeit, zu welcher Pflanzen, wie die hier genannten, unter dem 70. Grade nördlicher Breite üppig ge⸗ diehen und ganze Wälder bildeten, ſo geht daraus mit Sicherheit hervor, daß die Platanen, die Buchen, die Fichten
Novellen⸗
Feitung. & 4 und der Nußbaum noch weiter gegen Norden vorkamen, ja ſich geradezu bis zum Pol erſtreckten. Dieſer Schluß iſt um ſo mehr berchtigt, da man bereits ſelbſt unter dem 78. Grade nördlicher Breite noch Spuren einer miocänen Flora gefunden hat, welche auf das einſtige Vorhandenſein der Platanen, Haſelſtaude, Buchen, Fichten und des Taxodium ſchließen läßt. Die verſteinerten Holzſtücke, welche Mac Clure und ſeine Gefährten unter dem 76. Grade nördlicher Breite fanden, ſetzen uns nun nicht mehr in Erſtaunen; ſie ſind eben nur ein Beweis mehr von den Wäldern, welche in ferner Zeit dieſe ausgedehnten Ebenen, die heute Eiswüſten ſind, bedeckten. Einer der häufigſten Bäume des Waldes von Atanakerdluk war die oben erwähnte Sequoia Langsdorfii; man hat davon Blätter, Blüthen, Samen, ja ganze Zweige in verſteinertem Zuſtande gefunden, ſo daß wir uns ein deutliches Bild von dieſem Baume zu entwerfen vermögen. Faſt jedes Fragmentdes Geſteins ſchließt Eindrücke davon ein. Der Baum hatte außerordentliche Aehnlichkeit mit Sequoia sempervirus, die noch jetzt in Mexiko und Californien mächtige Wälder bildet, welche ſich bis zum 42. Grade nördlicher Breite er⸗ ſtrecken. In Europa wird er jetzt in Gärten gezogen; in Italien, der Schweiz, Frankreich und ſelbſt in Dublin unterm 53. Grade nördlicher Breite, Dieſe Sequoia fordert im Sommer eine Wärme von 15 bis 16 und 18 Grad, um die Früchte zur Reife zu bringen. Die niedrigſte Temperatur, die ſie ertragen kann,— 1 Grad und die Mitteltemperatur des Jahres ungefähr+. 9,5 Grad. So ähnlich beſchaffen muß das Klima Grönlands in jener Zeit geweſen ſein; jenes Mittel kann nian als untere Grenze annehmen, denn die oben⸗ genannten dickblätterigen Pflanzen forderten wahrſcheinlich eine höhere Temperatur. Das gegenwärtige Mittel iſt — 6,3 Grad, ſo daß alſo Grönland zur Zeit der miocänen Epoche ein um 15 Grad wärmeres Klima hatte, als heute. Gegenwärtig vereiſt bekanntlich Grönland mehr und mehr. Die Gletſcher, die von rieſiger Dimenſion ſind, ſchieben ſich immer weiter vor und es läßt ſich berechnen, daß dieſes ungeheure Ländergebiet in nicht langer Zeit dem Seefahrer kaum noch eine vorübergehende Zufluchtsſtätte bieten wird. 9.
Die Rieſenſtadt London und ihr Elend. Amtlicher Zählnng zufolge betrug die Einwohnerzahl der Stadt London am Ende des vorigen Jahres 3,037,000.
Seit 1861 iſt die Bevölkerung um 234,002 Einwohner
geſtiegen. Das ganze Königreich Württemberg zählt in runder Zahl 1,700,000 E., alſo 1,300,000 weniger als jene einzige Rieſenſtadt! Daß ein ſolches Stadtungeheuer nicht mehr ſchön ſein kann, liegt auf der.Hand. Es iſt geradezu ſchau⸗ derhaft zu denken, welchen phyſiſchen und moraliſchen Schmutz⸗ Zubehör die Exiſtenz einer ſolchen Menſchenmaſſe auf einem Fleck vorausſetzt. Und dies unter Londons Rauch⸗ und Nebel⸗ Atmoſphäre! Mittlerweile wächſt auch die Noth der Tauſende von beſchäftigungsloſen Arbeitern, beſonders im Stadtbezirk Bethnal⸗green, in's Rieſengroße!
Auf einem Raum von 400 Schritt Länge und etwa 200 Schritt Breite ſind zwiſchen 6000— 7000 menſchliche Weſen in Armuth, Noth und Schmutz dicht zuſammengehäuft. Hinter zerbrochenen lumpenverſtopften Glasſcheiben, zwiſchen ſchwarzen, ſchmutzigen, baufälligen Wänden ſitzen dort an ſchweren Webſtühlen hagere ausgehungerte Männer, und ſieche kränkliche Kinder hängen im jugendlichſten Alter über mühſelige Arbeit gebückt. Es iſt hier das Hauptquartier der
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