Jahrgang 
1-26 (1867)
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durch in meinen Augen ſich als die eigentlichen Schul⸗ digen verrathen hatten, unterbrach Anna ihn raſch. Wenn Sie die Güte haben wollten, dieſe Leute mir gegenüberzuſtellen, ſo würde ich vielleicht das Zeugniß derſelben bekräftigen können.

Der Unterſuchungsrichter kam ohne Zögern dieſem Verlangen nach.

Die beiden Knechte erſchienen, Anna theilte ihnen die Ereigniſſe der verwichenen Nacht mit und bat ſie, die Wahrheit in Bezug auf die Schuld oder Unſchuld Hermann's zu geſtehen.

Sie erklärten vorab Beide, daß ſie bereuten, die Schmuggler⸗Laufbahn betreten zu haben, und geſtanden darauf, daß ſie den Schmugglern die Gewölbe in der Mühle zur Aufbewahrung der Waaren angeboten hatten.

Der Unterſuchungsrichter bat die Wittwe, am Abend wiederzukommen, er wolle mit dem Präſidenten reden und hoffe, daß er ihr den Verlobten, wenn auch nur bedingungsweiſe, zurückgeben könne.

Wirklich händigte er ihr bei ihrem zweiten Beſuch ein Schreiben an den Inſpector des Gefängniſſes ein, in welchem derſelbe beauftragt wurde, Hermann Stein augenblicklich zu entlaſſen; Anna mußte einen Schein unterſchreiben, laut welchem ſie ſich verpflichtete, tau⸗ ſend Thaler an den Staat zu zahlen, wenn ihr Ver⸗ lobter der ſpäteren Aufforderung, ſich vor Gericht zu ſtellen, nicht nachkam.

Anna eilte unverzüglich in das Gefängniß, im Triumph führte ſie ihren befreiten Verlobten in das Dorf zurück.

Den Grenzjäger bemitleidete Niemand, aber man fürchtete allgemein, daß derſelbe auf ſeine Rache nicht verzichten und ſie nach gebüßter Strafe ausführen werde.

Die Unterſuchung ergab Manches, was für die Schuld Weber's ſchwer in die Waagſchale fiel, man wies ihm Betrug und Unterſchlagung conſiseirter Waaren nach, man bewies ihm ferner, daß er wider beſſeres Wiſſen einen Unſchuldigen denuncirt und durch Scheinbeweiſe das Gericht irre geführt hatte; er wurde zu dreijähriger Zuchthausſtrafe verurtheilt.

Vier Wochen mochten ſeit dem Urtheilsſpruche verſtrichen ſein, als in der Mühle die Hochzeit Anna's mit Hermann gefeiert wurde. Es war ein heiteres Feſt, das kein Mißton trübte und bei welchem viel getrunken, geſungen und ſogar getanzt wurde.

Und doch lauerte in der Nähe das Verderben!

Ein Mann ſchlich ſich, begünſtigt durch den Jubel drinnen und die Dunkelheit draußen, in die Mühle. Niemand bemerkte ihn, Niemand ſah, daß er raſch die Treppe hinaufſtieg.

Novellen⸗Zeilung.

ſo würde bei den bedeutenden Getreide⸗Vorräthen,

Rolle Bindfaden aus der Taſche und leitete von einem Getreidehaufen zum andern den Faden, den er vor⸗ ſichtig abwickelte, darauf ging er langſam und vor⸗ ſichtig die Treppe hinunter, und zwar rückwärts, um den Faden am Geländer vorbeizuleiten.

Schon war er auf dem Hausflur angekommen, ſchon ſtand er im Begriff, den Faden anzuzünden, als plötzlich eine Thür geöffnet wurde und ein Licht⸗ ſtrahl auf den unheimlichen Gaſt fiel, der erſchreckt emporſprang und die Flucht zu ergreifen ſuchte.

Aber Hermann, der die Thüre geöſſnet hatte, um draußen das durch den Tanz aufgeregte Blut ab⸗ zukühlen, bemerkte und erkannte ihn.

Seine Hand umklammerte das Genick des Man⸗ nes, der in ohnmächtiger Wuth unter dem eiſernen Griff ſeines Gegners ſich wand.

Schurke, was wolltet Ihr hier? rief, er. Glaubt nicht, daß Ihr ſchon dem Zuchthauſe glück⸗ lich entronnen ſeid, müßte ich ſelbſt Euch dahin bringen, Ihr werdet in Eurén Kerker zurückkehren.

Die Gäſte waren inzwiſchen herbeigeeilt* ms

Was der ehemalige Grenzjäger beabſichtigt hatte, unterlag keinem Zweifel: er wollte die Mühle anzün⸗ den, und wenn dieſes Vorhaben ihm gelungen wäre,

man 1 fand den Faden und entdeckte, daß es ein Schwefel⸗+

faden wat.

die auf den Speichern lagen, das Haus bis auf das Fundament niedergebrannt ſein.

Anton Weber blickte trotzig um ſic s edug auf die Vorwürfe, die ihm gemacht deg Silbe.

Hermann befahl ſeinen Knechten, Stricke zu holen, um den Brandſtifter zu feſſeln, und ſchon ſtanden dieſe im Begriff, den Verbrecher zu binden, als derſelbe ſich plötzlich den ihn feſthaltenden Händen entriß und mit einem gewaltigen Stoß ſich durch die Menge Bahn brach.

Man hatte überſehen, die Thüre zu ſchließen, Anton Weber war im nächſten Augenblick den Blicken* der beſtürzten Gäſte entſchwunden.

Am nächſten Tage fanden zwei berittene Gens⸗ d'armen ſich ein, die zur Verfolgung des Flüchtlings ausgeſchickt waren; Hermann betheiligte ſich ſelbſt bei⸗ dieſer Berfolgung, die indeß nicht das gewünſchte Reſultat lieferte. 3

Anton Weber war und blieb verſchwunden⸗ aber daß er noch in der Nähe weilte und nur des günſti⸗

gen Augenblicks zur Ausübung ſeiner Rache harrte bewieſen die Drohbriefe, die von Zeit zu Zeit in der Mühle gefunden wurden. Niemand wußte, wer ſie

Unter dem Dache blieb er ſtehen, er holte eine

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gebracht hatte, man fand ſie in der Regel am Mor⸗

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