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quem war und Anna ſchon längſt den Vorſatz hegte, ihn fortſchaffen zu laſſen. Die Müllerin hörte deut⸗ lich, daß die Thüre dieſes Schrankes geöffnet und bald darauf wieder geſchloſſen wurde, ſie vernahm fer⸗ ner, daß der Grenzjäger ſich nach kurzem Aufenthalt wieder entfernte.
Um ſich hierüber Gewißheit zu verſchaffen, trat ſie raſch an's Fenſter zurück, durch welches ſie ver⸗ ſtohlen den Weg beobachtete, auf welchem Weber ge⸗ kommen war. Sie ſah, daß der Beamte in das Ge⸗ büſch zurückkehrte, ſie blickte ihm nach, ſo lange ihr Blick ihn verfolgen konnte, dann eilte ſie auf den Flur, um den Schrank zu durchſuchen.
Aber der Schlüſſel fehlte und unter allen Schlüſ⸗ ſeln, welche Anna beſaß, fand nicht einer ſich, der das altmodiſche, kunſtreich gearbeitete Schloß öffnete.
Anna beſann ſich nicht lange, ſie holte Hammer und Zange und löſte die Gehänge, an denen die Thüre hing.
Nach einer halbſtündigen Arbeit konnte die Mül⸗ lerin die Thüre ausheben. Der Schrank war mit ſeidenen Tüchern, Bändern, Spitzen und anderen un⸗ zweifelhaft geſchmuggelten Stoffen angefüllt.
Was nun? Im erſten Augenblick wollte Anna in’s Dorf zum Amtmann eilen, um ihn von der ge⸗ machten Entdeckung in Kenntniß zu ſetzen, aber nach kurzem Bedenken ließ ſie dieſen Entſchluß wieder fallen.
Wer ſchenkte ihr Glauben, wenn ſie einen Be⸗ amten der Verheimlichung confiscirter Waaren be⸗ ſchuldigte, wenn ſie behauptete, daß dieſer Beamte ſelbſt die geſchmuggelten Waaren heimlich zur Nacht⸗ zeit in ihr Haus gebracht habe, um ſie des Einver⸗ ſtändniſſes mit den Schmugglern beſchuldigen und überführen zu können? Niemand, man würde ihre An⸗ klage gegen Weber vielleicht nur für ein Manöver ge⸗ halten haben, welches darauf berechnet war, dem ver⸗ urtheilten Verlobten die Freiheit zu verſchaffen.
Anna ſah das ein, ſie durfte ſich nicht übereilen. Sie mußte raſch handeln und doch mit der größten Vorſicht zu Werke gehen, da ſie nicht bezweifeln konnte, daß der Grenzjäger ſie ſcharf beobachtete, auch dann, wenn ſie es nicht vermuthete. Sie hätte die Waaren entfernen und dadurch jeden Beweis beſeitigen können, aber ihr lag daran, den Grenzjäger in die Grube fallen zu laſſen, die er ihr graben wollte. Sie na⸗ gelte die Thüre wieder an und theilte am Morgen ihrem Knechte mit, daß ſie den Gefangenen beſuchen wolle und erſt ſpät am Abend zurückkehren werde.
Es geſchah oft, daß ſie ihren Verlobten beſuchte, ſie ſchob dies heute vor, für den Fall, daß Weber ſich nach dem Grunde ihrer Abyweſenheit erkundigte; ſeinem Verdacht mußte ſie vor allen Dingen vorbeugen.
Novellen⸗
Grenzjäger zurück, daß die Gensd'armen erſt am näch⸗
Zeilung.
Der alte Schmuggler hatte ihr geſagt, wo ſie ihn finden könne; ſie ſuchte ihn auf und beauftragte ihn, dafür zu ſorgen, daß der Ballen ſchon in der nächſten Nacht ziemlich nahe bei der Mühle verſteckt liege und der Grenzjäger davon in Kenntniß geſetzt werde. 4
Der Schmuggler verſprach, ihren Auftrag pünct⸗ lich auszuführen, der Schenkwirth ſollte die Denuncia⸗ tion übernehmen.
Nachdem Anna dieſe Anordnung getroffen hatte, eilte ſie in die Stadt, die ungefähr drei Stunden von dem Dorfe entfernt lag. Sie ging dort unverzüglich zu einem Advocaten, der ſie, nachdem er ihren Bericht gehört hatte, zum Criminalrichter begleitete.
Man ſetzte in die Wahrheit ihrer Mittheilungen keinen Zweifel und verſprach, ſie wirkſam zu unterſtützen.
Im Laufe des Nachmittags lief ein Brief We⸗ ber's ein, in welchem, wie damals, um Unterſtützung durch die bewaffnete Macht gebeten wurde. Der Grenzjäger ſchloß den Brief mit der Erklärung, daß abermals die Mühle der Schlupfwinkel der Schmugg⸗
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ler ſei und der Staat jetzt das Recht habe, Ku au
dem Vermögen der Müllerin ſchadlos zu halten.
Der Criminalrichter, dem dieſer Brief von Sei⸗ ten des Gerichts geſchickt wurde, damit er ſeine Maß⸗ regeln treffe und die Gensd'armen zur näheren Feſt⸗ ſtellung der Thatſachen begleite, ſchrieb ſofgrt dem
ſten Tage dort eintreſſen könnten, und daß man er⸗ warte, er werde diesmal einen eben ſo guten Fang machen, wie damals.
und zwei Gensd'armen, die letzteren in bürgerliche Kleidung, die Stadt; Anna hatte eine Stunde früher den Heimweg angetreten.
Sie vermieden das Dorf und hielten es ſogar für rathſam, einzeln und auf verſchiedenen Wegen ſich der Mühle zu nähern.
Anna empfing ſie und führte ſie in die Wohn⸗
Am Abend verließen der Richter, degen mesten L T 1 e
ſtube, in der an dieſem Abend kein Licht brannte; ſe
hatte gerade dieſe Stube gewählt, weil der Thüre derſelben der Schrank gegenüber ſtand. Außer ihr und der Magd, der ſie vertrauen konnte, wußte Nie⸗ mand, daß die Herren ſich in der Mühle befanden.
Um den Verdacht des Grenzjägers, im Fall
dieſer die Mühle beobachtete, nicht zu wecken, hielt
Anna ſich in der neben dem Wohnzimmer liegenden 1
Stube auf, ſie ſetzte ſich dort eine geraume Weile an's
Fenſter und ging, als die Uhr elf ſchlug, in ihr Schlafgemach, wo ſie nach einer Viertelſtunde das Licht löſchte. Darauf kehrte ſie zu den Gäſten in
die Wohnſtube zurück.
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