Jahrgang 
1-26 (1867)
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Pierte Folge.

Nollekens heirathete die Tochter des Herrn Welch. Sie war eben ſo geizig wie ihr Gatte. Eine alte, arme Frau, welcher ſie erlaubte, an der Ecke ihres Hauſes zu ſitzen und

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gebraucht. Nun ereignete es ſich ſtets, daß es an Muscat⸗ nüſſen fehlte, wenn eine zweite Bowle Necos gemacht werden ſollte. Da man oft bemerkt hatte, daß Nollekens ſie heimlich

dort Obſt feil zu halten, wollte ſie zwingen, ihr anſtatt drei in ſeine Taſche ſteckte, ſo verlangte der Bildhauer Roſſi eines vier Aepfel zu geben, um davon einen Kloß zu machen, indem Tages, Nollekens ſolle unter den Tiſch ſehen, ob die Mus⸗

ſie ſagte:Da iſt mein Mann, ich und zwei Diener und von

uns muß jedes ein Stück haben. Wenn ſie nach Oxford zu Markte ging und dort die Straße durchſtrich, um die billigſten Läden zu entdecken, ſo ging ſie mehrmals durch die Straßen, um ihrem Hunde Cerberus die Gelegenheit zu geben, ſich an Brocken und Knochen zu ſättigen.

Nollekens' Büſte des Doctor Johnſon iſt wundervoll ſchön und ſehr ähnlich, nur das Haar iſt zu tadeln, da der

Bildhauer es nach dem ſtraubigen Haar eines frechen iriſchen

Bettlers modellirte, welcher, nachdem er eine Stunde geſeſſen hatte, verweigerte, einen Schilling zu nehmen, indem er angab, mit Betteln könne er in der Zeit mehr verdienen. Nollekens' Haushaltung war ein Muſter der Sparſam⸗ keit. Mit den Steinkohlen ging er ſo ſparſam um, daß ſie immer des Morgens vor dem Beginn der Arbeit geſchickt werden mußten, damit er Zeit hatte, ehe ſeine Arbeiter ſich einfanden, die Säcke zu zählen und die großen Stücke Kohlen zum Gebrauch in dem Beſuchzimmer auszuſondern. Kerzen wurden bei dem Eintritt der Nacht nie angezündet, und wenn Jemand an der Hausthür klopfte, ſo warteten ſie, bis das olopfen wiederholt wurde, weil ja ein Straßenbube geklopft aͤben konnte und dann hätten ſie ihr Licht nutzlos verſchwen⸗ eet. Herr und Frau Nollekens bedienten ſich einer gewöhnlichen Talgkerze, wenn ſie des Abends etwas arbeiten wollten, und ſeinem Biographen J. T. Smith wurde verſichert, ein paar ſtarke Wachskerzen, die nur angezündet, wurden, ſo lange Geſellſchaft da war, hätten ein ganzes Jahr gereicht.

Ehe Nollekens ſich verheirathete, hielt er nur eine Magd,

die ſich jedesmal, wenn ſie etwas für die nächſte Mahlzeit kaufen wollte, von ihm das Geld dazu geben laſſen mußte. Da er der Magd Koſtgeld für ihre Perſon gab, ſo glaubte er, bei dieſer Verfahrungsart nicht ſo leicht von ihr betrogen werden zu können, beſonders da er ihr nie mehr Geld gab, als nothwendig war, um das Erforderliche für ſein dürftiges Mahl einzukaufen, womit er ſich dann zu behelfen ſuchte. Er verſtand ſehr liſtig, ſich kleine Geſchenke zu verſchaffen und häufig beklagte er ſich bei denen, die Johannisbeerſaft machten, über Schmerzen in ſeinem Halſe.

Smith, der Gewürzkrämer in der Margaretſtraße, erzählte oft, wenn Frau Nollekens in dem Laden ſeines Vaters Thee und Zucker gekauft, habe ſie jedesmal, wenn ſie fortgehen wollte, entweder um eine Gewürznelke oder um ein wenig Zimmt gebeten, um ſich damit einen unangenehmen Geſchmack im Munde vertreiben zu können, aber man habe nie geſehen, daß ſie davon den angegebenen Gebrauch gemacht habe. In dieſer Art und mit den Muscatnüſſen, welche Nollekens bei den Diners in der Akademie heimlich eingeſteckt habe, ſei es ihr immer gelungen, ohne die geringſten Koſten die Gewürz⸗ büchſe der Familie zu füllen.

Viele Jahre lang war Nollekens ein Stammgaſt an der Tafel des Royal Academy Club und es lag ihm ſo viel daran, Alles, was er heimlich verbergen konnte, an ſich zu nehmen, daß er willig ſeinen jährlichen Beitrag von zwei Guineen Eintrittsgeld bezahlte, um nur einige Muscatnüſſe heimlich in ſeine Taſche ſtecken zu können; denn da Necos aus rothem

Wein das Hauptgetränk war, ſo wurden immer Muscatnüſſe

catnüſſe vielleicht dahin gefallen ſeien, worauf er wirklich auf Händen und Knieen unter den Tiſch kroch, um angeblich da⸗ nach zu ſuchen, obwohl er recht gut wußte, daß ſie in ſeiner Weſtentaſche ſich befanden. Das Entwenden der Muscatnüſſe war ihm ſo zur andern Natur geworden, daß er zuweilen denjenigen, der den Necos bereitete, in eine Unterhaltung verwickelte, wobei er ihm voll ins Geſicht ſah, während er ſchlau und, wie er glaubte, unbemerkt das Gewürz wegnahm, wie der Schurke, welcher in der bewundernswerthen Zeich⸗ nungRoyal Cockpit von Hogarth einem blinden Manne eine Banknote ſtiehlt.

An einem regnichten Morgen lud er den Geiſtlichen nach der Beichte ein, bei ihm zu bleiben, bis der Himmel ſich auf⸗ geklärt habe. Der Regen hielt indeſſen an, bis das Mittags⸗ eſſen fertig war. Nollekens ſah ſich genöthigt, den Prieſter zu bitten, mit ihm einen der vier Vögel zu eſſen, die er von dem Herzog von Newcaſtle zum Geſchenk erhalten habe. Sie ſetzten ſich an den Tiſch; der ehrwürdige Mann überließ ſeinem Wirth einen Flügel und behielt alles Uebrige von dem Vogel für ſich, indem er Nollekens verſicherte, er mache ſich nichts aus vielem Eſſen, während er doch jeden Knochen ab⸗ nagte.Ich habe keinen Pudding, ſagte Nollekens,aber trinken Sie vielleicht ein Glas Wein? Ach, Sie haben Ale getrunken. Indeſſen brachte Bronze eine Flaſche Wein herein, und nachdem Nollekens ein Glas davon getrunken hatte, ging er nach ſeinem Armſtuhl, um darin wie gewöhnlich ein Schläfchen zu machen.

Der Prieſter, welcher munter blieb, wurde nach einiger Zeit von Nollekens, der ſich das Taſchentuch vom Kopfe nahm, eingeladen, ſich ein zweites Glas Wein einzuſchenken, erſchrak aber nicht wenig, als er die Antwort erhielt:

Ich danke Ihnen, Sir; ich habe die Flaſche geleert.

Den Teufel haben Sie! murmelte Nollekens.

Nun, Sir, da der Regen vorüber iſt, ſo will ich Abſchied nehmen.

Gut, thun Sie das, ſagte Nollekens, welcher nicht blos entſchloſſen war, ihn ohne Kaffee fortgehen zu laſſen, ſondern auch Bronze ſtrenge Befehle gab, den alten Schurken nicht wieder herein zu laſſen.

Denkt Euch nur, fuhr er fort,daß er den großen Vogel ganz aufgegeſſen und mir nur einen Flügel davon gegeben hat; ebenſo verſchlang er das ganze Ale und von der Flaſche Wein habe ich nur einziges Glas bekommen.

Man erfährt mit Vergnügen, daß der Bildhauer nach dem Tode ſeiner Frau ſowohl gegen ſich ſelbſt wie gegen Andere freigebiger wurde; er lud häufiger einen Freund zum Mittagseſſen ein und machte ſeinen Dienſtboten Geldgeſchenke. In ſeiner letzten Krankheit fragte er ſeine Haushälterin, ob ſie eine Perſon, die er kenne, wiſſe, welche in Noth ſei, und auf die bejahende Antwort derſelben verſprach er ſogleich, dem Nothleidenden zehn Pfd. St. zu ſchicken, und was mehr iſt, er hielt ſein gegebenes Verſprechen.

Manche der von dem Verfaſſer mitgetheilten Excen⸗ tricitäten ſcheinen ganz unglaublich. Was ſoll man z. B. zu Miſtreß Lewſon oder Lady Lewſon, wie ſie genannt wurde, ſagen, die ſich nie wuſch, ſondern behauptete, Perſonen, die ſich wüſchen, erkälteten ſich immer oder ſie erzeugten ſchreck⸗