Jahrgang 
1-26 (1867)
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Dmitriew,diesmal jedoch ohne den Polizeiminiſter. Ob uns Jemand entgegen kam, welche Treppe wir hinaufſtiegen, daran erinnere ich mich nicht mehr. Nur weiß ich, daß wir ungefähr eine Viertelſtunde lang in einem kleinen Zimmer warten mußten, in Geſellſchaft von zwei bis drei Lakaien, welche dort mit den herrſchaftlichen Pelzen ſaßen. Hier ſah ich zum erſten Male den am früheren Hofe angeſtellt geweſenen Kammerjunker Th. W. Roſtoptſchin, jetzt in der Generaladju⸗ tanten⸗Uniform und mit der Würde eines Grafen bekleidet. Als er eilig an uns vorüberging, erkannte er mich und bezeigte mir ſeine Theilnahme in Bezug auf dieſen Vorfall. Bald trat auch der Polizeimeiſter ein und berief uns zum Kaiſer.

Derſelbe empfing uns wieder in dem früher beſchriebe⸗ nen Gemache, umgeben von ſeiner Generalität und den Oberofficieren. Er ſah uns mit freundlicher Miene an und ſagte zur Verſammlung, nachdem er uns unſeren Platz angewieſen:Mit Vergnügen erkläre ich Ihnen heute, meine Herren, daß ſich der Oberſt Dmitriew und Stabscapitän Lichatſchew, wie ich es vorausgeſetzt hatte, als vollſtändig unſchuldig erwieſen haben; die Verleumdung iſt entdeckt und der Schuldige dem Gerichte übergeben worden. Treten Sie näher, ſagte er zu uns,und laſſen Sie ſich küſſen.

Wir näherten uns ihm darauf zum Handkuſſe und er küßte uns auf die Wange.Ihn kenne ich nicht, fügte er hinzu, auf Lichatſchew deutend,aber Dein Name, Iwan Iwanowitſch, iſt mir immer noch im Gedächtniß. Ich könnte, glaube ich, ohne Fehler angeben, wie oft Du in der Admira⸗ lität zur Wache geweſen biſt. Wenn ich den Rapport erhielt, war er faſt immer⸗Dmitriew» oder ⸗Letzauo unterzeichnet.

Darauf lud uns der Kaiſer zur Mittagstafel und begab ſich dann mit ſeinem ganzen Gefolge in die Hofcapelle zur Litürgie.

So endete dieſer für mich ſehr merkwürdige Vorfall, und ſo beſtürzt ich auch im erſten Moment war, plötzlich der ganzen Reſidenz als Geſprächsgegenſtand zu dienen, ſo kam doch nie der Gedanke in mir auf, dem Kaiſer die Schuld daran zu geben; im Gegentheil fand ich ſein Verfahren voll⸗ kommen ritterlich und offenherzig. Ohne Zweifel hat er ſich bemüht, zu zeigen, daß er in keinem Falle im Geheimen und eigenmächtig wie ein aſiatiſcher Despot handele. Er wollte, daß die Urſache unſerer Gefangennehmung wie unſerer Be⸗ freiung allgemein bekannt werde. So urtheilte ich wenigſtens ſelbſt bei dieſem Vorfall und bewahrte mir daher auch im Augenblick der Prüfung meine alte Seelenruhe.

Durch dieſen Zufall machte Dmitriew raſch Carrière; bald erhielt er den Rang eines Staatsrathes und wurde zum Oberprocurator ernannt, obgleich er dies bei ſeinem geringen Ehrgeiz und ſeiner Liebe zu einem beſchaulichen Daſein eigent⸗ lich gar nicht gewünſcht hatte.Hier gefielen mir auch, erzählt er,weder der Beamten⸗Umgang, noch die zuvorkom⸗ menden Schmeicheleien, mit denen ich beehrt wurde und welche meiſt auf Eigennutz und Berechnung hinausliefen, denn der Egoismus ſteht hier in der vollſten Blüthe und die Art und Weiſe des Umgangs regelt ſich hier ſtets nach den augenblicklichen Verhältniſſen eines Jeden. Die Beamten gleichen vollſtändig koketten Schönen, denn Jeder bemüht ſich, ſeinen Chef ausſchließlich für ſich zu gewinnen, ſei es auch auf Koſten ſeines Nächſten. Keine Aufrichtigkeit bei allen Antworten, ſtets fiſcht man im Trüben, trägt bei jeder Klei⸗ nigkeit nach und denuncirt das geringſte unvorſichtig ge⸗ ſprochene Wort.

Veranlaßt durch dieſe Unannehmlichkeiten entſchloß ſich Dmitriew, ſeinen Abſchied zu nehmen und blieb ſechs Jahre

Novellen⸗Zeitung.

außer dem Staatsdienſt. 1806 ernannte ihn Kaiſer Alexan⸗ der I. zum Senator und bei Einführung der Reformen Sepe⸗ ransky's zum Juſtizminiſter. r.

Die Chinarinde und ihre Wichtigkeit.

Kaum giebt es ein allgemein gebräuchliches und ſowohl allopathiſch als homöopathiſch angewandtes Heilmittel, wel⸗ ches mit der Wichtigkeit der Chinarinde concurriren könnte, und doch iſt über daſſelbe dem großen Publicum nur Weniges bekannt. 8

Es ſind hauptſächlich peruaniſche Diſtricte, in welchen man dieſe Pflanzenkraft zuerſt kennen lernte, und noch immer gedeihet dort der ſchöne Baum, der ſo vielen tauſend Euro⸗ päern in fremden, für unſere Geſundheit tödtlichen Zonen das Leben gerettet hat, am vortheilhafteſten.

Die Chinchonas oder Chinarindenbäume wachſen, wenn ſie ſich eines guten Bodens und anderer günſtigen Verhält⸗ niſſe erfreuen, zu großen Waldbäumen empor. In höheren Lagen und wenn ſie gedrängt und auf ſteinigem Boden ſtehen, treiben ſie häufig ſehr hohe und zweigloſe Stämme, während ſie an den oberſten Linien ihres Gürtels nur noch als Ge⸗ ſträuche vorkommen. Die Blätter ſind von verſchiedener Ge⸗ ſtalt und Größe; die der vorzüglichſten Gattungen aber ſind lanzenförmig und haben eine glänzende hellgrüne, mit hoch⸗ rothen Adern durchzogene Oberfläche und Stiele von gleicher hochrother Farbe. Die Blumen ſind ſehr klein, bilden aber wie der ſpaniſche Flieder büſchelartige Rispen, gewöhnlich von dunkelroſenrother Farbe, etwas bleicher am Stengel, dunkel⸗ roth in der Röhre und mit weißen gekräuſelten Haaren an dem Saume der Blumenkrone. Die Blumen der Chinchona micrantha ſind ganz weiß und ſehr wohlriechend. Die äl⸗ teren Botaniker bezeichneten mit dem Namen Chinchona eine große Anzahl verwandter Arten, die ſeitdem geſchieden und unter andere Namen gruppirt worden ſind. Es giebt drei Merkzeichen, an welchen man eine ächte Chinchona jederzeit erkennen kann: die gekräuſelten Haare am Saume der Blu⸗ menkrone, das eigenthümliche Aufſpringen der Samenkapſel von unten nach oben und die kleinen Grübchen an den Ader⸗ winkeln auf der unteren Seite der Blätter. Dieſe Merkzei⸗ chen unterſcheiden die ächten Chinchona⸗Pflanzen von vielen anderen Bäumen, in deren Geſellſchaft man ſie findet und die man auf den erſten Blick für dieſelbe Gattung halten könnte. Der durch die Forſchungen der Chemie gelieferte Be⸗ weis, daß keine dieſer verwandten Arten irgend eines der me⸗ diciniſchen Alkaloide enthält, hat die Botaniker ſchließlich ver⸗ anlaßt, dieſelben von dem Genus Chinchona auszuſcheiden.

Die für den Handel werthvolleren Species(die jetzt ſämmtlich in Indien eingeführt ſind) beſchränken ſich auf eine geringe Zahl, die fünf verſchiedene mediciniſche Rinden: die rothe Rinde, die Kron⸗Rinde, die Karthagena⸗Rinde, die graue und die gelbe Rinde gewähren und auf fünf verſchie⸗ dene Gegenden Südamerika's vertheilt ſind.

Die Wurzeln, Blumen und die Samenkapſeln der Chin⸗ chona⸗Bäume haben einen bitteren Geſchmack mit toniſchen Eigenſchaften, aber nur die obere Rinde iſt derjenige Theil des Baumes, der commerciellen Werth hat. Die Baumrinde beſteht aus drei Schichten: der Epidermis, der Peridermis, der zelligen und der faſerigen Schicht, die aus ſechseckigen, mit harzigem Stoffe gefüllten Zellen und Holzfaſern beſtehen. Im Wachſen treibt der Baum die Rinde aus, und indem der äußere Theil zu wachſen aufhört, trennt er ſich in Schichten und bildet den todten Theil oder die Peridermis, welcher bei

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