Jahrgang 
1-26 (1867)
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Der Lord war ein Edelmann von ächt iriſchem Schlage, der unter den ſonderbarſten Gewohnheiten in völliger Zurück⸗ gezogenheit von der Welt lebte. Mehr berühmt als bekannt, hatte er in der Neuzeit Aufſehen erregt durch das hartnäckige Streben nach einer Würde, die ſeit langer Zeit in der Familie auf ſeine Perſon übergegangen war, und durch Mittheilung einiger höchſt wichtigen hiſtoriſchen Documente, die er der königlich iriſchen Akademie der Wiſſenſchaften mitgetheilt hatte. Seine Lordſchaft führte ganz das Leben eines Anna⸗ liſten der Vorzeit. Vergraben in der Vergangenheit, um die Gegenwart ſich wenig kümmernd, ſchien er die Welt vergeſſen zu haben, wie er ſelbſt von ihr vergeſſen war. Seine Ab⸗ neigung, ſich in der Oeffentlichkeit zu zeigen, war in der letzten Zeit noch größer geworden. Man ſchrieb die ſtrenge Abgeſchloſſenheit vom äußeren Weltverkehr einer ihm erſt kürzlich zugefügten Beſchimpfung zu, die öffentlich auf Befehl des Wappenheralds an ihm verübt war. Es wurde nänlich, obgleich ihm ſeine Anſprüche an die Pairswürde durch das Haus der Lords zugeſtanden waren, das Wappenſchild an der alten Staatskutſche, in der er ſich, wenn auch ſelten, doch früher, noch von Zeit zu Zeit in den Straßen von Dublin gezeigt hatte, öffentlich ausgelöſcht. Der Lord war angeklagt, einer der zurückgefallenen Papiſten zu ſein, und dies war hinreichend, eine ſo außerordentliche Maßregel zu recht⸗ fertigen.

Das grauſame Schickſal des alten Herrn wandte ihm die Herzen aller true Irishmen zu, die jetzt Mouny, die alte Haushälterin, und den alten Lord als Heilige und Märtyrer des Vaterlandes hoch verehrten und nicht unterließen, ihnen ihre Huldigungen darzubringen, wo immer die Gelegenheit dazu ſich darbot.

Die Geſchichte aber mag genügen, das Bild des alten Theils der Hauptſtadt zu vollenden. Um das Leben der dor⸗ tigen Haute⸗Volée und das glänzende Treiben am Hofe des Lord⸗Statthalters kennen zu lernen, braucht man nicht nach Dublin zu kommen. Es iſt denſelben Formen unterworfen wie überall, wo es eine hohe reiche Ariſtokratie neben einer Hofhaltung giebt, welche die ihr gebrachten Opfer zu würdigen verſteht, Es iſt nach den Jahreszeiten, nach Monaten und Wochen im Voraus beſtimmt und deshalb leicht zu berechnen.

Aber hätte man auch nie zuvor von iriſcher Geſchichte, vom Charakter des Volkes, von ſeinem Aberglauben und von ſeiner Anhänglichkeit an die alten Häuptlinge, von ſeiner Verachtung der Saſſenah⸗Engländer, von ſeinen ſtereotypen Gebräuchen gehört, ſo würde man das Alles und wohl Vieles, an das man noch niemals gedacht hat, in Dublins altem Stadttheile kennen lernen. Den beſten Ueberblick vom Ganzen erhält man in St. Patriks Cloſe, eine Gegend, wie etwa die Ciaja am Meeresſtrande von Neapel, oder die Barita in Palermo, wo ſich vor den Augen des Beſchauers Volks⸗ bilder entwickeln, die, von den primitiven Zuſtänden der Iren Zeugniß gebend, ſchwerlich je wieder vergeſſen werden.

Sobald mit dem Neigen der Sonne der Feierabend kommt, den die Irländer, gleich den Völkern des Südens, möglichſt zu verfrühen bemüht ſind, nimmt St. Patriks Cloſe, am Tage vereinſamt und öde, bis auf die zahlloſen Händler, deren die Armuth nicht entbehren kann, eine andere Geſtalt an. Die kleinen Plätze und Gaſſen werden lebendig, die niedrigen Häuſer entleeren ſich; nach Luft, nach Verkehr und nach einiger Freude ſich ſehnend, deren der mühevolle Tag ihnenkeinegebracht, ſtrömt Alles nach den kleinen Plätzen in St. Patriks geſeg⸗ netem Revier. Jung und Alt bilden ſich in Gruppen: die Jugend, um zuſingen und zu tanzen; die Alten, um bei einem

Novellen⸗Jeitung.

Whiskypunſch der Harfe von Erie zu horchen, unter deren Begleitung ein weißhaariger Barde die Elegie auf einen in Irlands grauer Vorzeit gefallenen Stern nicht ohne Erfolg zu improviſiren verſteht. Auf einem geebneten Platze, wenn dazu, zumal an einem Sonnabend, die räuchrigen Schänken den Raum nicht mehr gewähren, wiegen ſich bald ſchmucke Paare, obgleich in etwas ſehr defecter Garderobe, doch anmu⸗ thig im Reel, dem beliebten Nationaltanze, der in ſeinen Bewegungen dem ſpaniſchen Fandango, und mehr noch, wenn durch Leidenſchaft gehoben, der ſüditaliſchen Saltarella ähnelt. Wäre es nicht der Dudelſack, der hier die Pas der Tanzenden regelt, ſtatt der im Süden üblichen Mandoline unter Beglei⸗ tung der Caſtagnetten, man würde ſich bei dem Anblick der wirklich graziöſen Bewegungen eher im Lande der Orangen als auf dem Boden zu befinden glauben, deſſen Bewohner ſich glücklich fühlen, wenn es nur an Haferbrod und Kartoffeln kein Mangel iſt. Es dauert nicht lange, und der Platz iſt ringsum von einem eigenthümlichen Dufte erfüllt. Er rührt von dem in zahlloſen Pfannen gebratenen Heringen, die vom gemeinen Irländer ſo leidenſchaftlich geliebt werden, wie Bacalao-Stockfiſch in Oél gebraten und Macaroni vom Neapolitaner. Pat iſt überglücklich, wenn er ſich einen dieſer kleinen billigen ſtarkgeſalzenen Fiſche kaufen kann, die gekochten, lange abgekühlten Kartoffeln trägt er bei ſich in einer ſeiner Rocktaſchen. Limönade, Orgeade, allerminde⸗ ſtens Eiswaſſer, Erfriſchungen, wie ſie die Beaus im Süden ſich angelegen ſein laſſen, ihren Huldinnen zu präſentiren, werden den Tänzerinnen in St. Patriks Cloſe von ihren Partnern nicht gereicht. Irlands Clima verlangt andere Erquickung! Ein Tropfen Whiskey iſt es, nach dem die Schönen auf dieſen bals champetres lechzen, und dieſes Sehnen wird geſteigert, je mehr bei zunehmender Nacht die Nebel vom nahen Liffey den Tanzplatz umſchleiern. Und ſo ſchön uns manche dieſer iriſchen Mädchen aus dem Volke, mitunter prächtige, wahrhaft junoniſche Geſtalten, in den erſten Anfängen des Routs erſchienen waren, ſo melancho⸗ liſch war der Anblick, den Einzelne derſelben gegen das Ende deſſelben darboten. Mehr als einmal kann es ſich bei ſolchen Gelegenheiten ereignen, daß ein junges Mädchen, bei ihrem erſten Auftreten prangend wie eine eben erſchloſſene Roſe, nach einigen Stunden in Folge des Whiskeys bleich wie der Tod, ſchwankend wie ein vom Sturm erfaßtes Boot, am Arme des Geliebten oder eines mitleidigen Bruders den Schauplatz übergroßer Freude verlaſſen muß. Um Mitter⸗ nacht hat der Taumel faſt Alle ergriffen. Der an ſich lebhafte Irländer fühlt ſich durch das Feuer des Whiskey zu Thaten angeregt. Er ſucht nach einer Gelegenheit, die Kraft ſeines Schiletah zu prüfen, und er hat ſie bald gefunden, indem ihm ein rieſiger Grenadier der Kereymiliz, als Rival in ſeiner Liebe zu Peggy, der ſchönen Nachbarstochter, heraus⸗ fordernd entgegentritt. In der Barita von Palermo würde ein Dolch das Herz des Feindes geſucht haben. In St. Patriks Cloſe fällt nur der ſchwer mit Eiſen beſchlagene Stock auf das Kappi des Milizers. Er taumelt nur, ſinkt unter dem gewaltigen Schlage in die Kniee, aber er lebt, und erhebt ſich unter dem ringsum ertönenden Rufeall is right, all fair! Alles war recht, ging Alles in Ordnung zu. Und eine einzelne Stentorſtimme die Donnerſtimme eines Bootsmannes erſchallt; die Anderen verſtummen:Shame hands countrymen, all was right, no other fighting! better

let us have un other drop! Reicht Euch die Hände, Lands⸗

leute, Alles ging in Ordnung zu, kein neuer Kampf, laßt uns dafür noch einen Tropfen nehmen! Pat ſenkt den Schi⸗

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