Jahrgang 
1-26 (1867)
Einzelbild herunterladen

324

das übliche Tiſchgebet und kräftig ſchloſſen die Stim⸗ men der Greiſe Amen.

Das einfache Mahl war bald zu Ende.

Dörthe räumte ab und holte des Pfarrers lange Pfeife; für den Gaſt das Weichſelrohr mit hölzernem Kopf, ein Andenken vom General, welches der In⸗ ſpector ſeit Jahren in des Paſtors Hauſe zu etwaigen Plauderſtündchen ſtationirt hatte.

Nun ſetzten ſich Dörthens koloſſale Stricknadeln in Bewegung und aufmerkſam lauſchte auch ſie.

Der Veteran begann:

Entſinnen Sie ſich noch, Herr Pfarrer, unſeres Spazierganges im letzten Sommer, da wir dem Hann mit dem Maskeradenzettel begegneten und der tollen Rei⸗ terei auf Ziegenböcken und Eſeln, dazu unſer Fräulein in Geſellſchaft der Peterswaldauer Hexe?

Bröſe bejahte.

Nun gut, da ſagte ich Ihnen, ſie legt's auf den Baron an, nicht unmittelbar; ſie kapert ihm mit dem hübſchen Stiefbruder ſein Herzblatt und wenn er verlaſſen daſitzt, wird ſie ſich an ihn heran machen. Und ſo kam es, Herr Paſtor, ſo kam es. Der Krieg machte ihr freilich einen dicken Strich durch die Rech⸗ nung, aber ſie hat wenigſtens ihre Teufelei ſo weit durchgeſetzt, daß unſern Kindern der Frieden genom⸗ men und das Lebensglück zerſtört iſt.

Bröſe ſtellte kopfſchüttelnd ſeine Pfeife in die

Ecke und hörte mit gefalteten Händen auf des In⸗

ſpectors Erzählung.

Ich muß weiter zurückgehen, hub dieſer wieder an,damit Sie den Anfang der Geſchichte und das Unglück, welches unſern Herrn ſeit ſeinem achtzehnten Jahre verfolgt hat, kennen. Das Fräulein Alten⸗ hauſen machte grundſätzlich oder abſichtslos, ich weiß es nicht und will ſie nicht ſchwerer anklagen, als nö⸗ thig iſt, ſie machte alle Männer toll, verheirathete und ledige, und Sie kennen das Schickſal von Mar⸗ garethens, ich wollte ſagen, unſerer Frau Baronin Vater. Zu gleicher Zeit war unſer Junker ganz wild um ſie. Ich merkte es hier an dem großen Ballabend, wo ſein Officierspatent gefeiert wurde. Ich dachte, das ſchadet nichts, ein junger Menſch muß ſich alle Wochen neu verlieben, das iſt geſund und hält ihn munter. Nur nicht nach dem fünfundzwanzigſten Jahre, dann iſt die luſtige Zeit vorbei. Die Sidonie hat übrigens für ihn einen wirklichen Zug gehabt, das weiß ich, denn als hernach der Herr um ihretwillen auf dem Tode lag, da hat ſie mich auf den Knieen gebeten, ich ſollte ihr Nachricht geben, und einmal kam ſie allein zu Fuß in der Nacht, durch die große Stadt. Sie ſagte jammernd und wehklagend, morgen bin ich die Braut eines Scheuſals, weil ich arm bin

Novellen⸗Zeitung. 8

und keine Mutter für mich Rechte lehrte. Laßt

Kindheit noch einma verderben muß. Ich ſag Theilnahme, Madame Teu zu; am Morgen ſtand die Ver obung mit dem Grafen

aus den Steinkehlen im Blatte.

Aber wo ſind wirmit den Memoiren ſtehen ge⸗ blieben?

Ja richtig!

gebetet hat und mich das einen Liebling aus der

Alſo alle Lieutenants, Fähndrichs, Diplomaten⸗

ſecretärs und was weiß ich, wer noch, lief ihr nach. Unſer Junker war ganz blind, die Anderen kamen bald dahinter, daß ſie immer mit einem halben Dutzend zugleich ſchön that. Baron Carl wurde ausgelacht. Er nahm es ſchief und forderte einen Cameraden. Das ging gut ab, wurde vertuſcht, aber der junge Menſch beſtand darauf, unſern Herrn zu überzeugen. Sie ertappten die Sidonie bei einem Stelldichein mit einem Polen.

ſich. Na, Herr Paſtor, das wiſſen Sie ja auch, daß Carl mit zerſchoſſenem Arme nach Hauſe kam. Ich und Johann, der gute Kerl, haben ihn wochenlang gepflegt. Der Polak war todt! Und das hat un⸗ ſer Baron nicht verſchmerzen wollen, er blieb dabei, es iſt ein Mord, ich kann nicht Ruhe darüber finden.

Er hatte Recht, ſeufzte Bröſe.

Er hatte nicht Recht, eiferte der Veteran.Nach zehn Jahren konnte er noch nicht zu dem Entſchluß kommen, um ſeinen Herzensſchatz, unſer Tauſendſchön zu freien. Die überſpannte Idee, die ſich wahrhaftig

nicht für einen Soldaten ziemt, verfolgte ihn, daß an*

8

ſeiner Hand Blut klebe. Freilich hat er ſich ſeinen Liebling in Grundſätzen erzogen, nach denen ſie wahr⸗

ſcheinlich damals erſchrocken geweſen ſein würde, ihre

kleinen Finger in die Hand zu legen, von der ein Menſch geſtorben war. Jetzt hat ſie mehr vom Leben und auch vom Sterben geſehen. Als der Krieg begann, brannte

der Baron darauf, ſeine angeſtammte Waffe zu ihrem

rechten Zweck zu führen. Ich bettelte vergebens, er ſolle bei der alten Frau und dem Kinde bleiben. «Nein, Mann!s rief er endlich,»das allein wäſcht die greulichen Flecke wieder ab. Ein Duell iſt ein Todt⸗

ſchlag; der Krieg dagegen iſt des Mannes Veuf und von der Vorſehung eingeſetzt, wie die Jagd.

Na, und dann im vorigen Sommer! Da haben ja Alle mit angeſehen, was hier paſſirte. Die Gräfin bankettirte, kokettirte. Der Herr Lieutenant Treudorf

Der Junker war vollſtändig curirt, wenn auch nicht allzu unterthänig gegen die Dame. Da betrug ſich der Ausländer frech. Sie ſchlugen

3

ſpionirte und charmirte und unſer Baron ging richtig

in die Falle; denn wenn er auch ohne Mühe den

Lockr doch, Stie

der

Baro erkla für e gens Fräͤul hätte Menſch alle T Jugen hatte ſchon terbro 7

7- thor z Malg

dekomn