Jahrgang 
1-26 (1867)
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weite Ferne zu folgen bis dahin, wo der ſich erhebende Waldgrund des Phönixparkes die Ausſicht verſchließt.

Eines der alten Gebäudean der ehemaligen Lord Gallways⸗ Promenade hatte noch nicht lange aufgehört, das Tages⸗ geſpräch zu ſein. Es feſſelte nicht weniger die Aufmerkſamkeit der Fremden durch die ſich daran knüpfenden hiſtoriſchen Erinnerungen, als den gläubigen Theil der einheimiſchen Bevölkerung durch eine alte, neuerdings aufgewärmte Sage, an denen kein Land reicher iſt, als die geſegnete grüne Inſel. Beſonders indignirte die ſchonungsloſe Intoleranz, mit der man noch nicht viele Jahre her gegen den letzten Beſitzer des alten Herrenhauſes, einen Lord ächt iriſchen Blutes, verfahren war.

Obgleich jetzt alt und verältert von Innen und Außen, ſo konnte man ſich nicht leicht einen ſchöneren ländlichen Aufenthalt mitten in der volkreichen Stadt denken, als dieſe Wohnung vor allen anderen in früheren Zeiten mochte gewährt haben. Das alte Haus beherrſchte in der Frontſeite eine weite Fernſicht über die fruchtreichen Gelände des Liffey. Aus den hinteren Gemächern überſah man die majeſtätiſchen Ge⸗ birgszüge, wie ſie, aus dem blauen Nebel aufſteigend, allmälig in die grünen Fluren auslaufen, welche die Stadt von jener Seite begrenzen. Dabei lag der alte Bau in der Nähe der vormaligen Gerichtshöfe und der Cathedrale, ein Platz, den die Unruhen eines früheren Zeitalters zum Brennpuncte aller Lebensintereſſen des Königreichs machten.

Das Gebäude, weniger hoch als lang, glich den dunkeln Fachwerkhäuſern, wie man ſie noch in manchen Städten von Niederſachſen gewahrt, die von der modernen Verſchönerungs⸗ wuth noch verſchont blieben. Es war mit Schindeln gedeckt, mit vielen Erkern geſchmückt und der gewölbte Eingang war eng und niedrig. Durch die ganze Breite des Hauſes zog ſich ein ſtarker Balken von Eichenholz, auf dem eine Menge von Wappen und heraldiſchen Zierathen noch vollkommen erkenntlich waren, bis auf einige Stellen, wo das Holz durch den Tropfenfall beſchädigt war. Eine Inſchrift lautete: Victoria mihi Christus. Dann folgte ein großes Wappenſchild mit der Jahreszahl 16 und die verſchlunge⸗ nen Anfangsbuchſtaben M. M. O. B.

Das Haus hatte ſeit undenklichen Zeiten den Namen O Brien Caſtle geführt, weil es die Reſidenz desjenigen Zweiges der uralten Familie O'Brien geweſen, von welchem der berühmte Murrogh, Lord Inchiquin, General in Crom⸗ well's Armee, der letzte Abkömmling ſeines Geſchlechtes in gerader Linie geweſen war. Nach der Schlacht von Caſhel, wo er wegen der ſie begleitenden Ereigniſſe in der Geſchichte ſeines Vaterlandes die fürchterlichen BeinamenMord⸗ brenner und Kirchenſchänder erhalten, zog ſich der Lord hier⸗ her zurück. Seitdem war das alte Stammhaus fortwährend durch einen Nachkommen der O'Brien bewohnt worden, bis ſich vor ungefähr 50 Jahren ein Streit über den Beſitz zwiſchen zwei Prätendenten erhoben hatte.

Das alte hartnäckige Bauwerk blieb ſeit jener Zeit un⸗ bewohnt, bis auf eine nornenähnliche alte Frau, die für freie Wohnung, in einem abgelegenen Gemache am Ende der Hausflur, als Schließerin in dem alten Schloſſe fungirte, während ſie ihr Daſein kümmerlich durch kanze Gaben friſtete, die mitleidige Seelen zuweilen ihrem Enkel, nur nicht ihr ſelbſt verabreichten.

Trotz der frommen AInſchrift ſtand das verlaſſene O'Brien Caſtle, ſowie deſſen nächſte Nachbarſchaft in einem ſehr übeln Rufe. Man hegte gegen das alte Stammhaus und gegen die alte Frau das gewöhnliche Vorurtheil, das

Rovellen⸗Zeitung.

man, ſonderbar genug, wie gegen gewiſſe alte Frauen auch gegen finſtere alte Gebäude zu hegen pflegt.

Man behauptete auf die Gewährſchaft des wöchentlichen Kärrners aus Kilkenny, daß die Alte keine andere, als Alice Katkill ſei, die berüchtigte Hexe aus jener alten Stadt, wo nach der Volksſage Feuer ohne Rauch, Luft ohne Nebel, Waſſer ohne Schlamm und Land ohne Schmutz aller⸗ dings den Einfluß eines übernatürlichen Weſens vermuthen laſſen. 7

Da jedoch die Sage nicht eben ſehr gewiſſe nhaft in An⸗ gabe der Daten iſt, ſo wußte Niemand die Zeit zu beſtimmen, in der Alice florirt hatte. Wohl aber wollte man wiſſen, daß ſie von einem Biſchofe von Oſory wegen Zauberei ver⸗ urtheilt war; daß ſie ſich eines spiritus familiaris in der Perſon eines gewiſſen Robin Artyſon bedient; daß ſie neun rothe Hähne auf einem beſtimmten Kreuzwege getödtet, und daß ſie regelmäßig zwiſchen der Vesper und Abendglocke die Straßen von Kilkenny mit einem neuen Beſen gekehrt hatte. Aus den Acten aber wußte man, daß zwei ihrer Mitſchuldigen lebendig verbrannt waren, weil ſie des Teufels Zaubergürtel getragen, während ſich Frau Alice für ihre Perſon ſalvirte, indem ſie auf dem Beſenſtiel durch die Luft ritt und den er⸗ ſtaunten Verfolgern ein Schnippchen ſchlug.

Seit der Zeit hatte man nie wieder von Alice gehört, bis ſie ein oder zwei Jahrhunderté ſpäter durch den Boten von Kilkenny wieder entdeckt wurde, der an jedem Montage auf ſeinem Wege zur Stadt am Hötel der O'Brien vorbei fuhr. Dort wollte er ſie in alter Gewohnheit zwiſchen der Vesper und Abendglocke, das Trottoir vor dem Thorwege mit einem neuen Beſen kehrend, geſehen haben..

Unheilvoll verbreitete ſich das gegen die alte Frau er⸗ hobene Geſchrei von Lord Gallways⸗Promenade hinab bis

zur Watlingſtraße und durch alle Quergänge in der Nachbar⸗

ſchaft. Noch einmal erhob die Verfolgung ihren Nichts ſchonenden Arm, um, wenn auch nicht Brandfackeln und Scheiterhaufen anzuzünden, doch faule Eier gegen die Alte zu ſchleudern und das Herrenhaus mit Steinen zu bombar⸗ diren, wozu man das Straßenpflaſter mit unglaublicher

Schnelligkeit aufgeriſſen hatte.

Vergebens erklärte Alicens vermeintlicher Genoſſe, Robin Artyſon, daß er Dennys Mouny heiße und daß die vermeintliche Alice Katkill keine Andere, als Molly Mouny, ſeine Großmutter ſei, für die er auf den Stufen der Cathe⸗ drale Almoſen ſammle. Alles vergebens. Sobald Pſeudo⸗ Alice zwiſchen Vesper und Abendglocke ihr greiſes Hauf ſehen ließ, wurde ſie unter ſchrecklichen Verwünſchungen m Eiern und Steinen begrüßt.

.(Schluß folgt.)

English Eccentrics and Eccentricities. By John Timbs. II.

Im wirklichen Leben folgt auf den Geizhals ſehr oft ein Verſchwender, wir wollen aber, um des Contraſtes willen, umgekehrt verfahren und aus dem obigen Werke auf den großartigen Verſchwender Beckford den ausgezeichneten Bild⸗ hauer Nollekens, einen ſchrecklichen Geizhals, wie ſein Vater vor ihm geweſen war, und wie alle Geizige furchtbar gemein,

folgen laſſen und wählen dazu die beſten Anekdoten vo

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