314 Novellen⸗Zeitung.
ihrem Genius; ſie iſt insbeſondere die Göttin der Ehe, das himmliſche Urbild aller Hausfrauen, und als die Himmelskönigin theilt ſie ſich mit ihrem Ge⸗ mahl in den Schutz der Städte, auf deren Burgen ihr geopfert wird. Die Götter des Herdfeuers ſind zugleich auch die Hausgeiſter, deren alterthümlich ein⸗ fache Verehrung den religiöſen Mittelpunct des häus⸗
das unlogiſche und hinfäͤllige Gebäude des mytho⸗ logiſchen Cultus wandten. Eine ſolche Kritik des Ritus und der kirchlichen Ueberwucherungen hat es unter allen Nationen zu allen Zeiten beginnender philoſophiſcher Aufklärung gegeben und in jedem davon erhaltenen Ueberreſt findet ſich eine Parallele zu ähn⸗ lichen Kämpfen des 15., 18. und 19. Jahrhunderts.
lichen Lebens bildet; in der Herdgöttin der Gemeinde, Da es mir nur darauf ankam, für das ehren⸗ in Veſta, wird die Idee der höchſten ſittlichen Rein- werthe Geſammtunternehmen anzuregen und es den heit angeſchaut. Die Erdgottheiten nehmen nicht nur Leſern wiederholt an's Herz zu legen, daß ſie ſich das Samenkorn in ihre Hut und ſpenden aus der gediegenen Editionen zu⸗ und von populären Schöͤn⸗ Tiefe den Segen der Fluren, ſondern zu ihnen ſteigen malereien und„lauſchenden Spaziergängen in Wald⸗, auch die Seelen der Verſtorbenen hinab und bei ihnen V Feld-⸗ und Weltgeſchichte“ immer mehr abwenden haben jene guten Geiſter ihren Wohnſitz, welche als möchten, ſo will ich hier nur noch einige der anderen Larven die Familien, die Städte, die Straßen beſchützen. Aufſätze nennen. So z. B. Richard Kobden von
Wenn hiermit der Verfaſſer den religiös⸗phan⸗ Joltzendorf; das Volksgericht von Mittermaier; der taſtiſchen Kreis ſchon andeutungsweiſe ziemlich ge⸗ V Kreislauf des Kohlenſtoffs von Baeger; die elektriſche ſchloſſen hat, ſo führt er dies ſpäter doch noch ſpecieller Telegraphie von Siemens; der Preis der Arbeit von aus und gewährt dem Leſer das Hauptintereſſe durch Engel. Das letztgenannte Schriftſtück ſollten nicht einen Ueberblick über die ſpätere Kritik römiſcher Au⸗ nur die arbeitenden Kräfte, ſondern auch die arbeit⸗
toren, welche ſich polemiſch wie z. B. Seneca gegen gebenden ausnahmsweiſe leſen.
Jeuilleton.
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Ein Beſuch im Lager von Chälons.
Wenn auch zu hoffen ſteht, daß die junge, kaum erſt aufgebrochene Blüthe des Oelbaumes für unſer Vaterland zur üppigen Frucht bald gedeihen, nicht durch neue Stürme zerſtört werden möge, und die Schilderungen des Friedens und ſeines Segens daher uns lieber ſind, als bunte Kriegs⸗ bilder, ſo wird dennoch im gegenwärtigen Augenblicke, wo die Luxemburger Frage leider wieder drohende Kriegswolken heraufbeſchworen, unſern Leſern ein Gang durch das Lager von Chaälons, wie ihn das Folgende ſchildert, gewiß auch von Intereſſe ſein.
Derſelbe geſchah im Sommer 1865, von einem Deut⸗ ſchen, welcher der Erzählende iſt und einem Pariſer, Namens Max unter der Aegide eines franzöſiſchen Capitäns, und iſt im Auszuge dem trefflich geſchriebenen, bei Bachem in Cöln verlegten Buche„Lebende Bilder aus dem modernen Paris“ entlehnt.
Man reiſt mit dem Extrazuge, Straßburger Linie, von Paris nach Chalons in drei Stunden. Das Lager liegt noch eine Meile ſüdöſtlich über Chälons hinaus, neben dem Dorfe
über ſiebentauſend; Alles, Alles Dank dem Lager, das, wenn es auch jedes Jahr nur für zwei bis drei Monate dort auf⸗ geſchlagen wird, ein hinreichend großartiges Leben und Treiben mit ſich bringt, um auch für den Reſt des Jahres den Wohl⸗ ſtand des Landes zu erhöhen. Das Lager liegt in einer weiten, prächtigen Ebene, die von ſanften Hügelketten eingeſchloſſen iſt. Hier und da, wie zur Zierde in die Landſchaft hinein⸗ geſtreut, größere und kleinere Baumgruppen, meiſt Fichten und Tannen, die mit den weißen Zelten und dem grünen Raſen ſehr hübſch contraſtiren. Nirgends Sand oder Haide,
überall feiner dichter Graswuchs, der die Manöver ſehr
erleichtert, weil er den Staub fern hält, und der auch ſonſt für die Geſundheit der Truppen ſehr vortheilhaft iſt. Das neu erbaute Militär⸗Hoſpital in Mourmelon, wie alle der⸗ artigen Anſtalten in Frankreich ſchön und großartig ein⸗ gerichtet, iſt faſt überflüſſig; bei unſerm Beſuche wenigſtens trafen wir daſelbſt nur ſechzehn Kranke, von denen noch dazu nur drei bettlägerig waren.
Der Haupttheil des Lagers iſt das ſogenannte quartier impérial, eine lange und breite, von zierlichen Baracken
Mourmelon⸗le⸗Grand. Dies Dorf iſt aber jetzt längſt eine
kleine Stadt geworden; eine Umwandlung, die das wu
Land dort mit Erſtaunen geſehen hat und die noch mit jedem Jahre bedeutender wird. An die Stelle der ärmlichen Bauern⸗
gebildete Straße, die auf den Pavillon des Kaiſers zuführt. Der Pavillon ſelbſt iſt eine allerliebſte Holzconſtruction, halb Villa, halb Schweizerhaus, mit offenen Galerieen und überragenden Dächern, blau und weiß gemalt; auch die
hütten ſind prächtige Häuſer getreten, meiſt große Hôtels, Sonnenzelte der Veranda und der obern Balconfenſter ſind Café's und Reſtaurants mit Concert⸗ und Ballſälen, Läden von derſelben Farbe. Das Innere des Pavillons iſt über⸗ und Magazine voll Luxus⸗ und Modewaaren, ſogar ein aus einfach, aber eben ſo zweckmäßig wie elegant. Das Theater mit einer kaiſerlichen Loge; Gasbeleuchtung und untere Stockwerk, außer den Küchen und den nöthigen Räumen Asphalt⸗Trottoirs— faſt ein kleines Paris. Im Jahre 1855 für die Dienerſchaft, iſt ein großer Speiſeſaal, der freilich zählte Mourmelon nicht über ſechshundert Einwohner, jetzt auch zugleich den Empfangsſaal bildet. In der obern Etage


