Jahrgang 
1-26 (1867)
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Novellen

will lieber hinter Schloß und Riegel ſitzen, als Euch in's Geſicht ſehen.

Wißt Ihr auch, was es heißt, zu Kerkerhaft und Verluſt der Ehrenrechte verurtheilt zu werden? erwiderte Weber.Wenn Ihr des Einverſtändniſſes mit den Schmugglern überführt werdet, ſo hat der Staat das Recht, ſich an Eurem Eigenthum ſchadlos zu halten, Euer ganzes Vermögen dürfte dadurch für Euch verloren gehen. Ihr verlaßt das Gefängniß als Bettlerin und ich gebe Euch mein Wort darauf, Niemand wird Euch ſeine Thüre öffnen, wenn er er⸗ fährt, daß Ihr eine beſtrafte Verbrecherin ſeid. Mögt Ihr hundertmal Eure Unſchuld betheuern, die Menſchen richten nach dem Schein, Niemand wird Eure Schuld bezweifeln.

Und wenn dies Alles einträfe, ſo ſchlimm wäre es nicht, als wenn ich die Ehe mit Euch dem Bettelſack vorzöge, ſagte die Müllerin ruhig.Verſucht, was Ihr gegen mich auszurichten vermögt, aber vergeßt dabei nicht, daß man gar oft ſelbſt in die Grube fällt, die man Anderen gegraben hat!

Ihr wollt alſo unter keiner Bedingung meiner Werbung Gehör ſchenken? fragte der Grenzjäger trotzig.

Niemals!

Auch dann nicht, wenn ich Euch ein ſorgenfreies Leben

Spart die Worte; ob Ihr mir auch goldene Berge verſprecht, ſie werden mich eben ſo wenig beſtim⸗ men, wie Eure Drohungen. Da ich aber Grund habe, die letzteren zu fürchten, ſo werde ich meinen Knecht beauftragen, Euch die Thüre zu zeigen, ſobald Ihr noch einmal meine Schwelle überſchreitet; ich mag mit Euch nichts gemein haben und mache deshalb Euch gegenüber von meinem Hausrecht Gebrauch.

Der Grenzjäger wandte der gereizten Frau höh⸗ niſch lächelnd den Rücken und entfernte ſich, ohne ihre Erklärung einer Antwort zu würdigen.

Kaum hatte er die Mühle verlaſſen, als Anna eine Laterne anzündete. Sie wußte, daß der Grenz⸗ jäger keine Drohungen ausſtieß, ehe er die Mittel beſaß, ſie auszuführen, ſie wußte auch, daß er zu je⸗ dem Bubeuſtück fähig war, wenn er durch daſſelbe ſeinen Zweck zu erreichen glaubte. Die Vermuthung lag nahe, daß Weber ſeine Vorkehrungen zur Ausfüh⸗ rung der Drohungen bereits getroffen habe, und ob dieſe Drohungen ſich auf ein Einverſtändniß mit den Schmugglern bezogen, ſo glaubte Anna, annehmen zu müſſen, er werde für ihre Schuld dieſelben Beweiſe vorbringen, durch welche Hermann anſcheinend über⸗ führt worden war.

Sie ſtieg in die Gewöͤlbe hinunter und unter⸗

Zeitung.

fach beſtraft iſt, hat keine Geltung.

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warf jeden Raum einer ſorfältigen Durchſuchung, aber ſie fand nichts, was ihr auffallend oder verdächtig ſchien.

Anna beruhigte ſich dabei nicht, ſie durchwanderte das ganze Haus und erſt, als ſie die Ueberzeugung gewonnen hatte, daß keine geſchmuggelten Waaren in der Mühle ſich befanden, glaubte ſie, einſtweilen den kommenden Dingen ruhig entgegenſehen zu können.

Sie kehrte in die Wohnſtube zurück, um ihren Gedanken über den Weg, auf welchem vielleicht die Unſchuld Hermanns bewieſen werden konnte, nachzu⸗ hängen. Sie hatte die Hoffnung, dieſe Beweiſe zu finden, nicht aufgegeben und ſchon oft bittere Vorwürfe ſich darüber gemacht, daß ſie nicht damals ſo vorſich⸗ tig geweſen war, die Aufmerkſamkeit des Gerichts auf ihre beiden Knechte zu lenken. Durch die damalige ſofortige Entlaſſung dieſer Knechte, die ſeitdem ver⸗ ſchollen waren, hatte Anna ſelbſt ſich die Möglichkeit, die Unſchuld ihres Verlobten feſtzuſtellen, beraubt, ſie mußte es jetzt dem Zufall oder dem Walten der Vorſehung überlaſſen, die Unſchuld p. Nerurtheilten an den Tag zu bringen.. 5

Aus ihrem Sinnen und Brüten Kate der Ein⸗. tritt eines ſchon ziemlich bejahrten Mannes ſie empor.

Sie kannte dieſen Mann nicht, und ſchon wollte ſie, den Beſuch deſſelben mit den Drohungen Weber's in Verbindung bringend, den Knecht zu ihrem Schuz herbeirufen, als der alte Mann ſie durch die Erklä⸗ rung beruhigte, er ſei gekommen, um ſie vor dem Grenzjäger zu warnen.

Ich weiß, daß er darauf ausgeht, Euch zu ver⸗ derben, ſagte er,wie ich auch weiß, daß Euer Ver⸗ lobter unſchuldig verurtheilt wurde.

Das wißt Ihr? fragte Anna raſche Ihr mir Beweiſe dafür ſchaffen?

Nein, erwiderte der Alte kopfſchüttelnd,der einzige Beweis, den ich bringen kann, iſt mein Zeug⸗ niß, und das Zeugniß eines Mannes, der bereits mehr⸗

Ah Ihr ſeid ſelbſt

Still! Ich ſage Euch, Euer Verlobter iſt un⸗ ſchuldig, er hat nie eine Ahnung davon gehabt, daß wir die Mühle zur Niederlage unſerer Waaren be⸗ nutzten. Weber muß das längſt gewußt und darauf ſeinen Plan gebaut haben. Auch jetzt führt er etwas im Schilde, er hat in der letzten Woche Glück gehabt und manchen guten Fang gethan, aber von den con⸗ fiscirten Waaren nicht einen Ballen abgeliefert; ich vermuthe, daß er ſie irgendwo verſteckt hat, um im geeigneten Augenblick Euch des Einverſtändniſſes mit

uns beſchuldigen und überführen zu koͤnnen. Anna hatte ſich erhoben, ſie ſtand am Fenſter und blickte gedankenvoll in die Nacht hinaus.

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