Jahrgang 
1-26 (1867)
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Urtheil lautete auf ein Jahr Gefängniß und Verluſt der bürgerlichen Ehrenrechte. Anna war gefaßt, ſie erbat ſich die Erlaubniß zu einer kurzen Unterredung mit ihrem Verlobten und verſicherte ihn nochmals ihrer innigen unwandelbaren Liebe.

Der Grenzjäger triumphirte, der erſte Schritt war gelungen, und wenn er auch noch immer vom Ziele ziemlich weit entfernt war, ſo durfte er doch nun wieder hoffen, es zu erreichen. Schon am Tage der Verurtheilung Hermann's erſchien Anton Weber in der Mühle.

Entrüſtet zeigte Anna, noch ehe er ein Wort geſprochen hatte, auf die Thüre.

Erlaubt, daß ich diesmal Eurer Aufforderung nicht ſo raſch nachkomme, ſagte der Grenzjäger, während er einen Stuhl vor die Thüre rückte und auf demſelben Platz nahm.Es muß klar werden zwiſchen uns, wir Beide müſſen endlich einmal wiſſen, was wir voneinander zu erwarten haben. Ich hoffe, Ihr habt jetzt eingeſehen, daß Ihr Eure Gunſt einem Unwürdigen ſchenktet, einem Manne, der Euch betrog, der Euch in's Elend geſtürzt hätte, wenn es mir nicht rechtzeitig gelungen wäre, ihn zu entlarven.

Eine düſtre Wolke glitt über die Züge Anna's.

Das wagt Ihr, mir zu ſagen? erwiderte ſie. Ich meine doch, Eure eigne Ehre müſſe Euch ver⸗ bieten, die Schwelle eines Hauſes zu überſchreiten, in welchem Euch die Thüre gezeigt wurde. Aber freilich, Ihr ſeid bereits auf dem Puncte angelangt, anf welchem die Ehre nur ein todtes Wort, ein leerer Begriff iſt, Ihr habt ſelbſt Euch das Brandmal der Infamie auf die Stirne gedrückt.

Fahrt fort, ich werde Euch nicht unterbrechen, ſagte Weber gelaſſen.Aber hütet Euch, in Gegen⸗ wart eines Dritten in dieſer Tonart mit mir zu reden, ich würde mich genöthigt ſehen, Euch den Beweis zu liefern, daß man niemals meiner Ehre ungeſtraft zu nahe tritt. Wenn Ihr ruhig und vernünftig darüber nachdenkt, müßt Ihr zugeben, daß Hermann Stein Eurer Liebe nicht würdig war

Womit wollt Ihr das beweiſen? fiel Anna ihm mit kaltem Spott in's Wort.

Hat nicht das Gericht ihn verurtheilt?

Freilich, aber iſt es noch nie vorgekommen, daß ein Unſchuldiger verurtheilt wurde?

Ihr glaubt alſo noch immer an ſeine Unſchuld?

Ganz gewiß.

Der Grenzjäger lächelte, es war ein Lächeln des Mitleids und der Geringſchätzung.

orfſchenke nächtliche Zuſammenkünfte hielten. Man glaubt, was man hofft, ſagte er;wenn en aber mußte es, daß von all' den Ballen, erſt einige Wochen verſtrichen ſind, det Ihr anders welche Anton Weber confiscirte, nicht einer an die

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Hermann Stein mein Gatte ſein wird, erwiderte Anna ruhig. hindern können.

recht, Anna, der Zufall ließ mich entdecken, daß die Schmuggler

brach die Müllerin ihn raſch,wenn ich an ſie denke, kocht mir das Blut in den Adern. mit Euch nichts zu ſchaffen haben.

indem er ſich erhob.Ich laſſe nicht ab, Anna, Ihr müßt mein Weib werden, und ob Ihr auch jetzt Euch noch ſo ſehr ſträubt, der Tag wird kommen, an welchem Ihr Gott dankt, daß ich Euch meine Hand anbiete.

Geduld ab, bis jener Tag kommt, entgegnete Anna kalt,ich fürchte, Ihr werdet bald einſehen, daß Euer Hochmuth Euch irre geführt hat. Euch ſchon jetzt, wenn ich an den Thüren betteln müßte, um mein Leben zu friſten, und Ihr ließet Euch herab, mir eine ſorgenfreie Exiſtenz anzubieten, ich würde Euer Anerbieten nicht annehmen.

rung gab, ließ den Grenzjäger erkennen, daß er einen andern Weg betreten mußte, wenn er ſein Ziel erreichen wollte. und daß die Geſinnungen Anna's im Laufe der Zeit ſich ändern würden, ließ ſich nicht erwarten.

endlich glaubte er, es gefunden zu haben.

In einer ſtürmiſchen Winternacht ſtand er vor der kleinen Thüre, welche er damals ſo raſch und leicht erbrochen hatte; auch heute gelang ihm dies, er nahm das Schloß ab und entfernte ſich wieder. Kurz vor Tagesanbruch kehrte er zurück, er ſchraubte das Schloß wieder an und ſchloß die Thüre vermit⸗ telſt eines Schlüſſels, den er während der Nacht paſſend gemacht hatte. 3

Von dieſer Nacht an verfolgte der Grenzjäger die Schmuggler eifriger, denn je zuvor, und es gelang ihm, manchen guten Fang zu thun. wenigſtens die Schmuggler, die von Zeit zu Zeit in

Novellen⸗Zeitung. Behö von der Unſchuld Hermann's nicht überzeugen; ds enten

ſowo Aber was Ihr auch hoffen, glauben und wie

ünſchen mögt, Anna, ſoviel ſteht feſt, daß Ihr jenem dari Manne nicht zum Altare folgen werdet, ſelbſt wenn Ihr Euch ſo weit vergeſſen könntet, einen bürgerlich Todten zu heirathen.

gute

Und ich erkläre Euch, daß binnen Jahresfriſt Eure Ränke werden dieſe Heirath nicht ver⸗

Meine Ränke? fragte Weber.Ihr ſeid unge⸗

Kommt auf die Geſchichte nicht zurück, unter⸗ Geht ich mag

Aber ich mit Euch, fuhr der Grenzjäger fort,

Wenn Ihr das ſo ſicher wißt, ſo wartet in

Das aber ſage ich

Die Entſchloſſenheit, mit der Anna dieſe Erklä⸗ Auf dem Wege der Güte erreichte er es nicht,

Anton Weber dachte lange über die Mittel nach,

So behaupteten