Jahrgang 
1-26 (1867)
Einzelbild herunterladen

196 Novellen

So bin ich unausſprechlich glücklich. 4

Das biſt Du, David, ertönte eine weibliche Stimme hinter dem Paare,denn Dir wurde ein Engel zu Theil ein Engel!

Erſchrocken ſchauten ſich David und Margareth an hinter ihnen ſtand Veronika.

Man will Dir dieſen Engel entreißen ſchütze ihn bald kommt die Zeit, fuhr die Geiſteskranke

fort dann ſchritt ſie langſam in's Haus.

Nein, Bruder, nein, das iſt nicht zu ertragen, Sapperment! Die alte Schachtel macht mir den Kopf täglich wärmer, ich muß ſie aus dem Hauſe ſchaffen. Heute, Morgens, führte ſie mir ein fünfactiges Drama auf, deſſen Schluß ein bengaliſches Feuerwerk bildete.

So ſprach der alte Förſter Nicolaus Wolfert zu ſeinem Bruder Johann.

Gegen Abend war er hoch zu Roß nach Neukrug gekommen, um ganz ernſtlich wegen ſeiner Hochzeit Rückſprache zu nehmen. Beide Brüder begaben ſich in das Hinterzimmer, damit ſie Niemand ſtöre.

Der Schankwirth hörte Alles mit ernſter Miene an, zog die ohnehin faltenreiche Stirn noch faltiger zuſammen und ſagte:

Nicolaus, ich bin faſt funfzehn Jahre älter als Du und habe Dich eigentlich immer bevatert. War's nicht immer die erſte Mahnung, die ich an Dich er⸗ gehen ließ ſchaffe die Megäre aus Deinem Hauſe?

Sapperment!

Schaffe ſie fort, dann kannſt Du Deine Ver⸗ lobung mit Margareth feiern.

Heute heute noch beginne ich die Execution. Nicolaus ritt nach Hauſe.

In der Gaſtſtube herrſchte rege Lebendigkeit. Selten ging es ſo munter her wie heute. An allen Tiſchen bildeten ſich Gruppen von Kartenſpielern, denn alle Fiſcher aus dem Dünendorfe hatten ſich im Kruge verſammelt.

Verworren ſummten die Stimmen durcheinander und nicht ſelten fiel ein furchtbarer Fluch dazwiſchen.

Donner und Licht! ſchrie Jonas, der Zimmer⸗ mann des geſtrandeten Schiffes, ein rothhaariger, häß⸗ licher Kerl, welcher bereits durch ſein Hin⸗ und Her⸗ ſchwanken auf der Bank die volle Ladung zu erkennen gab,die Landratten ſind Kerls wie Waſchweiber können keinen Trumpf ausſpielen.

Halt's Maul, Seeotter, halt's Maul! rief der Fiſcher, dem dieſes Lob galt,kannſt nicht ſehen!

Heiliges

Keinen Fluch auf Deinem Fahrwaſſer iſt Nacht und Nebel! Kannſt Nichts ſehen!

Nicht ſehen tongess Gandläufer? ſchrie der

Jeitung.

Rothkopfich ſehe, daß Dein Toppſegel lätirt iſt! Wirklich beſaß der Nehrunger eine blutrünſtige Naſe voller Contuſtonen, deren Farbe eben nicht auf Fried⸗ ſeligkeit deutete.

Es folgte ein ſchallendes Gelächter.

Abends zehn Uhr ging David in ſeine Cajüte. Mit einem Händedruck ſchied er von Margareth. Döllert wie keine Seele, außer Veronika, ahnten zwiſchen David und Margareth ein Liebesverhältniß. Wie ſollten ſie auch? David wurde von Niemandem, am wenigſten von Döllert beachtet. Sein ganzes Augenmerk richtete ſich auf die Dünenkönigin.

Den ganzen Abend näherte er ſich der Jungfrau und zweifelte durchaus nicht an Erfolgen.Einem Mädel der Art, meinte er,iſt bald der Kopf ver⸗ dreht!

So kam die Nacht heran. Der alte Krüger hatte längſt das Bette aufgeſucht, ebenſo begaben ſich die Matroſen auf's Lager den Heuboden während der Capitän noch immer vor der Thüre ſaß und ſeine Cigarette rauchte. 3

Margareth befand ſich in der Gaſtſtube, um die Gläſer und Flaſchen, die heute noch mehr als ge⸗ wöhnlich benutzt worden waren, bei Seite zu bringen. Plötzlich trat Döllert in das Zimmer und nahm auf einem der darin befindlichen Holzſchemel Platz.

Noch immer auf? fragte er, wie es ſchien, verwundert.

Ich muß wohl, lautete ihre Antwort.

Bald iſt's Mitternacht, erwiderte er, dabei zog er ſeinen Chronometer, um ſich zu überzeugen, dann rief er mit erheuchelter Verwunderung:Wahrhaftig, Mitternacht!

Wenn man Sie, begann er nach einer Pauſe, betrachtet, möchte man glauben, daß ein Engel in Menſchengeſtalt hier im Hauſe ſchaffe und walte.

Wie meinen Sie das? rief Margareth em⸗ pfindlich.

Schnell erwiderte Döllert:Ich meine, daß ich Sie noch ſtundenlang betrachten könnte.

Gute Nacht! ſprach die Jungfrau, indem ſie ſich in's Nebenzimmer zu gehen anſchickte.

Wollen Sie mich wirklich verlaſſen? In Ihrer Geſellfchaft werden mir die Stunden zu Minuten!

Margaretrh erſchrak, denn kaum hatte der Capitän dieſes geſagt, als er aufſprang, auf das Mädchen zu⸗ eilte und ſie in ſeine Arme ſchloß.

Sie irren ſich in mir, Herr Döllert, rief ſie entrüſtet.

Komm hinaus, ſchöne Dünenblume, flüſterte er,draußen belauſcht uns Niemand.

* 45

j

2

Va⸗

ni