Jahrgang 
1-26 (1867)
Einzelbild herunterladen

248

machen, während im Süden die höher gebildeten, geiſtlichen und weltlichen Gebiete ſich ihre Selbſtſtän⸗ digkeit nicht hatten nehmen laſſen. So wurde es möglich, daß aus der Mark Brandenburg einer von den fünf mächtigen Staaten erwachſen konnte, welche gegenwärtig Europa's Schickſal lenken. Von dieſen Großmächten ſind England, Rußland und Frankreich in natürliche Grenzen eingeſchloſſen. Theils eigen⸗ thümliche Sprache der Bewohner, theils Meere, Ströme und Gebirge trennen ihre Gebiete von den Nachbarn. Großbritanniens Inſelgruppe zeichnet ſich in feſten Umriſſen auf der Landkarte ab; und wenn Frankreich durch die Raubzüge Ludwig's des Vierzehnten einen Theil deutſchen Bodens an ſich zu reißen wußte, wenn Rußland in den Oſtſeeprovinzen über deutſchredende Menſchen herrſcht, ſo trägt unſeres Vaterlandes Schwäche und Zerriſſenheit allein die Schuld, daß das Verlorne bis heute nicht zurückgewonnen ward.

Die beiden noch übrigen Großſtaaten, Oeſterreich und Preußen, entbehren der natürlichen Grenzen.

Die habsburgiſche Macht hat ſich großentheils auf friedlichem Wege im Südoſten von Deutſchland ausgebreitet. Durch den Glanz der Kaiſerkrone und der von der Kirche verliehenen, an Ungarns Krone haftenden apoſtoliſchen Majeſtät hoch erhoben, ſchien im ſechszehnten Jahrhundert das ſpaniſch⸗öſterreichiſche Haus zur Weltmonarchie ſich geſtalten zu wollen, und deutſche Fürſten, welche kühn genug waren, dem über⸗ mächtigen Karl dem Fünften ſich zu widerſetzen, büßten ihr Beginnen mit der Freiheit, faſt mit dem Leben.

Aber wie in allen menſchlichen Dingen folgte auch hier auf die höchſte Erhebung der Verfall. Die Reformation der Kirche wurde zugleich eine Refor⸗ mation des Staates, als die Anhänger der neuen Lehre ſich zum Widerſtande gegen die höchſte geiſtliche und weltliche Gewalt ermannten. Die deutſchen Für⸗ ſten erlangten eine Selbſtſtändigkeit, welche den Zu⸗ ſammenhang des Reiches lockern und allmälig zerreißen mußte.

Wer die Führung der deutſchen Proteſtanten über⸗ nehmen würde, ſchien lange zweifelhaft, bis eine wun⸗ derbare Verkettung von Umſtänden zu Gunſten der brandenburgiſchen Kurfürſten entſchied. Sachſen, die Wiege des Lutherthums, urſprünglich an die Spitze der Bewegung berufen, verlor durch übereifrige Par⸗ teinahme gegen das reformirte Bekenntniß und durch unkluge Politik ſeinen Einfluß. Den pfälziſchen Kur⸗ fürſten hatte die vorwitzige Annahme der böhmiſchen Königskrone in's Verderben geſtürzt. Das braun⸗ ſchweigiſche Haus war durch Erbtheilungen geſchwächt, Brandenburg dagegen ſchritt bzi ſtetiger Vergrößerung

Novellen⸗Jeitung.

ſeines Gebietes unaufhaltſam vorwärts. Das weltlich gewordene Ordensland Preußen und die cleve'ſchen Erwerbungen im Weſten wußte Kurfürſt Friedrich Wilhelm unter den ungünſtigſten Umſtänden zu ſolcher Machtentfaltung zu benutzen, daß ihm allein die Re⸗ formirten es zu danken hatten, wenn im weſtphäliſchen Frieden ihr Anſpruch auf Rechtsgleichheit anerkannt wurde. Seitdem blieb bei den Hohenzollern das Schirmherrenamt über alle Proteſtanten auf dem Feſt⸗ lande Europa's und es wurde ihr Beruf, die höchſten Güter des Menſchen, religiöſe und politiſche Freiheit, zu ſchützen.

Es iſt in der brandenburgiſchen Geſchichte inter⸗ eſſant zu betrachten, auf welchem Wege Preußen ſeiner hohen Beſtimmung entgegenſchreitet. Die große Klar⸗ heit, mit welcher unſerem Vaterlande ſeine Aufgabe vorgezeichnet iſt, verleiht der Geſchichte deſſelben ein ſo hervorragendes Intereſſe.

Klein und unbedeutend ſind die Anfänge dieſes Staats. 2

Die Mark Brandenburg bildete den Kern, an den ſich von allen Seiten die einzelnen Erwerbungen anſchloſſen, aus welchen allmälig ein Reich von euro⸗ päiſcher Bédeutung erwuchs. In den Ebenen zwiſchen Weſer, Elbe und Oder hatten die germaniſchen Ur⸗ einwohner zu den Zeiten der großen Völkerwanderung den ſlawiſchen Wenden weichen müſſen. Karl der Große machte dieſelben zinspflichtig und ſetzte Mark⸗ grafen an ihre Grenzen. Des Kaiſers ſchwache Nach⸗ folger vermochten jedoch nicht, ſich daſelbſt zu be⸗ haupten, und erſt Heinrich I. eroberte die Slawenveſte Brandenburg. Sein Sohn, Otto der Große, erreichte auf dem linken Elbufer, dem Einfluſſe der Havel gegen⸗ über, die Nordmark mit den alten Veſten Werben, Arneburg, Tangermünde und Salzwedel, aber es be⸗ durfte noch langer Kämpfe, bis von hier aus das Land zu einem deutſchen und chriſtlichen gemacht werden konnte.

Bis in's zwölfte Jahrhundert ſind Namen und Geſchlechter der Markgrafen faſt gänzlich aus dem Gedächtniß der Menſchen verlöſcht. Selbſt darüber fehlt die Gewißheit, auf welche Weiſe die ascaniſchen Fürſten aus dem Hauſe Ballenſtädt in Beſitz der Herrſchaft gelangten. Albrecht der Bär, deſſen Namen die Sage mit der Gründung Berlins in Zuſammen⸗ hang bringt, regierte ſeit 1134. Faſt zweihundert Jahre lang blieb die markgräfliche Würde bei ſeinem Hauſe, und ungeachtet dieſe Ascanier nach damaliger

Beſitz unter ihre Söhne theilten, ſo hielten die Brüder dennoch ſtets treu zuſammen und brachten durch

kluges und tapferes Benehmen ihr Land zu Anſehen

Sitte den durch Eroberung und Verträge erweiterten

und E gründe beſſert ſeit d nahm titel i niſche nach liche ſchecht ſank Von a die her Mecklen burg w Die V Geger burg erklärt Mark 1323 jährige von B

hatte.

Frank Baier Auf A burg

von S Land Luxel Das

förnli Werwi

der a

lich,

Wald alls j Glaul Städt ſtande ihm, wit de Ietrü⸗ einſtü Ludwi Regie wurde Recht Karl

mund einen