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widerlich als unverdaulich machen. Bei der Appretur der Weltgeſchichte für Jung und Alt(man möchte ſagen für„Faul“ und„Genäſchig“) findet dieſelbe moderne Manierirtheit ſtatt. Hier wird der Schaden noch durch Theilung der Arbeit verſchlimmert und ver⸗ größert,— der ſogenannte hiſtoriſche, biographiſche und culturgeſchichtliche Roman betheiligen ſich mit an der beängſtigenden Unternehmung der rapiden Ge⸗ brüder Ballhorn und Seichtmaier.
Im Gegenſatz zu dieſem Treiben iſt's erfreulich, wiſſenſchaftliche und für die größeren Kreiſe wiſſens⸗ würdige Stoffe kurz, verſtändlich, aber ernſthaft und deshalb einfach und ohne Schminke behandelt zu ſehen. Das geſchieht im erwähnten Unternehmen ſo ziemlich durchſchnittlich. Viele der Mitarbeiter haben ehren⸗ werth bekannte Namen. Ich will nur Eins für das Andere beiſpielsweiſe hervorheben, was löblich beweiſen möge, daß nicht Alles mit Gewalt für Gevatter Hand⸗ ſchuhmacher und Seifenſieder zugeſchnitten iſt. So ſpricht Eduard Zeller über die Religion und Philo⸗ ſophie bei den Römern. Er ſucht zunächſt die natür⸗
liche Entſtehung und den ſachlichen Kern ihrer My⸗
thologie zuſammenzufaſſen und es wird ſich immer ergeben, daß die Philoſophie und Poeſie eines Volkes mit den mythologiſchen Grundanſchauungen deſſelben im engen Zuſammenhange ſtehen.
Die Römer haben ihre Religion wie ihre Sprache und Sitte urſprünglich von den Völkern erhalten, aus denen das römiſche zuſammengefloſſen iſt, und den weitaus bedeutendſten Beitrag für dieſelbe lieferten jedenfalls die nahe verwandten Glaubensformen jener latiniſchen und ſabiniſchen Stämme, deren Anſiedlungen am palatiniſchen Hügel und auf dem Capitol zu der künftigen Weltſtadt den Grund legten. Wie nun dieſe Stämme ein Glied der vielverzweigten ariſchen oder indogermaniſchen Völkerfamilie bilden, ſo ſteht auch ihre Religion mit denen vieler anderen Völker, zunächſt der Griechen, weiterhin aber auch der Ger⸗ manen, der Perſer, ſelbſt der Inder, von der grauen Vorzeit her in einem Zuſammenhang, der nicht blos aus dem Geſammtcharakter derſelben, ſondern auch aus einzelnen Götternamen, Mythen und Gebräuchen nicht ſelten in überraſchender Weiſe hervortritt. Ihre allgemeine Grundlage bildet die Verehrung jener un⸗ ſichtbaren, geiſterhaft gedachten Weſen, welche die Natur und das Menſchenleben durchwalten. Unter denſelben treten vor Allem die lichten Himmelsmächte hervor, die ſich in Jupiter, dem Himmelsgott, zur weltbeherrſchenden Einheit zuſammenfaſſen. Eine zweite Claſſe von Göttern ergab ſich aus der Betrachtung der irdiſchen Natur und aus der Ahnung der Kräfte, die in ihr wirken, die im Dunkel des Waldes und
Folge.
in der Einſamkeit des Gebirges uns umgeben, die im Murmeln der Quelle und im Kniſtern der Herd⸗ flamme zu uns ſprechen, denen wir das Wachsthum der Saaten und das Gedeihen der Heerden verdanken. Zu dieſen zwei Gebieten kommt endlich als drittes die Erdtiefe mit allem Geheimnißvollen und Düſteren, was ſie in ſich birgt, allem Segen und Reichthum, der aus ihr entſpringt. Iſt es aber der Religion ſchon überhaupt, auch wenn ſie das Göttliche in der äußeren Natur ſucht, doch in letzter Beziehung nicht um die Außenwelt als ſolche zu thun, ſondern um ihre Bedeutung für den Menſchen, ſo gilt dies in ganz beſonderem Maße von der römiſchen Religion. Die römiſchen Götter ſind allerdings größtentheils per⸗ ſonificirte Naturkräfte; aber die Vorſtellung von dieſen Kräften wird nicht durch wiſſenſchaftliche Beobach⸗ tung und Erklärung der Naturerſcheinungen gewon⸗ nen— in dieſem Falle hätte es ja gar nicht zu ihrer mythiſchen Perſonification kommen können— ſon⸗ dern die Einwirkungen, welche der Menſch von der Außenwelt erfährt oder zu erfahren meint, regen die Phantaſie an, ſich eine Vorſtellung der Weſen zu bilden, von denen ſie herrühren; dieſe Vorſtellung hat daher zunächſt auch keinen andern Inhalt: die Götter ſind die Mächte der Natur, nach ihrem wohl— thätigen oder verderblichen Einfluß auf das menſch⸗ liche Daſein betrachtet, die Urheber des Segens und des Unheils, welches dem Menſchen widerfährt, der erhebenden oder ſchreckhaften Eindrücke, welche die Naturerſcheinungen auf ihn hervorbringen; und in dem Bilde, das ſich der Menſch von ihnen macht, ſpiegeln ſich nicht blos dieſe Erſcheinungen ſelbſt ab, ſondern noch weit mehr die von ihnen erregten Em⸗ pfindungen und die von ihnen beſtimmten menſchlichen Lebenszuſtände. Eben damit geht aber die phyſiſche Bedeutung der Gottheiten in die ethiſche über; und gerade die römiſche Religion iſt eine von den Natur⸗ religionen, in welchen dieſe letztere Seite am ſtärkſten hervortritt. Jupiter iſt nicht blos der Herr des Him⸗
mels und der Gewitter, ſondern er iſt auch der höchſte Beherrſcher des menſchlichen Lebens und ſeiner Ge⸗ ſchicke; er lenkt das Schickſal der Schlachten und ver⸗ leiht den Sieg über die Feinde, er ſchützt das Recht und die Treue, er iſt das Haupt, wie des Götterreiches, ſo auch der irdiſchen Staaten, der oberſte von den römiſchen Staatsgöttern, der„Höchſte und Beſte“, deſſen Begriff ſich mit dem Anwachſen der Römermacht immer mehr zum Gedanken der Einen neltherrſchen⸗ den Gottheit erweiterte. Juno iſt als die Licht⸗ und Geburtsgöttin zugleich der allgemeine Schutzgeiſt des weiblichen Geſchlechts, ſo daß die Frauen ebenſo bei ihrer Juno zu ſchwören pflegten, wie die Männer bei


