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Vierte Folge.
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Erſcheint regelmäßig
jeden Freitag. Le ip zig, um
V. Jahrgang.
Eine Tochenchronik für Jiteratur, Kunst, ſchöne Miſſſenſchaſten undl Geſellſchaft.
Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.
12. April 1867.
Die Müllerin.
Novelle* von
Ewald Auguſt König.
Der alte Müller war geſtorben und beerdigt, aber ſeine junge Wittwe dachte nicht daran, die Mühle zu verlaſſen. Sie hätte es gekonnt, denn das Vermögen,
welches der Gatte ihr hinterließ, reichte hin, ſie vor jeder Sorge ſicher zu ſtellen und man glaubte auch all⸗
gemein, daß ſie nun die Mühle verkaufen und entweder
und Entſagungen jeder Art reich geſegneten Ehe des Lebens Annehmlichkeiten zu genießen, Dies geſchah nicht; den Kaufluſtigen, die voreilig ſich meldeten, er⸗
klärte Anna mit dürren Worten, ſie werde keinen
Stein von ihrem Eigenthum verkaufen, vielmehr ge⸗ denke ſie, einſt ihr Leben in der Mühle zu beſchließen. 67 hie jungen Burſchen vernahmen dieſe Erklärung
ine kleine Stadt ziehen
mit Befriedigung, ſie ließ ihnen die Hoffnung, die Mühle ſammt der jungen, ſchönen Müllerin zu ge⸗ winnen und gar Viele waren unter ihnen, die ernſtlich dieſe Hoffnung hegten. V Anna war noch vor zwei Jahren eine arme Magd V geweſen, die Niemand beachtete, an der die Söhne der vermögenden Pächter und Gutsbeſitzer vorbeiſchritten, ohne ſie eines Blickes zu würdigen, und es erregte kein geringes Aufſehen, als man erfuhr, daß der alte, reiche Müller dieſe Magd zu ſeiner Hausfrau erkoren und Anna die Werbung angenommen habe. Abraham Kramer war ein mürriſcher, gichtbrüchi— ger Mann, ein geiziger Filz, der Anna nur deshalb geheirathet hatte, weil er Ueberzeugung hegte, daß ſie ihm eine tüchtige und ſparſame Hausfrau ſein werde und der durch dieſe Heirath ſich nun auch berechtigt
glaubte, ſeiner Hausfrau das Leben ſauer zu machen.
Die Magd hatte Niemand beachtet, die ſchöne Müllerin ſah ſich von den jungen Burſchen verfolgt. Aber Anna vergaß ihnen den Stolz nicht, mit dem
ſie früher an ihr vorbeigegangen waren,—


