Jahrgang 
1-26 (1867)
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Nein es iſt die wahnſinnige Veronika, unſere Retterin, flüſterte der Steuermann.

Hüte Dich, ich werde Margareth beſchützen! ſchrie Veronika auf's Neue, und ihr Auge leuchtete in unheimlicher Gluth.

Kommen Sie nach Hauſe, ſprach Döllert zum Steuermann gewendet,mich langweilt die Geiſtes⸗ kranke.

Fliehe von hinnen, Menſch! kreiſchte Veronika, aber ſei gewärtig, daß ich Dir durch Himmel und Hölle folge! Deinen Schlummer will ich überwachen Deine Nächte umſchleichen wie ein Dämon Deine Gedanken erforſchen, damit Du ihr kein Leides zuzufügen vermagſt! Naheſt Du Dich ihr aber in un⸗ geziemender Weiſe hier Gott hört meinen Schwur ich werde Dich forttreiben von dieſen Bergen und die Dünengeiſter hinter Dir her hetzen! Hörſt Du?!

Nun hüllte Veronika ſich in ihr dunkles Tuch, das nachläſſig um ihre Schultern flatterte, und ver⸗ ſchwand hinter einem der Sandhügel.

Der alte Krüger Johann Wolfert, Margareth's Vater, beſaß kaum Zeit, um ſich um ſeine Gäſte zu kümmern. Die Bergung der aufgefiſchten Gegenſtände nahm ſeine ganze Aufmerkſamkeit in Anſpruch und nicht eher beruhigte er ſich, bis Alles unter Schloß und Riegel gekommen.

Die Matroſen des geſtrandeten Schiffes lungerten hier und dort umher und wußten ſich keiner vor Lange⸗ weile zu bergen, denn die einſame Gegend mit ihren einfachen Menſchen gewährte ihnen keine Unterhaltung. Die größere Zahl ſaß im Kruge beim Kartenſpiel, während die anderen entweder am Haffſtrande an⸗ gelten oder, im Sande hingeſtreckt, die Zeit mit Nichts⸗ thun verbrachten.

Der alte Capitän Donner hatte ſich auf ein Pferd geworfen, um nach Laſchke nach neuen Segeln und einem Maſte zu reiten. Sein Sohn David blieb im beladenen Fahrzeuge als Wächter zurück, das dicht am Ufer vor Anker lag. Natürlich verließ er es bei Tage und nur Nachts ſuchte er ſeine Cajüte auf.

So vertheilte ſich die ganze Geſellſchaft, welche der Zufall im Dünendorfe zuſammengeführt hatte.

Margareth und David ſaßen vor dem Kruge im Beiſchlage. Die Sonne incommodirte ſie nicht mehr, und verſchwand am Horizont.

Ihrem zufälligen Zuſammentreffen ging eine mehr⸗ jährige Bekanntſchaft voraus, deren David ſich aller Orts rühmte, ſo daß faſt Jedermann zu glauben ſchien, eine innige Freundſchaft, vielleicht auch Liebe, kette Beide aneinander.

Folge. 195

Wer hier ſie plaudern ſah, mußte faſt auf ein zärtliches Verhältniß ſchließen, denn beredter konnte kein junger Mann einem Mädchen in die Augen ſchauen.

Margareth befand ſich wie gewöhnlich am Spinn⸗ rad, deſſen Spuhle emſig ſchnurrte.

Das Spinnen muß eine langweilige Arbeit ſein, ſagte David, als er neben der Jungfrau Platz ge⸗ nommen,ich würde keine Geduld dazu beſitzen.

Warum nicht? erwiderte dieſe.So wie der Faden ſich formt, geſtaltet ſich das Leben!

So?

Der denkende Menſch fühlt ſich bei jeder Arbeit glücklich.

Wirklich?

Jedes Loos, das Zufriedenheit birgt, iſt be⸗ neidenswerth. Wollte man hier im Dünendorfe An⸗ ſprüche machen, wie bekäme man da die Tage, vor allen Dingen den langweiligen Winter zu Ende?

Sehr wahr aber das Herz ſehnt ſich doch hinaus.

Wie manche Sehnſucht bleibt unbefriedigt!

Ja leider

Das muß ſie auch denn welcher Menſch iſt glücklicher, der, welcher Alles errang, oder der, welcher bis zum letzten Lebensende ringt?

Beide können glücklich ſein.

Gewiß!

Wenn der heißeſte Wunſch ſeines Herzens er⸗ füllt wird.

Eine leichte Röthe ſtieg Margareth in die Wangen, dann rief ſie:Der wäre?

Margareth, himmliche Margareth, ich habe Dir ſchon lange meine Herzenswünſche offenbaren wollen. Gelegenheit fand ich oft, allein mir fehlte der Muth dazu.

Die Jungfrau ſpann emſiger kein Wort kam über ihre Lippen.

Willſt Du mich hören? fragte David noch ein⸗ mal.

Ja, liſpelte ſie und das Rad drehete ſich langſamer.

Ich liebe Dich!

Das Spinnrad ſtand ſtille.

Ja, ich liebe Dich, Angebetete, habe Dich geliebt, ſeitdem ich Dich kenne.*

Sie ſchwieg eine brennende Thräne rann ihr über die Wangen.

Gieb Antwort o gieb Antwort, ehe uns Jemand belauſcht, rief David.Darf ich auf Gegen⸗ liebe hoffen?? 4*

Ein leiſesJa llang per ihren Lippen.

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