Jahrgang 
1-26 (1867)
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der

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nenallee auf und ab, neben der ſich der hohe Stech⸗ palmenbuſch hinzieht, und als ich ihnen dahinter folgte denn es war nicht ſchön, ſich ſo in's Dunkle zu be⸗ geben da höͤrte ich, was ſie redeten, zwar nicht je⸗ des Wort, aber doch genug. Es war des Barons und der Gräfin Jugendgeſchichte, ſo wie ſie damals von den Leuten erzählt wurde. Unſer Carl ſollte wirklich mit der Sidonie verlobt geweſen und nur durch Verl g getrennt worden ſein. Ich wußte es beſſer, aber in dem Augenblick konnte ich doch nicht herausplatzen. Daß der Bruder die Hexe ſchonte, die ihm ſein Lebelang Güte erwieſen hat, das war in der Ordnung und es ſollte ihm helfen das Herz der jungen Dame zu erobern, wenn ſie meinte, der Vormund werde jetzt die Wittib nehmen, die einmal ſeine Ju⸗ gendliebe war.

O! rief Bröſe, das traue ich dem wackeren Jungen nicht zu. Eine ſolche Raffinerie wäre niedrig.

Gar nicht, Herr Paſtor, gar nicht niedrig, denn er griff Keinen an. Es beſchönigt den Charakter ſeiner Schweſter, die dem Baron von Herzen anhing. Jetzt, nun ſie ſich die Hörner abgelaufen hatte, warum ſollte er ihr nun nicht zum Glück helfen und ſich obenein? Hören Sie nur weiter, Herr Paſtor. Neben mir im Buſch fing es an zu raſcheln. Ich denke, da wird ein Reh hineingeſprungen ſein, aus Furcht vor den Lichtern und dem Lärm. Es war aber der Herr, der nicht ſpionirt hatte, ſondern ärgerlich über das Verſchwinden ſeines Mündels nach mir rief, um den Wagen zu beſtellen. Die Uhr war zwei. Da ſah er das Pärchen und ſo war die Geſchichte fertig. Vor Margarethen, die ſchluchzend auf einer Bank ſaß, knieete der Junker und betheuerte ihr lang und breit ſeine Liebe und wie er ihr ewig treu ſein wolle, und ſie möchte nur über die alte längſt begra⸗ bene Geſchichte nicht gar noch weinen. Unſer Herr nahm ruhig ihren Arm. Er ſah ſo blaß aus, wie Tod.»Morgen, lieber Kamerad, ſprach er freundlich, ⸗morgen wollen wir es Beide abmachen, wie Freunde es zu thun pflegen. Jetzt müſſen Sie Rückſicht auf die Ermüdung meiner Couſine nehmen. Morgen Mittag erwarte ich Sie bei mir, wenn ich Ihnen nicht früher ſchreibe. Herr von Treudorf wollte dem Fräulein wieder die Hand küſſen. Da hielt ſie ſich mit beiden Händen an ihres Vormunds Arm und rief: Nein, nein, heute nicht, morgen!? Ehe wir die hellen Plätze erreichten, hörten wir den Ge⸗ neralmarſch blaſen. Am Morgen um fünf Uhr war Peterswaldau und unſer Dorf leer und den Abend, als unſere Kinder dem Feinde den Garaus machten, denſelben Abend haben Sie, Herr Paſtor, der guten, alten Gnädigen die Augen zugedrückt.

Novellen⸗Jeitung.

Ja, flüſterte Broſo⸗ 5 kam Alles, Alles ſchnell und ſchrecklich. 8

Gott ſei Dank, Iih Nn ſſere Frau Ruhe hat, hub der Inſpector wieder an;daß Sie ſelbſt aber das Fräulein bewogen, zu den barmherzigen Schweſtern, in das Krankenhaus zu gehen, das, Herr Paſtor, hätte ich Ihnen nie vergeben, wenn Gott ihren Weg nicht zu unſeres Herrn Rettung geführt hätte.

Bröſe wandte ein, es ſei ihr dringender Wunſch geweſen, ſich bei der Pflege der Verwundeten zu be⸗ theiligen. Die Gräfin Diakoniſſin ſei außerdem ihre einzige mütterliche Verwandte.

Hier war doch ihres Bleibens nicht, wenn der Baron wiederkam, ſchloß der Geiſtliche.Sollte ſie, nachdem die Generalin todt war, hier als des jungen unverheiratheten Vetters Pflegetochter leben? Nicht einmal als ſeine Verlobte hätte ſie bleiben können, und er beſtand ja daraf, von ihrer Liebe zu dem Junker überzeugt zur Nein. Er ſagte und ſchrieb es ihr hundertmal und behauptete, ſich darüber zu freuen. Verwandte hatte ſie nicht; Freunde genug, aber ſie wäre als Bettlerin zu ihnen gekommen, ſie, der Ab⸗ gott, der Pflegling unſrer edlen Herrſchaft! Das hatte ſie mir verſprechen müſſen, in mein armes Haus einzukehren, ſobald ihr Amt im Felde aufhörte.

Walther's Haupt lehnte müde an der Wand.

Der Paſtor ſchritt traurig im Zimmer auf und ab. Es wurde ſo ſtill, daß man die Säge des Holz⸗ wurms deutlich hörte und dazu pickte die alte Wand⸗ uhr in ihrem ſchwarzen, meſſingverzierten Gehäuſe ihr memento mori..

Jetzt öffnete Bröſe von Neuem die Fenſterladen. Der Mond hatte ſeine Reiſe über die Kuppen der

Berge faſt vollendet, er ſtand hinter dem Pfarrhaus.

Kirche und Thal lagen im Schatten.

Bröſe ſah nach dem Herrenhof hinüber, ſchüttelte

den Kopf, blickte wieder hin. Dann nahm er ſeine Brille ab, um die Gläſer zu reiben, die offenbar angelaufen waren, denn es ſchien ihm, als ſähe er auf der Oſtſeite des Hauſes vier, fünf Fenſter er⸗ leuchtet.

Wunderbar, das ſind Carl. 8 Stuben, dachte

er. Sie waren wirklich hell und man erkannte deutlich Perſonen ſich darin bewegen. Alle übrigen Fenſter

waren dunkel wie die Wirthſchaftsgebände, denn auch

die Stalllaternen waren ausgeloſcht. Wer ſchläft nicht gern um Mitternacht, wenn der anbrechende Morgen zur rüſtigen Arbeit weckt! Der Landmann hält viel pünctlicher auf die Stunden, welche die Natur dem Menſchen zur Stärkung ange⸗ wieſen hat, wie der Städter.

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