Jahrgang 
1-26 (1867)
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Schnell ſchritt ſie zum Zimmer hinaus. Nicolaus aber ſank auf einen Stuhl, hielt ſich die Hände vor das Geſicht und murmelte:Ich habe ihr Unrecht gethan.

Nach kurzer Zeit verließ Frau Welm laut weinend das Haus, ohne Abſchied zu nehmen. Nicolaus ſchaute ihr nach. Als ſie um die Waldecke bog, rollten auch ihm die hellen Thränen über die Wangen. Gerne hätte er Frau Welm zurückgerufen aber es war zu ſpät zu ſpät.

Ein neuer Tag war zu Ende gegangen und Alles hatte im Kruge das Lager geſucht. Unbegreiflicherweiſe blieb heute der Krüger länger, als gewöhnlich, bei ſeiner Tochter und ſchien es faſt, als habe er etwas auf dem Herzen. Margareth räumte, wie alle Tage, im Gaſtzimmer auf, er ſetzte ſich zu ihr, ſein Pfeifchen rauchend.

Nun, Kind, ſagte er,bringe nur Alles fein in Ordnung, damit nächſtens Deine Verlobung ſein kann.

Die Jungfrau erröthete über Stirne und Wange.

Hoffentlich wirſt Du recht glücklich werden, fuhr der Alte fort.

Margareth fiel ihrem Vater um den Hals und weinte ſie glaubte, David habe um ſie angehalten.

Weine nicht Gott ſegnet gehorſame Kinder.

Hat er Dir Alles geſagt?

Alles wenn er auch einige Jahre älter iſt.

Das ſchadet Nichts.

Wenn beſtimmſt Du Deine Verlobung?

Wenn Du willſt.

Ich muß aufrichtig geſtehen, ſo gefügig glaubte ich Dich nicht zu finden.

Wie ſo nicht?

Sonſt warſt Du immer dagegen.

Ich?

Ja.

Sprachſt Du jemals davon?

Habe ich nicht häufig darauf angeſpielt?

Heute zum erſten Male.

Kind, Du irrſt denn wie lange Zeit iſt es her, daß Nicolaus Dich heirathen will?

Onkel Nicolaus?

Nun, wer denn?

Den meinte ich nicht.

Nicht?

Wen denn?

David Donner!

Der Alte ſprang auf und rannte umher, dann rief er:

Aber Kind, wie ſounteſ Du auf den Gedanken kommen? 1

Novellen⸗

Zeitung.

Die Jungfrau hatte keine Antwort, als Thränen.

Der Alte ſchien der Situation kaum Herr werden zu können. Er ſtand ſtille, machte einen langen Zug aus ſeiner Pfeife und rief:

Du mußt Nicolaus nehmen.

Ich kann nicht.

Er hat mein Wort.

David das meinige.

Du ſetzeſt mir Trotz entgegen?

Ich nehme Onkel Nicolaus nicht.

Mußt.

Er könnte mein Vater ſein.

Deſto beſſer.

Nun folgte eine Pauſe, in welcher beide Parteien ſich zu ſammeln ſchienen. Die Stirnfalte des Alten krauste ſich ſeine Mienen deuteten auf einen Zorn⸗ ausbruch. ·

Wie konnte der Bube es wagen, ſich Dir zu

nähern? ſchrie Wolfert.

Er hat mein Jawort..

Ohne mich zu fragen, ohne mich zu fragen! polterte der Alte.Muß ich das an meinem Kinde erleben?

Ich heirathe nur David!

Dann jage ich Dich zum Hanſe hinaus.

Deshalb werde ich doch thun, was ich für gut halte..

In acht Tagen iſt Deine Verlobung mit Nico⸗ laus es ſoll es muß ſein. David weiſe ich morgen hinaus.

Der Alte verließ wüthend das Zimmer die Thüre hinter ihm fiel krachend ins Schloß.

(Schluß folgt.)

Nie Aunft.

Von Ernſt Jurk. 4

Der hohen Göttin Glanz erfüllt die Erde

Und gießt ein Meer von Licht in ihre Nacht; Der Schöpfer ſpricht ſein allmachtsvollesWerde! Und die gelungne Schöpfung iſt erwacht.

Er ſelbſt das Kunſtwerk in der großen Heerde Geſchaffner Weſen aus des Schöpfers Macht Er ſchwingt fich kühn im Adlerflug nach oben, Durch ſeine Schöpfung ewiglich erhoben.

Sich ſelbſt bewundernd ſinkt er vor ſich nieder Und betet ſeinen Geiſt verehrend an; Er iſt es noch und kennt ihn doch nicht wieder

Er ſchwelgt in einem ſelig⸗trunk'nen Wa

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