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ſelben Woche in den Dienſt des verſtorbenen Müllers. Man hat nach dem Tode meines Mannes geglaubt, ich werde die Mühle verkaufen oder verpachten; wenn ich nun das Letztere thun wollte, Hermann, würdet Ihr geneigt ſein, die Mühle zu übernehmen?“
Der junge Mann blickte befremdet auf.„Ihr wollt wirklich die Mühle verlaſſen?“ fragte er.
„Das habe ich noch nicht behauptet.“
„Aber Ihr ſagtet doch—“
„Ich fragte Euch, ob Ihr die Mühle übernehmen möchtet, wenn ich ſie abtreten wolle.“
Hermann ſchüttelte mißbilligend den Kopf.„Wenn Ihr den Entſchluß gefaßt habt, laßt ihn fallen,“ ſagte er,„Ihr ſeid an ein thätiges Leben gewöhnt und venn es auch eben keine angenehmen Erinnerungen N die an dieſes Haus für Euch ſich knüpfen, ſo
laßfss ich doch, daß es Euch gereuen würde, es ver⸗
u haben.“
„In dagegen erhaltet dadurch eine Heimath.“ AMerd. Sale ich die Mittel, Euren Vorſchlag anzu⸗ nehmen, weß. ich dies wollte? Ich bin ein armer Knecht, meine geringen Erſparniſſe ſind nicht der Rede werth. Wenn ich die Mittel hätte, ſo—“
„Würdet Ihr ſchon längſt mich verlaſſen und Euch 124 Vne dauernden Heimath umgeſchaut haben?“ ſch. er ich würde nicht geduldet haben, daß Euch beläſtigten, die doch nur Eures wegen kamen.“ In den dunklen Augen der Mullerin blitzte es freudig auf, ſie trat dem jungen Manne näher.
„Wodurch hättet Ihr's verhindern wollen?“ fragte ſie.„Ich könnte Niemandem verbieten, um meine Hand zu werben, Jeder hat das Recht dazu, hört Ihr, Jeder!“
Sie wollte nach dieſen Worten raſch die Stube verlaſſen, Hermann vertrat ihr den Weg.
„Erlaubt,“ entgegnete er,„nur noch wenige Worte möchte ich mit Euch reden. Die Sache iſt nun ein— mal zur Sprache gekommen und es muß endlich klar werden zwiſchen uns, dieſes Hangen und Bangen er⸗ trage ich nicht länger. Ihr habt mir zu verſtehen ge⸗ geben, daß Ihr dieſes Haus verlaſſen wollet, erklärt
mir ohne Rückhalt, ob es Euer feſter Entſchluß iſt.“
„Ah, ſeht Ihr, wenn's darauf ankommt, übernehmt Ihr die Mühle gern,“ ſagte Anna.
„Deshalb frage ich nicht, der Gedanke daran leegt mir fern,“ fuhr Hermann fort, der ſeine Erregung richt mehr verbergen konnte.„Ich möchte aber Ge⸗ wißheit haben, damit ich mich rechtzeitig nach einer andern Stelle umſchauen könnte, denn hier bleibe ich
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Geldes
Vierte Solge.
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„Und weshalb nicht?“ fragte die Müllerin, unwill⸗ kürlich die Wimpern ſenkend.
„Ich will frei und offen reden und nachher mein Bündel ſchnüren, wenn Ihr's verlangt, es iſt ja beſſer, daß man ohne Rückhalt ſeine Gründe nennt. Damals, als der alte Müller um Eure Hand warb und Ihr ſie ihm zuſagtet, war's mir, als ob ich nun auf mein ganzes Lebensglück verzichten müſſe, ich fühlte in jenem Augenblick, daß ich Euch liebte, und ich hatte doch nicht den Muth, es Euch zu geſtehen. Auch wußte ich ja nicht, ob ich hoffen durfte, daß meine Liebe erwidert werde und Ihr hattet nun einmal dem alten Manne Eure Zuſage gegeben, weshalb alſo ſollte ich das Ge⸗ heimniß offenbaren, welches ich tief im innerſten Herzen barg? Ich dachte, Ihr würdet nun glücklich werden, und wenn ich auch auf der einen Seite dem Müller Euren Beſitz nicht gönnte, ſo empfand ich doch auf der andern Seite eine gewiſſe Genugthuung bei dem Gedanken, daß Ihr durch dieſe Heirath ein Glück gewannt, welches ich Euch nicht bieten konnte. Ich wollte die Mühle verlaſſen, in die Fremde hinaus⸗ wandern und Euch zu vergeſſen ſuchen. Aber ſo oft ich mir auch vornahm, dieſen Entſchluß auszuführen, es war mir nicht möglich, dies zu thun, ich konnte Euren Anblick nicht mehr entbehren; zudem mußte ich bemerken, daß Ihr an der Seite Eures Mannes nicht glücklich wart und da dachte ich, die Zeit könne kommen, daß Ihr des Rathes und Schutzes eines Freundes bedürftet. Ich blieb, ich knirſchte in ohn⸗ mächtiger Wuth über die Demüthigungen, die Euer Mann—“
„Schweigt davon, ich bitte Euch,“ flüſterte Anna,
deren Wangen Purpurgluth übergoß,„ich habe jene Demüthigungen ſchweigend ertragen; nun mein Gatte todt iſt, dürfen wir ihrer nicht mehr gedenken.“ „Als Euer Gatte ſtarb, gab ich abermals meinen Hoffnungen mich hin,“ fuhr Hermann fort,„aber es war nur ein kurzer Traum. Ich ſah wohl ein, daß ich zu Euch, der reichen Müllerin, den Blick nicht erheben durfte, und dennoch konnte ich mich auch jetzt noch nicht entſchließen, Euch zu verlaſſen. Ich ſah die Freier kommen und gehen, mich ſelbſt hielt eine Macht hier feſtgebannt, eine Macht, der ich nicht widerſtehen konnte. Gar manche Nacht habe ich ſchlaflos verbracht, gar manchen Tag meinen Wünſchen und Hoffnungen nachgehangen, aber ſo oft ich mich auch fragen mochte, ob ich auf Erfüllung meiner Wünſche hoffen dürfe, ſtets fand ich nur die eine Ant⸗ wort, daß es Thorheit ſei, ſolche Hoffnung zu hegen. Nun wißt Ihr, was mich hielt und was mich forttreit
ſicht, wenn Ihr auszieht.“
Anna, zürnt mir nicht, daß ich gewagt habe, den zu Euch zu erheben.“.


