Jahrgang 
1-26 (1867)
Einzelbild herunterladen

200 Novellen

von der Allmacht Gottes wohl und der Geſtalt in⸗ formiret werden, daß ihm alle Zeit eine heilige Furcht und Veneration vor Gott beiwohne, denn dieſes iſt das einzige Mittel, die von menſchlichen Geſetzen und Strafen befreiete ſouveraine Macht in den Schranken der Gebühr zu halten. Sodann ſollte dem Prinzen Ehrfurcht, Hochachtung und Gehorſam gegen ſeine Eltern eingeprägt werden. Doch ſetzte der König die ſchönen Worte hinzu:Gleichwie aber die all⸗ zugroße Furcht nichts Anderes als knechtiſche Liebe und ſeclaviſche Effecten hervorbringen kann, ſo ſoll ſowohl der Oberhofmeiſter, als der Sougouverneur dahin arbeiten und ihr Möglichſtes anwenden, Meinem Sohne wohl begreiflich zu machen, daß er keine ſolche

Furcht, ſondern nur eine wahre Liebe und vollkommen

Vertrauen vor Mich haben und in Mich ſetzen müſſe, da er denn finden und erfahren ſolle, daß ihm mit gleicher Liebe und Vertrauen begegnet würde. Ueber⸗ all wird in der Inſtruetion auf ſtrengſte Sittlichkeit gedrungen; dem Stolz und Hochmuth, wenn dieſe ſich zeigten, ebenſo den Einflüſterungen der Schmeiche⸗ lei ſollte auf's Eifrigſte entgegengearbeitet werden. Dagegen ſollte der Prinz von früh an zur Leutſelig⸗ keit und Demuth, zur Mäßigkeit, Sparſamkeit, Ord⸗ nung und zu beſtimmtem geregelten Fleiße angehalten werden. Was niſſenſchaftliche Bildung anbetrifft, ſo faßt die Inſtruction nur die praktiſch brauchbaren Kenntniſſe in's Auge. Latein ſollte der Kronprinz gar nicht lernen, dagegen im Franzöſiſchen und Deutſchen ſich eine gute Schreibart zu eigen machen. In der Geſchichte ſollte beſondets auf die Ereigniſſe des eignen Hauſes und Staates, überhaupt auf diejenigen, welche zum Verſtändniß der damaligen Zeitverhältniſſe nöthig waren, Rückſicht genommen werden, u. ſ. w. Auf tüchtige Ausbildung und Abhärtung des Körpers ſollte ebenfalls, ohne den Kronprinzen jedoch übermäßig anzuſtrengen, vorzüglich geachtet werden.Abſonderlich (ſo wird endlich den Hofmeiſtern geſchrieben) haben ſie beide ſich äußerſt angelegen ſein zu laſſen, Meinem Sohne die wahre Liebe zum Soldatenſtande einzu⸗ prägen und ihm zu imprimiren, daß, gleichwie nichts in der Welt, was einem Prinzen Ruhm und Ehre zu geben vermag, als der Degen, er vor der Welt ein verachteter Menſch ſein würde, wenn er ſolchen nicht gleichfalls liebte und die einzige Gloria in dem⸗ ſelben ſuchte.

Den eigentlichen wiſſenſchaftlichen Unterricht des Kronprinzen leitete ein Franzoſe, Dühan, der als Kind nach Berlin geflüchtet war und den der König im Jahre 1715, als Führer eines jungen Grafen, in den Laufgräben vor Stralſund kennen gelernt hatte. Dühan iſt ohne Zweifel von großem Einfluß auf die Bildung

Zeitung.

des Kronprinzen, auf deſſen Uebung im eigenen Leſen und Denken geweſen. Ihm verdankte Friedrich die Kenntniß der Geſchichte und der franzöſiſchen Literatur. Die deutſche Literatur war zu jener Zeit auf der tiefſten Stufe des Verfalles, während die franzöſiſche gerade ihren höchſten Gipfelpunct erreicht hatte. An den Muſterbildern der letzteren wurde der Geiſt Friedrichs genährt, wie ihm ſchon durch ſeine Gouvernante die franzöſiſche Sprache geläufiger gemacht war, als die eigne Mutterſprache. Auch für Dühan hat Friedrich bis an deſſen Tod eine treue Zuneigung bewahrt.

Der Unterricht in der lateiniſchen Sprache war, wie ſchon bemerkt, durch die Inſtruction des Königs verboten worden. Doch hat Friedrich ſelbſt in ſpäterer Zeit öfters erzählt, r habe in ſeiner erſten Jugend ob aber mit Bewilligung des Vaters, wiſſen wir nicht zu ſagen einen lateiniſchen Sprachmeiſter, ge⸗ habt. Einſt ſei der König dazu gekommen, als der Lehrer ihn aus dem berühmten Reichsgeſetze der gol⸗ denen Bulle Einiges habe überſetzen laſſen. Da er einige ſchlechte lateiniſche Ausdrücke gehört, ſo habe er den Sprachmeiſter gefragt:Was machſt Du Schurke da mit meinem Sohne?Ihro Majeſtät, ich explicire dem Prinzen auream bullam. Der König aber habe den Stock aufgehoben und geſagt: Ich will Dich Schurke auream bullam habe ihn weggejagt und das Latein habe aufgehört.

Der König, wie wenig er die höhere Kunſtbildung zu ſchätzen wußte, hatte doch Wohlgefallen an der Muſik, das heißt an jener ſtrengen Muſik, als deren Meiſter beſonders der große Händel daſteht; Händel ſelbſt ſoll der Lieblings⸗Componiſt des Königs geweſen ſein. So wurde denn auch der muſikaliſche Unterricht des Sohnes nicht verabſäumt; durch einen Dom⸗ organiſten erhielt er Anleitung im Clavierſpiel und in den theoretiſchen Theilen der Muſik. Doch ſcheint dieſer Unterricht ziemlich pedantiſcher Art geweſen zu ſein. Als in dem Kronprinzen eine ſelbſtſtändige mu⸗ ſikaliſche Neigung erwachte, übte er ſich mit Leiden⸗ ſchaft im Flötenſpiel..

Ungleich pedantiſcher noch ſcheint der erſte Reli⸗ gionsunterricht betrieben worden zu ſein, ſo daß die höchſten Lehren und die tiefſinnigſten Geheimniſſe des Glaubens dem Prinzen in einer Schale vorgetragen wurde, welche wenig geeignet war, das Gemüth zu erwärmen. Auch mag es als ein ſehr bedeutender Mißgriff von Seiten des Vaters gerügt werden, daß auf ſeinen Befehl der Sohn, wenn er ſich einer Strafe ſchuldig gemacht hatte, ein Stück des Katechismus oder der Pſalmen auswendig lernen mußte. Das, was auf drohenden Befehl dem Gedächtniſſe einge⸗ prägt ward, konnte ſchwerlich im Herzen Wurzel faſſen.

auf die ſag im; dad d ne ne en A

e

trei gett

bel ſiore