Jahrgang 
1-26 (1867)
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Vierte

wiederholtem Aufenthalt auf der romantiſchen Inſel heraus⸗ ſtellen.

Daß es nicht des Prinzen Abſicht iſt, Irland mit einem nur flüchtigen Beſuche zu beehren, wir es Georg IV. und vor einigen Jahren die Königin Victoria gethan, erhellt aus dem nach Dublin ergangenen Befehle, in Uebereinkunft mit deſſen Eigenthümer, den Palaſt des Herzogs von Leinſter in Dublin zu einer längeren Aufnahme der kronprinzlichen Familie in Bereitſchaft zu ſetzen.

Das durch die Fenierbewegung für Irland erweckte Intereſſe wird neuerdings geſteigert durch den Beſchluß des britiſchen Thronfolgers, zeitweilige Reſidenz in der iriſchen Hauptſtadt zu nehmen. So wird denn auch ein Bild, von Dublin, wie wir es aus früherem und ſpäterem Aufenthalte in Liebe für das in geſchichtlicher und archäologiſcher Hinſicht ſo merkwürdige Inſelland treu im Gedächtniß bewahrt haben, dem Leſer in dieſem Augenblicke keine unwillkommene Er⸗ ſcheinung ſein.

Dublin, das man in ſeinen neuen Theilen mit Recht den ſchönſten Metropolen von Europa zuzählen darf, war noch im Jahre 1770, als der Strafcodex noch in ſeiner ganzen Strenge gehabt wurde mit Ausnahme einiger ariſtokra⸗ tiſchen Paläſte eine Stadt mit engen winkeligen Gaſſen, oder langen düſtern Reihen von unſcheinbaren Häuſern und Hütten, in deren ſchmutzigen Zugängen die Bewohner in großer Aehnlichkeit mit den armen menſchlichen Weſen ſich drängten, welche man einſt in den Ghettos von Frankfurt und Rom einſchloß, ſobald der Abend herangekommen war. Auch die Hauptſtraßen boten uns weniges Aeußere dar, an dem das Auge des Beobachters mit Wohlgefallen hätte verweilen mögen. Erſt mit dem Jahre 1784 begann die Stadt ſich aus ihren vorzeitlichen Trümmern zu erheben; aus den unſchein⸗ baren Häuſern von Fachwerk entſtanden Paläſte. Es war um die Zeit, als die Menſchen mit der Milderung der Ge⸗ ſetze aus einer todesähnlichen Lethargie erwachten, um wieder am öffentlichen Verkehr, am Handel, an einem gemeinſamen Volksleben Theil zu nehmen.

Die alte Hauptſtadt, eines der ſchönſten Länder unter dem Himmel wie ſie Spencer bezeichnet fing dann an, den Anblick und den Glanz einer Hauptſtadt erſten Ranges zur Schau zu ſtellen. Die dunkeln Gaſſen, Durchgänge und Höfe mußten geräumigen Straßen und ſchönen Boulevards Platz machen, damit des Himmels reine Luft eindringen und ſein ſegenbringendes Licht über der Stadt leuchten könne. Wie durch einen Zauberſchlag ſtiegen Gebäude in einfacher

Größe, aber in einem edeln Bauſtyle, wie man ihn in der

engliſchen Metropole nur zu häufig vermißt, ſowohl zum öffentlichen Nutzen, als zum gemeinſchaftlichen Vergnügen, aus dem Schutte der alten empor.

Während ſich die nördlichen und öſtlichen Ufer des ſchönen Fluſſes, welcher ſich in zahlloſen maleriſchen Win⸗ dungen durch die iriſche Königsſtadt ſchlängelt, mit allem denkbaren Glanze der neueren Baukunſt füllten, blieb jedoch der weſtliche, oder der Theil des alten Dublins, welcher, ehe⸗ mals mit feſten Wällen umgeben, das Schloß, die Gerichts⸗ höfe, die Hauptkirchen und die Wohnungen der wenigen

Großen enthielt, die in allen Zeiten Reſidenzen in der Haupt⸗

ſtadt beſaßen, faſt unverändert. Hier ſieht man noch immer die Trümmern der ehrwürdigen Häuſer der Geraldine, der Petty's, der Boyle's, der O'Briens, der O'Flaherti's und ſolcher iriſchen und engliſchen Häputlinge, die im Kampfe der weißen und rothen Roſe den Pfad der Loyalität verlaſſen hatten. Niemand hat gewagt, die Hand an den Abbruch

Folge. 219 vieſer durch die Landesgeſchichte heiligen Denkmäler zu legen. Selbſt dem mit einer Reihe attiſcher Säulen großartig ge⸗ ſchmückten Palaſte der Familie Motagne gegenüber ſieht man

noch jetzt viele jener alten Gebäude, mit wunderlichem Schnitz⸗

werk geziert und mit Schindeln gedeckt, deren hohe, in vielen Abſätzen aufragende Giebel, ſowie die luftig ſchwebenden Erker und oft gefährlich überhängenden Altane den unten gehenden Wanderer mit Verderben bedrohen, während ſie den Alter⸗ thumsforſcher mit Entzücken erfüllen und dem Novellenſchrei⸗ ber reichhaltigen Stoff zu Volksbildern geben, die im In⸗ und Auslande mit ſtets neuem Intereſſe geleſen werden.

Die ſchönen neuen Straßen mit ihren eleganten Gebäu⸗ den, ja mit Paläſten im wahrem Sinne des Wortes, als der des Lord⸗Statthalters, des Herzogs von Leinſter, des Grafen von Ormond u. a., imponiren ſowohl durch ihre äußere Form als durch innere fürſtliche Ausſtattung. Das Trinity⸗College, die Bank, das ehemalige Parliamentshaus, das prächtige Zollgebäude, das Nationalmuſeum und die ganz aus ge⸗ ſchliffenen Quadern aufgeführten Caſernen, die eine Garniſon von 10,000 M. aufnehmen können, gewähren mit ihren hohen römiſchen Thoren und Säulengängen einen groß⸗ artigen Anblick. Dieſer wird erhöht durch die Ausſicht auf die ſieben über den Liffey führenden prächtigen Brücken, die in nächſter Zeit noch durch zwei im Bau begriffene Ketten⸗ brücken vermehrt ſein werden, und durch das rege Leben, welches man von den erſten Morgenſtunden bis zum Abend, dann im Glanz zahlloſer Gasflammen auf den wohlerhaltenen Kays entfaltet ſieht. Höchſt intereſſante Bilder gewahrt der ruhige Beobachter im raſtloſen Treiben längs des Hafens, der durch einen mächtigen, aus Granitſteinen erbauten Damm über eine engliſche Meile weit in das Meer hin⸗ ausgeführt iſt.

Der herrliche Phönixpark mit ſeinen alten Bäumen und eben ſo geſchmackvollen als weit ausgedehnten Anlagen, im Hintergrunde die blauüberhauchten Berge, die ſich wie ein coloſſales Amphitheater in ſanfter Abdachung den grünen Auen anſchließen, welche die Hauptſtadt faſt von drei Seiten umgürten, erhöht um ein Großes die Reize von Dublin. Von innen und außen betrachtet, mit Ausnahme jenes alten Theils, dieLiberty genannt, verdient es jetzt den Namen Königsſtadt mit allem Recht.

Aber eben wie in Rom, ſo wendet ſich auch in Dublin der Blick des Fremden nach der erſten allgemeinen Ueberſicht immer wieder dem alten Stadtviertel zu, wo man über den vielen geſchichtlichen Ueberbleibſeln alle Schönheiten und Merkwürdigkeiten der neueren und neueſten Zeit einſtweilen wieder vergißt.

Hiſtoriſche Denkmäler behalten für den Denkenden einen eigenthümlichen Reiz, einen Zauber, der Jahrhunderte lang ſelbſt dann noch die leere Stätte umgiebt, wenn profane Hände längſt den letzten Stein oder Balken hinweggeholt haben, um ihn zu materiellen Zwecken der Gegenwart zu benutzen.

So fühlten auch wir uns wiederholt faſt unwillkürlich

zu dem großen öden Platze hingezogen, der, vor ZeitenLord

Gallways⸗Promenade genannt, jetzt den NamenMilitär⸗ weg führt. Es iſt eine faſt wüſte Gegend, wo eine Menge ſolcher halb in Trümmern zerfallener Gebäude über den

Ufern des Liffey hängen, die hier einen ſchneidenden Contraſt

mit dem reizenden Anblick gewähren, den die maleriſchen, mit Gruppen der ſchönſten neuen Gebäude bedeckten Ufer des Fluſſes im Oſtende darbieten. Indeſſen iſt hier auch der

geeignete Fleck, den mäandriſchen Windungen des Liffey in