Jahrgang 
1-26 (1867)
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264 Literariſche Briefe von Otto Zanck.

Niederländiſche Novellen, den Originalen nacherzählt von Adolf Glaſer. Braunſchweig, bei Vieweg u. Sohn. 1866.

In dieſen vier kleinen, in ihrer Tendenz gar harmloſen und nur der leichten Unterhaltung gewid⸗ meten Novellen, von denen vom gewandt übertragen⸗ den Verfaſſer zwei nach Hildebrand und zwei nach Cramer frei bearbeitet ſind, wird Ihnen ein ſo eigen⸗ thümlich intereſſantes Element entgegentreten, daß es unſere Beachtung und beſondere Hervorhebung ver⸗ bient. Adolf Glaſer kann durch ſeine Wahl und Arbeit auf den Dank des guten Geſchmacks rechnen.

Es zeigt ſich in dieſen Erzählungen nämlich ein ſo bedeutſamer, lebendiger Realismus liebenswürdiger und oft humoriſtiſcher Genrebildlichkeit, daß ſie in dieſer Beziehung auffallend ſind und um ſo mehr Lob verdienen, da jenes realiſtiſche Element zugleich eine treffliche, knapp gefaßte Charakterzeichnung enthält und durch eine poetiſche Intention ſo geführt wird, daß es immer einen ideellen Geiſtesfunken verräth und nicht in niedrigen Materialismus verſinkt.

Von der naiven ungekünſtelten Einfachheit der Schilderung möchte ich ein Beiſpiel geben. Cramer charakteriſirt einenVetter vom Lande im Gegenſatz zu deſſen vornehmthuenden, aber innerlich hohlen Ver⸗ wandten aus der Stadt. Herr und Madame Mid⸗ delneſſe wohnen im Haag und wollen eben nach einer Vergnügungsreiſe am Rhein dahin heimkehren. Unterwegs fällt es der Frau ein, den Vetter Janſen, mit dem ſie verwandt iſt und der auf der Tour wohnt, zu beſuchen. Man avertirt ihn von einem Raſtorte aus durch ein Briefchen und der Vetter ant⸗ wortet, daß er ſie mit Freuden empfangen werde und erwähnt eines gekochten Schinkens zum Imbiß. Man nimmt einen Wagen und läßt ſich mit möglichſt guter Laune zum Beſuche herab.

Nach einer allerliebſten Fahrt über den breiten Deich von Arnheim nach Nymwegen und dann ſeit⸗ wärts ab über einen guten Grandweg erreicht das Ehepaar von Middelneſſe gegen Nachmittag das Dörf⸗ chen B., woſelbſt die Jugend, die gerade nach der Mittagsſchule geht, das hübſche Fuhrwerk anſtarrt, zum großen Theil daſſelbe begleitet und auf die Frage des Kutſchers, wo Herr Janſen wohnt, ohne zu ant⸗ worten lacht und jauchzt, ſich untereinander vorwärts ſtößt, einer dem andern auf den Rücken ſpringt, bis endlich einer darunter auf die Wiederholung der Frage mit dem Finger deutend den Beſcheid giebt:Da unten, neben dem Hauſe von Nickel Peter.

In Folge dieſer nicht ſehr klaren Andeutung er⸗

Novellen⸗Jeitung.

reicht der offene Wagen endlich die Wohnung des Colonialwaarenhändlers en gros und Gemeindevor⸗ ſtehers Janſen, des vierſchrötigen Mannes mit dem runden gerötheten Geſichte, welcher, indem er die Mütze vom Kopfe nimmt, die Thür öffnet und mit einem:Willkommen, Vetter und Baſe, Ihr bringt ja beſonders ſchönes Wetter mit! Herrn und Frau von Middelneſſe beim Ausſteigen behülflich iſt.

Wenige Minuten ſpäter ſitzen die vornehmen Gäſte vis-à-vis von ihren vornehmen Geldern'ſchen Verwandten in der Putzſtube der letztern.

Dieſe ſieht wirklich ſo ſchlecht nicht aus, was die gnädige Frau mit Wohlgefallen ſieht. Herr von Middelneſſe macht bei ſich ſelbſt die Betrachtung, daß er es in der That doch erſchrecklich bürgerlich findet, während Frau Janſen, eine ſtarke, geſunde und wohl⸗ geformte Landpomeranze, bei dieſer Gelegenheit von oben bis unten in ihrem Sonntagsſtaate und feuer⸗ roth von der Ehre, die ihr und ihrem Hauſe wider⸗ fährt, fortwährend:Ja, ja ſagt und daßdie Ver⸗ wandten nur vorlieb nehmen müßten, mit der wie⸗

derholten Verſicherung, daß esſehr ſchönes Wett⸗Mfein

Vetter Janſen, der inzwiſchen zeigen will, daß er weiß, was ſich ſchickt, zieht einen Präſentirteller,

worauf ſich zwei Fläſchchen und vier Gläſer befinden,

zu ſich heran, und während er eines der Fläſchchen ergreift, ſagt er zu dem vornehmen Vetter:Mögt Ihr das auch im Haag? Klarer Bittrer! Probiren Sie einmal.

Herr von Middelneſſe dankt, er dankt wirklich; zwar findet er es ſehr liebenswürdig, aber er trinkt nie, niemals.

ſagt der ländliche Vetter;uns thut ein Tröpfchen zuweilen noth hier zu Lande, Sie müſſen ſich nicht nach mir richten, fährt er fort,ich trinke es immer zehn Minuten vor dem Eſſen, und wir haben das Eſſen jetzt ſchon hinter den Knöpfen.

So, ſo! entgegnete der vornehme Vetter, der eine gewiſſe Leere fühlte und ſich zu erinnern glaubte,

Anna Marie wollte warten, bis Sie hier wären, verſetzte Janſen, der ſich die größte Mühe gab, richtig zu ſprechen,aber, fuhr er fort,ich ſagte, wir wollen unſern gewöhnlichen Gang gehen, wegen der Kinder, wiſſen Sie, dann können wir recht gut auf vor⸗

immer zu ſagen: eßt ſo viel, daß Ihr gleich wieder von vorn anfangen könnt.

Sehr richtig bemerkt, m delneſſe,aber es iſt wirklich e fuü⸗ Frau Janſen, Couſine wollt⸗ 4

von einem Schinken in dem Briefe geleſen zu haben.

nehme Art ſpäter noch einmal eſſen. Vater pflegte

Dann würden wir ſchlecht zuſammen paſſen,

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