Jahrgang 
1-26 (1867)
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Novellen

Wir werden ſehen, fuhr der Grenzſäger fort, während er raſch einige Fäſſer aus der vorderen Reihe herauszog;auffallen muß es, daßs⸗ſie nicht am hin⸗ teren Ende, ſondern in der Mitte des Raumes und zwar derartig aufgeſtapelt ſind, daß man he, was iſt das? Werden dieſe Ballen auch zur Ver⸗ ſchickung benutzt?

Beſtürzt trat Anna näher, auch Hermann konnte ſeine Ueberraſchung nicht verhehlen.

Wenn dieſe Ballen geſchmuggelte Waaren ent⸗ halten, ſo mag Gott wiſſen, wer ſie hieher gebracht hat und auf welchem Wege ſie in die Mühle gekom⸗ men ſind, entgegnete die Müllerin erregt. ſchwöre

Spart den Schwur, unterbrach Webed ſie mit ſchneidender Kälte,ſpäter werdet Ihr Gelegenheit finden, Euch durch einen Eid zu reinigen, wenn nicht Beweiſe entdeckt werden, die einen ſolchen Eid nicht mehr zulaſſen.

Er hatte, während er dies ſagte, raſch einen Ballen geöffnet.Seht Ihr, Seide, fuhr er fort; ich denke, der Beweis, daß dieſe Ballen geſchmuggelte Waaren enthalten, iſt zur Genüge geliefert. Auf welchem Wege die Ballen hieher gekommen ſind, wird Euer Verlobter uns wohl erklären können, ihm kann's doch nicht unbekannt ſein.

Rede, Hermann, bat die Wittwe,Dir glaube ich.

Habe ich nöthig, Dir zu ſagen, daß ich unſchul⸗ dig bin? entgegnete der junge Mann, tief empört über den Hohn des Grenzzjägers und doch auch beſorgt über die Folgen der unerwarteten Entdeckung.Am Abend unſerer Verlobung machte ich Dich darauf aufmerkſam, daß unſere Knechte elengn tten aus dem Ge⸗

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wölbe gekommen zu ſein, trotzdem ich deutlich bemerkte, daß ſie es verließen; ich äußerte gleichzeitig die Ver⸗ muthung, daß man dieſe Gewölbe ohne unſer

Ihr Euch nicht, ob dieſe Vermuthung begründet ſei? fiel Weber ihm in die Rede.

ZJeitung.

Ich

Ruft ſie, Frau Kramer, vielleicht können ſie uns die nöthige Aufklärung geben.

Hermann wollte ſich entfernen, der Gensd'arm vertrat ihm den Weg.

Nicht von der Stelle! rief der Grenzjäger. Euer Fluchtverſuch paßt ſchlecht zu der Erklärung, die Ihr vorhin gabt.

Ah, ich verſtehe, ſagte der junge Mann erbit⸗ tert,ich muß unter allen Umſtänden der Schuldige ſein! Wohlan, thut, was Ihr nicht laſſen könnt, aber noch einmal warne ich Euch vor dem Schritt, den Ihr zu thun entſchloſſen ſeid.

Das ſind Drohungen, welche bei den Gerichts⸗ verhandlungen ſchwer in die Waagſchale fallen könnten, erwiderte Weber;bedenkt, daß ich in dieſem Augen⸗ blick als Amtsperſon und im Namen des Königs vor Euch ſtehe. Ihr habt wahrhaftig keine Urſache, Euch zu beſchweren; die Beweiſe, die gegen Euch vorliegen, berechtigen mich nicht allein, ſie verpflichten mich ſogar, mit der ganzen Strenge des Geſetzes gegen Euch vor⸗ zuſchreiten.

Die Knechte waren Inzwiſchen eingetreten, der ſcharfe Blick des Grenzjägers erkannte ſofort die Schuldigen.

Ihr ſeht, welche Entdeckung hier gemacht worden iſt, wandte Weber ſich zu ihnen, indem er auf die Ballen zeigte;dieſer Mann leugnet, von der Nieder⸗ lage der geſchmuggelten Waaren Kenntniß gehaot zu haben, er behauptet, daß Ihr beide mit den Schy⸗

Llern im Bunde ſeiet

Mit welchem Rechte kann er's behaupten?

unterbrach einer der Knechte ihn.Wir ſind ſeit

Jahr und Tag nicht in dem Gewölbe geweſen. Aber er behauptet, noch vor einigen Tagen

merkt zu haben, daß Ihr das Gewölbe verließek. Das behaupte ich, ſagte Hermann;wenn ſie

leugnen wollen, was ich mit eignen Augen geſehen

Was wir nicht gethan haben, brauchen wir nicht

Wenn Ihr das vermuthetet, weshalb überz ſo beweiſt mir dies nur ihre Schuld. 3

Ich that es am nächſten Tage, fuhr Hermann fort,aber ich fand nichts, was meinen Verdacht be⸗ ſtätigte.

Wart Ihr auch in dieſem Raume 2

Ja.

Fiel Euch hier nichts auf?

Nein.

Na, dann wolltet Ihr nichts ſehen, nehmt mir's nicht übel; jeder Unbefangene würde hinter dieſe Fäſſer geblick haben, wie fiek⸗ mehr mußte dies eing Befangener thun! Wo ſind E. nechte?

In der Mühle.

ugnen, erwiderte der Knecht trotzig;es iſt leicht,

Andere zu verdächtigen und ſich ſelbſt rein zu waſchen. Wie die Ballen hieher gekommen ſind, wiſſen wir nicht,

wir wollen Niemand in's Unglück ſtürzen, wie gewiſſe

Leute es wohlathun macjt n, um ſicheſelbſt der Strafe zu entziehen.

Hermann war empört über dieſe Frechheit, hätte Anna ihn nicht zurückgehalten, ſo würde er den Knecht niedergeſchlagen haben.

Gemach, ſagte der Grenzjäger, deſſen lauern⸗ lick die Erregung des jungen Mannes nicht ent⸗ der Unſchuldige erwartet die Anklage mit

ruhiger Stirne, der Schuldige dagegen lehnt ſich wider

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