Jahrgang 
1-26 (1867)
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280 Novellen⸗

deren Seite die Hausfrau eine Schüſſel mit Bohnen heranrückte. Der große Schinken von einem ſelbſt⸗ geſchlachteten Schweine hatte zum vis-à-vis wieder eine tiefe Schüſſel, worin ſich in Stücke geſchnittenes

gebratenes Fleiſch befand, und mitten auf dem Tiſche,

umgeben von all' dieſen Schüſſeln, war eine große Saucisère niedergeſetzt.

Janſen erklärte fortwährend, daß er nichts von Phraſen und Förmlichkeiten halte, ließ jedoch im Ver⸗ ein mit ſeiner Frau keinen Augenblick vorübergehen, ohne ſeine Gäſte zum Zulangen zu nöthigen, und warf bald dem Vetter einige Schnitte Schinken auf den Teller, bald drang er ſeiner Baſe, die längſt genug hatte, einige Stücke gebratenes Fleiſch auf, mit der Bemerknng, wenn ſie es nicht zwingen könne, möge ſie es liegen laſſen.

Hier, Vetter, trinken Sie einmal; es iſt Wein vom Jahre 1848; das Beſte, was ich im Hauſe habe.

Herr und Frau von Middelneſſe wurden roth von der Anſtrengung des Eſſens.

Zuletzt geht die Thür auf und zugleich mit der Dirne, die das rothe Halstuch trägt und wieder eine große Schüſſel hereinbringt, eine Schüſſel mit Reisbrei, drängt ſich eine Gruppe von ſechs Kindern in das Zimmer.

Das gab ein Leben!Guten Tag, Vater, guten Tag, Mutter! Wer ſind das? Sind ſie das aus dem Haag? Eßt Ihr noch einmal? Kriegen wir auch etwas? So fragten die Knaben und Mädchen, und ſie fragten noch viel mehr, während die Eltern ſie ermahnten und ihnen befahlen, daß ſieguten Tag ſagen ſollten, daß das der Vetter und die Baſe aus dem Haag ſeien, wo der König wohne, daß Wilhelm ſein Schreibebuch ſehen laſſen ſolle, wo der Lehrer ſo häufigausgezeichnet hineingeſchrieben habe, daß Mariechen ihre Naſe abwiſchen ſolle und endlich, daß ſie ſtill hinausgehen ſollten, mit dem Verſprechen: Dann kriegt Ihr Alle zuſammen Reisbrei; fort, Jungens! Da ſtürmten ſie hin.

Allerliebſte Kinderchen! So ungezwungen, ſo sans géêne! verſichert Herr von Middelneſſe.

Und wie geſund ſie ausſehen! bemerkt die gnä⸗ dige Frau,die friſche Luft iſt doch das Beſte. Die Kinderchen der gnädigen Frau haben einen Hauslehrer, damit ſie ſich durch das in die Schule Gehen, nament⸗ lich des Winters, nicht erkälten.

Sie kriegen nach Gebühr, was ſie wollen, und können nach Gebühr thun, was ſie wollen, ſagt Janſen,Gehorſam, das iſt das Eine, und keine Streiche, das iſt das Zweite. Kommen Sie, Vetter, noch ein Gläschen.

Zeitung.

Nein, lieber nicht, er ſteigt mir zu Kopfe, merci, merci!

Was merci! ruft Janſen, indem er einſchenkt, und der Vetter trinkt das Glas aus und es ſteigt ibm nicht zu Kopfe. Was den Reisbrei betrifft, ſo ſollte und mußte er geprüft werden. Baſe Janſen verlangte in aller Beſcheidenheit doch ein lobendes Wort über ihr Nachgericht, und das war auch kein Wunder, denn ſie hatte drei Pinten der beſten Sahne daran gewendet.

Wie Maibutter! ſagt Janſen. Herr und Frau von Middelneſſe holen tief Athem und während ſie mit den Gabeln in den Reisbreiportionen, die man ihnen aufgeladen, herumſtochern, und dann wieder einmal etwas davon zu Munde führen, verſichern ſie, daß die Couſine viel zu viel Umſtände gemacht habe und daß ſie wirklich in Verlegenheit ſeien, aber daß ſie noch nie einen ſo ausgezeichneten Reisbrei gekoſtet hätten.

Vetter Janſen, lacht aus Vergnügen, daß ſeine Gäſte ſo über und über zufrieden ſind, und ſagt: Ja, wenn wir auch geringe Leute ſind, wiſſen wir doch, was den Leuten zukommt. Wenn Ihr nicht

mehr könnt, ſetzt er hinzu,ſb laßt es nur liegen,

wir wollen beten und dann geht's in den Garten, um Kirſchen zu eſſen, bis Mutterchen den Kaffee fer⸗ tig hat. 1

Daß Herr und Frau von Middelneſſe nicht be⸗ ſonders viel Luſt zu den Kirſchen hatten, befremdet uns nicht, aber Janſen, der den Baum einmal für ſie beſtimmt hat, ſagt zu Chriſtoph, dem Arbeiter, daß er pflücken ſolle, was er in einen Zehn⸗Pfund⸗ Korb thun könne, und den ſolle er dann in die Kutſche unter die Bank ſetzen.

Wäͤhrend darauf die vier Leutchen in Proceſſion nach der Dorfkirche zogen, wo die gnädige Frau ſo gern einmal auf Papa's erſte Canzel ſteigen wollte, zeigte Janſen nicht ohne ein gewiſſes Selbſtgefühl ſeinen Gäſten die Felder, welche ihm als Eigenthum gehörten. Mit innigem Vergnügen vernahm er dabei, wie prächtig und wie enorm und wie allerliebſt Alles gefunden wurde.

Von der Proceſſion nach Hauſe gekommen, muß⸗ ten die Freunde aus dem Haag noch raſch einen Blick in den Schweineſtall werfen.

Wie allerliebſt ſehen die kleinen Ferkelchen aus!

Was ſagen Sie zu unſern Schweinen? fragt

Frau Janſen, worauf ſie mit einem Holzlöffel an den

Stall klopft und lautkuff, kuff, kuff ruft. Die fetten Schweine ſpringen übereinander und Frau Janſen giebt der vornehmen Frau die Verſicherung, daß jede Sau bis zu zehn Junge wirft.

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