Jahrgang 
1-26 (1867)
Einzelbild herunterladen

liche Unordnungen in ihrem Körper. Trotzdem lebte ſie wäh⸗ rend fünf Regierungen, bekam, als ſie 83 Jahr alt war, noch zwei neue Zähne und ſtarb im Alter von 116 Jahren.

Eine andere außerordentliche Frau, deren Abenteuer uns in dieſem Buche erzählt werden, war Hannah Snell, die ſich böswillig von ihrem Manne verlaſſen ſah und die den Entſchluß faßte, ihn aufzuſuchen, und zu dieſem Zweck in ein Regiment als Soldat eintrat. Als ſie eines Vergehens ange⸗ klagt wurde, ertrug ſie lieber 500 Hiebe, als ihr Geſchlecht zu entdecken. Einige Zeit nachher deſertirte ſie und ging in Portsmouth als Mitroſe an Bord des Swallow, der eben nach Oſtindien abſegelte. Beider Belagerung von Pondichery empfing ſie ſechs Schüſſe in den rechten und fünfin den linken Schenkel und außerdem noch eine gefährliche Wunde in ihrem Körper. Sie fand ihren Mann nicht, wohl aber erfuhr ſie, als ſie nach England zurückkehrte, daß derſelbe in Genua wegen eines Mords hingerichtet worden ſei. In England ging Hannah eine kurze Zeit auf die Bühne und ſpäter über⸗ nahm ſie ein Wirthshaus. Ihr excentriſches Weſen wurde Wahnſinn und ſie ſtarb als Tolle in dem Bedlam⸗Hospital.

Das intereſſanteſte Capitel in dem Werke beſchäftigt ſich mit den Men of letters, denn natürlich liefern die Ge⸗ lehrten auch ihren reichen Beitrag zu den excentriſchen Köpfen. Wir wollen ſchließlich einige Anekdoten von Porſon, dem ausgezeichnetſten Kenner der griechiſchen Sprache, hier noch mittheilen. 3

Porſon war ein ſehr witziger Mann, dem es nie an einer ſchlagenden Antwort fehlte. Ein Gentleman, mit dem er disputirt hatte, ſagte einſt zu ihm:Doctor Porſon, meine Meinung von Ihnen iſt ſehr verächtlich.Sir, entgegnete Porſon ſogleich,ich kannte von Ihnen nie eine Meinung, die nicht verächtlich geweſen wäre.

Gillies, der Geſchichtsſchreiber Griechenlands, und Porſon trafen einander dann und wann, und dann entſpann ſich zwiſchen ihnen ſtets ein literariſcher Streit. Porſon war von Beiden bei weitem der Gelehrteſte. Gillies ſprach eines Tages mit ihm von den griechiſchen Trauerſpielen und Pindar's Oden und ſagte dabei mit beſonderer Betonung: Wir wiſſen nichts von den griechiſchen Versmaßen. Por⸗ ſon antwortete hierauf:Doctor, wenn Sie Ihre Behaup⸗ tung anſtatt im Plural im Singular ausdrücken, dann glaube ich, daß ſie vollkommen richtig ſein wird.

Porſon war einſt zu einem Diner eingeladen, wo unter Andern auch die Rede auf den Capitain Cook und deſſen be⸗ rühmte Reiſen um die Erde kam. Eine ſehr unwiſſende Perſon, welche doch auch ihren Beitrag zur allgemeinen Unter⸗ haltung beitragen wollte, fragte ihn:Sir, wurde denn Cook auf ſeiner erſten Reiſe um die Erde ermordet? worauf Porſon ihm antwortete:Ich glaube es, aber er ſcheint ſich nichts varaus gemacht zu haben, denn er unternahm ſofort ſeine zweite Reiſe um die Erde.

Die Hauptwaffe Porſon's war Ironie, obſchon er ſehr ſarcaſtiſch ſein konnte, wenn er dazu Luſt hatte. So ſagte er z. B. von dem Biſchof Tomline in Lincoln, dem ein reicher Mann, der den Biſchof nur einmal geſehen hatte, ein großes Legat vermachte:Hätte er ihn zweimal geſehen, ſo hätte der Biſchof nichts bekommen.

Ebenſo nannte er den Biſchof Porteus nur den Biſchof Proteus, weil er ſeine freiſinnigen Geſinnungen mit reactio⸗ nären vertauſcht hatte.

Den Schluß unſrer Mittheilung mag die folgende Anek⸗

Novellen⸗

dote bilden. In den guten alten Tagen, wo man noch in dem Poſt⸗

Zeitung.

wagen reiſete, ſaßen in dem innern Raum einer ſolchen Land⸗ kutſche zwei Damen, Porſon und ein junger Mann, der erſt kürzlich die Univerſität Oxford verlaſſen hatte und der die Damen mit vielen Erzählungen und unter Anderm auch durch ein Citat aus Sophokles' Schriften zu unterhalten ſuchte. Ein griechiſches Citat und überdies in einer Landkutſche er⸗

munterte den ſchlummernden Profeſſor, der dadurch in ſeiner.

hübſchen Ecke des Wagens ſofort erwachte, die Ohren aus⸗ reckte, ſich die Augen rieb und ſagte:Ich glaube, junger Gentleman, Sie erfreuten uns ſoeben durch ein Citat aus Sophokles; ich kann mich nicht erinnern, daß es ſich darin findet.

O, Sir, antwortete der Oxforder,das Citat iſt Wort für Wort ſo, wie ich es wiederholt habe, und auch im Sophokles, aber ich vermuthe, Sir, daß ſchon geraume Zeit verfloſſen iſt, ſeitdem Sie die Univerſität verlaſſen haben. Der Profeſſor griff mit ſeiner Hand nach ſeinem Ueberzieher, zog daraus eine kleine Taſchenausgabe des Sophokles und fragte den jungen Mann ganz ruhig, ob er ſo freundlich ſein wolle, ihm die fragliche Stelle in dieſem kleinen Buch zu zeigen. Nachdem derſelbe einige Zeit darin geblättert hatte, erwiderte er:Bei reiflicherem Nachdenken erinnere ich mich, daß die Stelle ſich im Euripides findet.Vielleicht, Sir, ſagte der Profeſſor, der wieder in ſeine Rocktaſche griff und ihm eine ähnliche Ausgabe des Euripides reichte,werden Sie dann ſo gefällig ſein, mir dieſe Stelle in dieſem kleinen Buch zu ſuchen. Der junge Oxforder begab ſich wieder an die Arbeit, aber mit keinem beſſern Erfolg, während er für ſich murmelte:Ich will verdammt ſein, wenn ich je wieder Griechiſch in einer Landkutſche citire. Das Kichern der Damen zeigte ihm, daß er ſich in ihren Augen ziemlich lächer⸗ lich gemacht habe. Zuletzt ſagte er:Zum Kuckuk, wie einfältig bin ich doch! Jetzt erinnere ich mich ja, ja, ich erinnere mich ganz beſtimmt, die Stelle findet ſich im Aeſchy⸗ lus. Als der Profeſſor hierauf von neuem nach ſeiner Taſche griff, ſchrie der junge Mann ganz erſchrocken:Kut⸗ ſcher, halt hallo, Kutſcher, laßt mich heraus, augenblicklich! Hier iſt ein Mann, der die ganze Bodleyaniſche Bibliothek in ſeiner Taſche hat. Laſſen Sie mich heraus, ſage ich, laſſen Sie mich heraus, es kann nur Porſon oder der Teufel ſein.

Ein Hausmittel gegen Hausdiebe.

Schon vor ungefähr hundertundfünfzig Jahren erfano ein gewiſſer ſich mit vermeintlichen Zauberkünſten abgebender Franzoſe Laviné ein ſolches, welches unter Umſtänden, trotz ſeiner Einfachheit, mehr als die raffinirteſte Polizei leiſten kann. Wir wollen daſſelbe hier mit den Worten eines gleich⸗ zeitigen Memoirenſchreibers wiedergeben..

Eines Tages hatte ein Kaufmann von Marſeille ver⸗ geſſen, zwanzig Louisd'or in ſeiner Caſſe zu verſchließen, welche in ſeinem Comptoir auf ſeinem Pulte liegen geblieben und verſchwunden waren. Nafchdem dieſer Kaufmann alle möglichen Nachforſchungen, um ſeine 20 Louisd'or wieder zu bekommen, vergeblich angeſtellt hatte, wendete er ſich an meinen verſchmitzten Bekannten und Zauberer Laviné, welcher ihn verſicherte, daß er ihm ſeine 20 Louisd'or, und wenn ſie auch in der Hölle wären, wieder verſchaffen würde. Er wird mit ihm um einen Louisd'or Handels einig und bittet den Kaufmann, ihm eine Liſte von allen den Perſonen zu geben, welche zu ſeiner Familie und Dienerſchaft gehörten. Dies geſchah. Er befahl ferner, daß alle die Perſonen ſich am

1

folgende einfinde dies geſ Kaufma Hahn u er füͤr

alle Leu jaht hat kommen Laviné hen, ſo Stimme einige 6 theilte e viſſe, d Er weid wächer ſchtecen

es d Dies hinter Dunkel Hahnes ſtellte,

ſich befa Namen, gehen

an ſan Zauber

des Die Ach

ne Fl

G

den D fühlte, eingeſt verhind Hand! der Du Lavine ihnen, den He Ausnal hahne dieſe J

Laviné