226 Novellen⸗Zeitung.
Einer befand ſich unter all' denen, die ihr den Hof„Ihr ſeid ja gewaltig verſtimmt,“ gagte der machten, der ſich rühmen konnte, durch einen freund⸗ Wirth, während er den Bierkrug vor ſeine Gaſt auf
lichen Blick oder ein aufmunterndes Lächeln belohnt den Tiſch ſtellte;„wart wohl wieder einmal in der
Mühle, he?“ „Was kümmert's Euch!“ fuhr Weber auf.„Glaubt zog ſich allmälig von ihr zurück. Ihr, ich werde mir der Wittwe wegen graue Haare Nur Einer, der Grenzjäger Anton Weber, ließ wachſen laſſen? Wenn ich nur ernſtlich will, wird ſie ſich durch die Kälte und das mitunter unfreundliche ſchon Ja und Amen ſagen, aber mir hat's vorläufig Weſen Anna's nicht zurückſchrecken; er hatte öffentlich V noch Zeit.“ 4 in der Schenke erklärt, er werde die Müllerin heim⸗„Oho!“ rief ein Pächtersſohn, den dieſe ſtolze, führen, ehe ein Jahr verſtrichen ſei und dieſe Erklä— ſelbſtbewußte Sprache gewaltig reizte.„Ihr thut ja, rung, die ſeinen Freunden und Bekannten reichen Stoff als ob die Müllerin Gott danken müſſe, daß Ihr ſie 1 zu beißenden Bemerkungen gab, erlaubte ihm nicht, werth haltet, Eure Hausfrau zu werden. Ich wieder⸗ auf halbem Wege ſtehen zu bleiben.
hole Euch, was ich ſchon vor einigen Wochen Euch Der Grenzzjäger war ein hübſcher Mann, weshalb geſagt habe, Ihr werdet die Wittwe nicht heimführen.“ ſollte es ihm nicht gelingen, die Gunſt Anna's zu er⸗
„Ihr gedenkt wohl, mich bei ihr aus dem Sattel werben? Gar manche Pächterstochter hatte ihr Auge zu heben?“ fragte der Grenzjäger im Tone beißenden— auf ihn geworfen; wenn er wählen wollte, ſo konnte Hohnes. er binnen vier Wochen in den Hafen der Ehe ein⸗„Das nicht, aber ein Andrer wird's thun, wen laufen, trotzdem er bei den Bauern ſelbſt ſeiner Strenge es nicht ſchon geſchehen iſt.“„ und ſeines jähzornigen Temperaments wegen nicht be⸗ Der Wirth nickte beiſtimmend.„Schulz hat Recht,“ liebt war. Anton Weber wußte dies ſehr wohl, aber ſagte er,„ich rathe Euch, bei Zeiten zurückzutreten, er gab der Müllerin den Vorzug, weil ſie reich und wenn Ihr Euch nicht der Gefahr ausſetzen wollt—“ Herrin über ihr Vermögen war. Seine Bemühungen„Bleibt mir mit Eurem guten Rath vom Leibe!“ blieben ohne Erfolg, Anna ward dem unermüdlichen, V unterbrach Weber ihn rauh.„Ich habe ihn nicht zähen Werber gegenüber ſtets ſchroffer und unfreund⸗ verlangt, ſpart Euch die Mühe, mir ihn aufzudringen. licher und als der Grenzjäger trotz dieſen unzweideu- Ein Andrer wird mich aus dem Sattel heben, ſagte tigen Beweiſen der Ungunſt ſeine Beſuche noch Ihr? So viel ich weiß, hat die Müllerin bis jetzt immer nicht einſtellte, erklärte die Müllerin ihm ge⸗ Jedem einen Korb gegeben, außer mir. Ihr habt Euch radezu, wenn er ihr einen Gefallen erzeigen wolle, ſo ja auch einen Korb geholt, Schulz?“ möge er ſie fortan verſchonen, ſie fühle ſich an ihrem V Dem jungen Bauer ſchoß das Blut in die Wangen, eignen Herde nicht mehr heimiſch, ſeitdem der Grenz⸗ aber er bezwang ſich.„Und wenn dem ſo wäre, habt jäger mit ſeinen täglichen Beſuchen ihr läſtig falle. Ihr deshalb das Recht, mir einen Vorwurf zu machen?“ Das war den ſtolzen, ſelbſtſüchtigen Manne noch nicht entgegnete er.„Ich bin der Erſte nicht, der einen geboten worden! Wenn er auch nicht beliebt war, Korb bekommen hat und Ihr werdet auch nicht der wenn man auch lieber ihm auf den Rücken, als in's Letzte ſein. Wenn Ihr nicht den Korb fürchtetet, Geſicht blickte, bisher hatte noch Niemand gewagt, würdet Ihr längſt Eure Werbung angebracht haben 4 ihm ſein Haus zu verbieten. Und nun ſollte er ſich„Könnt Ihr's nicht abwarten?“ höhnte der Grenz⸗ dies von einer Frau gefallen laſſen und dazu von der jäger, deſſen glühender Blick durchbohrend auf dem Frau, deren Hand er gewinnen mußte, wenn er ſich jungen Bauer ruhte.„Ich gebe Euch mein Wort nicht dem Haſſe und Spott der Bauern ausſetzen wollte? darauf, binnen Jahresfriſt iſt die Müllerin mein Nimmermehr! Der Grenzjäger war feſt entſchloſſen, V Weib!“ nicht nachzulaſſen und jedes Mittel zu benutzen,„Seid doch nicht gar ſo eitel und hochmüthig!“ durch welches er ſein Ziel erreichen konnte. er Schulz ihm gelaſſen in's Wort;„Euer Verſprechen Trotzig wandte er der Müllerin den Rücken, mit V wird Euch gereuen. Glaubt doch nicht, daß Ihr die einem Lächeln des Hohns auf den Lippen verließ er Müllerin zwingen könnt, Euch zum Altar zu folgen, die Mühle, um in der Dorfſchenke beim Bierglaſe zumal ſie ſchon längſt ihr Herz einem Andern geſchenkt ſeine Pläne zu entwerfen. hat.“ Es war ein rauher, ſtürmiſcher Herbſtabend, das Der Grenzjäger blickte betroffen auf.„Das iſt unfreundliche Wetter paßte vortrefflich zu der Gemüths⸗ eine Lüge!“ rief er.„Wäre es die Wahrheit, würdet ſtimmung des Grenzjägers, der, als er in die Schenkſtube Ihr nicht hinter dem Berge halten und Namen nennen; trat, die anweſenden Gaͤſte kaum eines Grußes würdigte. ſo lange Ihr dies nicht thut, nehme ich an, 5 34.
worden zu ſein.. Man zuckte die Achſeln, nannte ſie ſtolz und
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